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Thema der Woche Robert Stolz

Er schrieb Melodien wie "Im Prater blühn wieder die Bäume" oder "Servus Du", dazu Filmmusik für den ersten europäischen Musikfilm "Zwei Herzen im Dreivierteltakt" und bis in die zweite Hälfte 20. Jahrhunderts Meisterwerke der Wiener Operette.

Walzerkönig Robert Stolz spielt auf seinem Flügel | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Robert Stolz wurde 1880 in Graz als zwölftes Kind einer Musikerfamilie geboren. Die Eltern förderten ihr Wunderkind und berühmte Musikerfreunde der Familie wie Johannes Brahms und Anton Bruckner unterstützten sein Talent. Schon früh gab er Konzerte und begann bereits als Jugendlicher mit dem Komponieren. Gerade seine Tätigkeiten als Pianist und Dirigent von Leichter Musik ermöglichten es ihm in schwierigen Zeiten Arbeit zu finden, mal als Mann am Klavier, mal als Kapellmeister. Und daneben gab’s immer Kompositionsarbeiten.

In Geldsachen nie geschickt, ging es für Robert Stolz viele Jahre auf und ab. Infolge von Spekulationen, der großen Inflation, des 2. Weltkriegs, der freiwilligen Emigration und auch infolge seiner Ehescheidungen, kam er mehrmals um sein gesamtes Vermögen und musste immer wieder von vorne anfangen.

Der österreichische Komponist und Walzerkönig Professor Robert Stolz und seine Ehefrau Einzi machen 1974 einen kleinen Spaziergang durch den Garten ihres Anwesens in Wien.  | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Allen Schicksalsschlägen zum Trotz konnte er am Ende seines langen Lebens auf viele glückliche Jahrzehnte mit seiner fünften Ehefrau Einzi (seine größte Liebe und Inspiration) zurückblicken, auf zwei Oscar-Nominierungen für Filmmusik, auf Welterfolge wie den Wiener Walzer "Zwei Herzen im Dreivierteltakt", auf den 1. Europäischen Foxtrott "Salome", auf Musik zu den legendären Wiener Eisrevuen, auf Musik zu fast 50 deutschen Filmen, auf 47 abendfüllende Bühnenwerke, seine "A Night in Vienna"- Konzerte und unzählige Evergreens. Er hatte die meisten großen Symphonie-Orchester Europas und Amerikas dirigiert und war eine hochangesehen und als letzter Repräsentant der "Wiener Musik" gefeierte Medienpersönlichkeit.

Bis zuletzt dirigierte und komponierte er. Wenige Wochen vor seinem 95. Geburtstag starb er bei Plattenaufnahmen in Berlin, am 27. Juni 1975.

 Das Wunderkind

Schon mit 8 Jahren hatte Robert Stolz viele Male in der Öffentlichkeit gespielt, ebenso wie der junge Wolfgang Amadeus mehr als ein Jahrhundert zuvor. Auch Robert wurde von seinem strengen, aber liebevollen Vater begleitet. Die beiden fuhren in die Provinzstädte und traten in den Musiksalons des Adels und der wohlhabenden Bürger auf. Robert muss im dunkelblauen Samtanzug mit weißem Spitzenjabot genauso ausgesehen haben, wie man sich ein "Wunderkind" vorstellt.

"Der schlechteste Schüler der Steiermark"

Mehr als einmal musste sich Vater Stolz vom Volksschullehrer sagen lassen: "Ihr Sohn, Herr Musikdirektor, ist der schlechteste Schüler der ganzen Steiermark."

Als jüngstes Kind hatte er eine sehr starke Bindung zu seiner Mutter und zu seiner ältesten Schwester Mizzi. Als es Zeit wurde, in die Volksschule zu gehen, leistete er Widerstand: er bat, weinte, versuchte sich an Mutters Rock festzuhalten. Viel lieber wäre er daheim geblieben und hätte musiziert. Das blieb so, von Klasse zu Klasse hat er sich weitergeschleppt und ist schließlich bei der Matura durchgefallen. Viele Jahre später war er dann Professor - immer noch ohne Matura.

Der Philatelist

1970, anlässlich seines 90. Geburtstages gab die österreichische Regierung eine Sondermarke heraus, gewidmet seinem berühmtesten Werk "Zwei Herzen im Dreivierteltakt". Damit ehrte die Regierung zum ersten Mal einen lebenden Künstler. Am Tag der Erstausgabe gab es einen Sonderstempel mit dem Portrait von Robert Stolz, zwei Monate später einen weiteren, der seine Ernennung zum Ehrenbürger von Graz würdigte. Diese Ereignisse inspirierten ihn, einen "Philatelistenwalzer" zu komponieren, der dann bei Sammlerkongressen in aller Welt gespielt wurde. Der begeisterte Briefmarkensammler Stolz wurde unter Philatelisten übrigens als Experte angesehen.

Wien

Sein Lieblingsort, seine musikalische Heimat war immer Wien. Mit kaum 8 Jahren erlebte er das kaiserliche Wien zum ersten Mal. 1936 kehrte er wiederholt nach Wien zurück und nutzte bis 1938 seine zahlreichen Fahrten zwischen Berlin und Wien um 21-mal jüdische oder politische Flüchtlinge im Fond seiner "Gräf und Stift" Limousine über die Grenze nach Wien in Sicherheit zu bringen.

In Wien ist auch seine letzte Ruhestätte, dort wurde er in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Wenn meine Melodien in den Herzen der Menschen einen Platz gefunden haben, dann weiß ich, dass ich meine Aufgabe erfüllt und nicht umsonst gelebt habe.
Robert Stolz

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