BR-KLASSIK

Inhalt

Mittagsmusik - Thema der Woche Auf die Plätze, fertig, los! - Sport und Musik

Wir sind eine sportbegeisterte Gesellschaft, fast 90 Prozent der Deutschen bezeichnen sich als sportaffin, treiben selbst Sport oder schauen anderen im Fernsehen dabei zu. Die Mittagsmusik zieht sich diese Woche die Sportschuhe an und guckt auf die Wechselwirkung zwischen Sport und Musik.

Schüler bei Gymnastikübungen im Klassenzimmer | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Klar, das wissen wir: Mit Musik wird körperliche Anstrengung leichter. Das gilt für schwere  Arbeit auf der Baustelle  genauso wie für das Joggen im Park. Deshalb läuft auf den meisten Baustellen das Radio und steckt in den Ohren der meisten Sportler im Park ein Stöpsel aus dem Musik dröhnt. Auch für die Pause bei Sportgroßveranstaltungen eignet  sich Musik hervorragend und natürlich darf bei keiner Siegerehrung die feierliche Hymne fehlen.

Doch nicht dieser funktionale  Einsatz von Musik ist unser Thema, es geht vielmehr um Musik und Musiker, die sich aktiv mit Sport beschäftigen. Die einen kommentieren sportliche Ereignisse, lassen sich davon zu musikalischen Bildern inspirieren, die andern üben eine bestimmte Sportart aus, was sie auch ihrer Umgebung nicht vorenthalten möchten.  Es geht um die verschiedensten Sportarten von Golf über Angeln, Fußball, Rugby, Boxen oder Gymnastik, immer abhängig von den persönlichen Interessen den Komponisten. Und weit liegen Sport und Musik sowieso nicht auseinander.

Zum Wesen der Musik gehört der Wettkampf. Zum Beispiel beim Solokonzert, wenn Solist und Orchester miteinander um Ausdruck und Virtuosität wetteifern und die verschiedenen Stimmen gegeneinander stehen und versuchen sich zu übertrumpfen.  Oder auch wenn der Solist den einsamen Wettkampf gegen sich selbst wagt: schafft er es den Minutenwalzer heute schneller zu spielen als beim letzten Mal?

Montag

Die Zeichen der Zeit in Wien Mitte des 19. Jahrhunderts standen auf sportliche Betätigung: Turnen, Wettrennen, Schlittschuhlaufen oder Pferderennen waren „in“. Als Josef Strauß 1864 im Dianasaal seine Sport-Polka vorstellte, gab man sich in der Donaumonarchie sportlich, nur der Langstreckenlauf auf der Prater Hauptallee war schon 1848 als "Menschenschinderei" verboten worden.

Dienstag

Den exzentrischen Franzosen Erik Satie kann man sich nur schwer auf dem Sportplatz vorstellen. In seinen immer gleichen Anzügen und seinem etwas steifen Auftreten passt er besser in ein Cafe am Montmartre. In dem Klavierzyklus „Sports et divertissements“, 20 mini-kurzen Klavierstückchen, zeigt er sich aber sehr aufgeschlossen gegenüber Vergnügungen aller Art.  Er guckte sich das Blinde-Kuh-Spiel an, den Yachtsport oder das Bad im Meer.

Mittwoch

Ziemlich aktiv in Sachen Sport war der Komponist Franz Berwald. Sechs Jahre lang leitete er in Berlin ein Institut für orthopädische Gymnastik. Berwald erdachte und konstruierte Trainingsmaschinen mit denen bestimmte Muskelgruppen gestärkt werden konnten. Auf diesem Gebiet war er relativ erfolgreich, viele Fachbücher der damaligen Zeit erwähnen ihn. Auf musikalischem Gebiet gilt Berwald heute als der bedeutendste Komponist Schwedens und einer der originellsten seiner Zeit. Eine seiner sinfonischen Dichtungen hat er dem Thema Sport gewidmet: "Wettlauf"

Donnerstag

Dem Boxsport widmet der russische Komponist Alexander Tscherpnin seine Sonatine sportive.
Im ersten Satz schlagen, beziehungsweise blasen Fagott und Klavier immer wieder denselben Ton, fast schon schmerzhaft, auf alle Fälle aber ganz schön penetrant, wie einzelne Schläge eines Boxkampfs .
Geradezu abgeklärt klingt der zweite Satz. Fagott und Klavier haben Pause, verschnaufen sich wie die Boxer in der Ecke des Rings.
Frisch und munter gehen die Soloinstrumente  den dritten Satz an, die nächste Runde im Boxkampf. Sie tänzeln um einander herum, teilen abwechselnd einzelne Schläge aus, wer geht am Ende zu Boden?

Freitag

Kaum vorstellbar: Vor 100 Jahren war der Fußball in Brasilien noch nicht wirklich angekommen. Fußball war der Sport der weißen Elite. Und besonders gut waren die Brasilianerin auch nicht im Fußball - bis zum Südamerika Cup 1919. Die Wende brachte Artur Friedenreich, Sohn einer Schwarzafrikanerin und eines Deutschen. Er kickte die Brasilianer zum Sieg und in den Fußballrausch. Dem konnte sich auch der brasilianische Musiker Pixinguinha nicht entziehen. Den Ausgang des Enspiels beim Südamerika Cup feierte er mit einem Choro. Titel: Um a zero, 1:0.

Die Sendungen dieser Woche

    AV-Player