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Thema der Woche Mikis Theodorakis: Der berühmteste Komponist Griechenlands

Seine Konzerte enden regelmäßig mit Standing Ovations eines Publikums, das - zu Tränen gerührt - lauthals mitsingt. Der berühmteste Komponist Griechenlands, Mikis Theodorakis wird am 29. Juli 90 Jahre alt, die Mittagsmusik widmet dem streitbaren Musiker, Schriftsteller und Politiker ihr Thema der Woche.

Mikis Theodorakis | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mikis Theodorakis ist Komponist. Er ist auch ein Politiker. Und: er ist ein Streiter wider die Unterdrückung. Ein Streiter für Gerechtigkeit und Versöhnung. Mikis Theodorakis begreift Musik als gleichermaßen soziales wie politisches Medium, als ein Mittel, die Menschen aufzurütteln, sie zusammenzuschweißen, zum Durchhalten zu bewegen, ihr das Ausmaß vor Augen zu halten, in dem sie manipuliert, unterdrückt und oft auch gefoltert werden. Das gelingt ihm weltweit.

"Es war ein Sturm der Begeisterung, der durch das Stadion fegte, es war wie ein wohltuender Schmerz, all den Menschen in die Gesichter zu sehen, die meine Lieder auswendig kannten und vor Freude weinten. Es war schön und zugleich eine schwere Bürde. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei für nahezu alles verantwortlich, was bei uns geschieht. War es Freude, freute ich mich mit meinen Leuten. War es Schmerz, dann hatte ich das Gefühl, etwas mehr leiden zu müssen als die anderen – weil sie mir ja mit ihrer Liebe zu mir ein so wertvolles Geschenk gemacht haben. Warum lieben sie mich so? Ich kann es nicht begreifen." Mikis Theodorakis

Theodorakis weiß, wovon er redet. Als damals überzeugter Kommunist hat er im 2. Weltkrieg gegen Hitlers Wehrmacht gekämpft, im Bürgerkrieg gegen die Briten, danach gegen die Junta des Militärs und erst kürzlich noch, im Rollstuhl, gegen den Wirtschaftskrieg der Hochfinanz unserer Tage. Es gibt wohl kaum einen Komponisten von Weltrang, der für seine Überzeugung so oft verhaftet, in Konzentrationslager verbracht, körperlich und psychisch gefoltert oder ins Exil verbannt worden ist.

Musik und Widerstand

Mikis Theodorakis | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Mehrmals hat Mikis Theodorakis Zuflucht in Paris gefunden. Dort hat er bedeutende Musik für die Heimat geschrieben, darunter sein wichtigstes Werk, das Oratorium "Canto General", eine Vertonung des Gedichtepos des Chilenen Pablo Neruda, im Kampf gegen Machtmissbrauch und Kolonialisierung jeglicher Art. Im August 1975, kurz nach dem Ende der Militärdiktatur in Griechenland, ist der "Canto General" im Karaiskakis-Stadion in Piräus uraufgeführt worden, vor einem begeisterten Publikum. Davon existiert ein Mitschnitt, den Sie auszugsweise hier in der "Mittagsmusik" hören werden.

Außerdem hören Sie Ausschnitte aus den Liedzyklen "Epitaphios" (in der authentischen Aufnahme mit dem Sänger Grigoris Bithikotsis) und "Mauthausen", Balladen mit Theodorakis selbst als Sänger, und natürlich darf auch der Sirtaki aus der Filmmusik zu "Alexis Zorbas" nicht fehlen, zu dessen Musik Anthony Quinn im Film seinem fremdländischen Freund auf Kreta die Lebenseinstellung seiner Heimat beim Tanzen beibringt. Ein Stück, das zu Theodorakis' Welterfolg geworden ist.

Alles Gute, Mikis Theodorakis, Gesundheit und weiterhin viel Mut und Kraft.

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