BR-KLASSIK

Inhalt

Thema der Woche Harry L. Alford: Büro für musikalische Arrangements

Mit einer ganz besonderen Geschäftsidee machte Harry L. Alford Anfang des 20. Jahrhunderts von sich reden: Er gründete ein Unternehmen, das für jede Gelegenheit das passende Arrangement anfertigte, denn als Erster im amerikanischen Unterhaltungsbusiness erkannte Alford wie wichtig für den Erfolg eines Songs neben der Melodie ein gutes Arrangement war.

Harry L. Alford und der besondere Klang

1904 hat Alford in Chicago das weltweit erste "Büro für musikalische Arrangements" gegründet. Die Idee war, von einem Stab hochqualifizierter Mitarbeiter maßgeschneiderte Arrangements jeder Art für alle musikalischen Stilrichtungen anfertigen zu lassen. Die Kunden konnten die zu bearbeitende Musik per Post schicken oder auch persönlich vorbeibringen.

Ein Vaudeville-Sänger, dem morgens eine grandiose Melodie einfiel, konnte gleich danach im Büro vorbeischauen und die Melodie einem von Alfords Mitarbeitern vorsingen. Der würde am Klavier die für den Sänger geeignete Tonart bestimmen, eine hübsche Begleitung vorschlagen, vielleicht auch noch eine passende Einleitung dazu komponieren, am selben Nachmittag würde der Sänger sein neues Lied wieder abholen können, arrangiert - je nach Wunsch - für Klavier, Band oder kleines Theaterorchester, und am Abend würde unser Sänger das Lied schon seinem Publikum präsentieren können.

Arrangements am laufenden Band

Der Erfolg von Alfords Geschäftsidee war ungeheuer. Das Büro schrieb Arrangements für die größten amerikanischen Musikverlage, für unzählige Sänger, Orchester- und Bandleiter, Komponisten, Produzenten, Theater-Stars und Starlets. Ein "Arrangement von Harry L. Alford" war ein Markenzeichen erster Güte.

Sänger wollen nicht warten

Harry L. Alford | Bildquelle: Alford American Family Association Harry L. Alford | Bildquelle: Alford American Family Association 1910 bezog Alfords Büro ein Stockwerk in einem großen Chicagoer Bürohaus. Dreizehn Mitarbeiter, darunter auch einige Frauen, arrangierten, transponierten und komponierten für ihn. Jeder spielte auch noch mehrere Instrumente, und Alford hatte sie so ausgewählt, daß er aus ihnen eine Firmenband zusammenstellen konnte, um neue Effekte gleich an Ort und Stelle auszuprobieren. 1916 zog er nochmals um, in ein ganzes Stockwerk im Bürogebäude-Teil des Opernhauses von Chicago. 18 Mitarbeiter konnten nun auch große Aufträge durch geschickte Arbeitsteilung im Handumdrehen erledigen. "Sänger wollen nicht warten", war Alfords Devise.

Arrangieren als Kunstform

Der Niedergang von Alfords Büro kam um 1930. Das Ende der Vaudeville- und Ragtime-Zeit hatte er noch gut überstanden, den Aufstieg des Jazz konnte er nicht mehr mitmachen. Das war nicht mehr seine Musik. Bis dahin aber hatte Alfords Büro über dreißigtausend Arrangements hergestellt. In den Jahren 1900 bis 1930 hatte sein Unternehmen den Klang der amerikanischen Unterhaltungsmusik maßgeblich geprägt. Alford hat ihren Sound geformt und das Arrangieren zu einer anerkannten und begehrten Kunst gemacht.

Wir hören im "Thema der Woche" Aufnahmen des Paragon Ragtime Orchestra, das Alfords Leben und seine Musik erforscht und ihm 2013 eine CD gewidmet hat.

    AV-Player