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Mittagsmusik - Thema der Woche "Lieber Leierkastenmann..." - zum 30. Todestag von Willi Kollo

Als Jugendlicher schreibt Willi Kollo Gedichte und Novellen, später dann Chanson- und Liedertexte, freche Texte für die Berliner Kabaretts und Revuen der späten 20er und 30er Jahre. Schließlich vertont er einige seiner Liedtexte selbst und bringt sie am Klavier auf die Bühne. Am 4. Februar 1988, vor 30 Jahren, ist er gestorben. In der Mittagsmusik erinnern wir an den vielseitig begabten Willi Kollo.

Der deutsche Komponist und Autor Willi Kollo | Bildquelle: picture alliance / Keystone

Bildquelle: picture alliance / Keystone

Der kleine Willi, der 1904 in Königsberg geboren wird und dort zunächst bei seiner Großmutter aufwächst, kommt erst im Alter von drei Jahren zu seinen Eltern nach Berlin. Dort feierte sein Vater vor und nach dem Ersten Weltkrieg mit seinen Operetten große Erfolge. Kein Wunder also, dass der Walter Kollo für seinen Sohn Willi ein Held ist.

Mein Vater stand im Mittelpunkt meines Lebens und schließlich auch meiner Träume, [...] ich liebte ihn mit aller Hingebung.
Willi Kollo

Seine erste Klavierlehrerin ist eine gewisse Frau Wohlgemut, aber Papas Melodien ziehen ihn mehr an als Sonaten von Mozart. Er besucht das Konservatorium Collini in Berlin - aber anstatt Musiktheorie zu pauken, geht er lieber zu den Orchesterproben seines Vaters. In Berlin besucht er zunächst das Hohenzollern-Gymnasium. 1917 wechselt er für vier Jahre und auf eigenen Wunsch ins Internat Blankenburg im Harz. Als der Vater das Schulgeld nicht mehr zahlen kann, fordert der Direktor des Internats den jungen Willi Kollo auf, sich etwas einfallen zu lassen. Der 16-Jährige, der schon einige Gedichte und Novellen geschrieben hatte, liest mit großem Erfolg eigene Dichtungen in der "Forstklause".

Musik: Walter Kollo / Texte: Willi Kollo

Der deutsche Komponist und Autor Willi Kollo vor dem Porträt seines Vaters Walter. | Bildquelle: picture alliance / United Archives/Pilz Der deutsche Komponist und Autor Willi Kollo | Bildquelle: picture alliance / United Archives/Pilz Die Beziehung zwischen Willi Kollo und seinem erfolgreichen Vater Walter ist ein etwas undurchsichtiges Kapitel. In seinem Buch "Als ich jung war in Berlin" schildert Willi Kollo einige Details, etwa dass der Vater dem damals 17-jährigen Sohn jede öffentliche Tätigkeit untersagt. Doch Willi Kollo kümmert sich nicht darum. Er schreibt für die Revue "Berliner Ostereier", woraufhin Vater Willi den Rechtsanwalt einschaltet. Aber auch das hindert den Sohn nicht daran, weiterzumachen.

1922 erhält Willi Kollo den Auftrag, Texte für die Operette "Fürst von Pappenheim" zu schreiben, zu der Hugo Hirsch die Musik liefert. Trude Hesterberg spielt die Hauptrolle und singt das freche Chanson "Eine Frau wie ich ist 'ne Sache für sich". Am Ende gibt Walter dem Erfolg des Sohnes nach und verpflichtet ihn als Textdichter. Zwischenzeitlich benutzt Willi Kollo auch das Pseudonym Edgar Allen - nach seinem Lieblingsschriftsteller Edgar Allan Poe.

So sehr wir uns als Komponisten Konkurrenz waren, so innig verstanden wir uns als Textdichter.
Willi Kollo über die Zusammenarbeit mit seinem Vater Walter

Wie schwierig sich die Beziehung des erfolgreichen Vaters zu dem heranwachsenden, talentierten Sohn letztendlich gestaltete, ihre Zusammenarbeit zwischen 1923 und 1928 war mehr als vielversprechend: Gleich das erste gemeinsame Projekt, die Operette "Marietta", wird ein Erfolg.

Vom Textdichter zum Komponisten

Ab 1928 konzentriert sich Willi Kollo auf seine eigene Karriere. Er textet nicht nur, er schreibt auch die Melodien zu seinen Liedern selbst. "Lieber Leierkastenmann, fang noch mal von vorne an" entsteht 1928, ein Jahr später schreibt er für die berühmte Claire Waldoff das Lied "Das war sein Milljöh", eine Hommage an den Zeichner Heinrich Zille, den Willi Kollo bewundert.

Szenenbild aus dem Film "Meine Freundin Barbara", Buch Willi Kollo und Fritz Kirchhoff. | Bildquelle: picture alliance / akg-images Szenenbild aus dem Film "Meine Freundin Barbara", Buch Willi Kollo und Fritz Kirchhoff. | Bildquelle: picture alliance / akg-images Er selbst tritt mit seinen Liedern im "Kabarett der Komiker" auf und begleitet sich dabei selbst am Flügel. Lieder wie "Warum hast du so traurige Augen", "Grüß mir mein Hawaii", "Ich hab' eine kleine Philosophie" und "Jetzt geht's der Dolly gut" werden von Stars wie Richard Tauber, Max Hansen und Hans Albers gesungen.

Die UFA wird auf den jungen Willi Kollo aufmerksam, er schreibt die Musik zu Filmen wie "Die blonde Nachtigall" und "Zwei in einer großen Stadt"; bei "Wir tanzen um die Welt" ist er als Drehbuchautor und Komponist engagiert. Aus "Lieber reich - aber glücklich", das Willi Kollo 1933 zusammen mit seinem Vater Walter auf die Bühne gebracht hat, macht er "Lieber kein Reich, aber glücklich". Der Seitenhieb kommt bei Reichspropagandaminister Goebbels nicht gut an - Willi Kollo erhält ein Auftrittsverbot als Kabarettist, darf aber weiterhin als Texter und Komponist arbeiten.

Unbekannte Seiten von Willi Kollo

Willi Kollo ist auch Verleger. Er fertigt eine Bühnenfassung von Fontanes "Frau Jenny Treibel" an, mit Grete Weiser und Hardy Krüger in den Hauptrollen, und veröffentlicht den Roman "Der Krieg geht morgen weiter - oder: Die Kunst zu überleben", über König Friedrich II. von Preußen. Willi Kollo erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Hermann-Löns-Medaille. Am 4. Februar 1988 stirbt er mit 83 Jahren in der Stadt, der er sein ganzes Leben verbunden war: Berlin.

Willi Kollo in der Mittagsmusik

Warum Willi Kollo die berühmte Mistinguette trifft, die ihn mit einem "Votre musique est joli comme vous-même" verabschiedet - das ist eine der Geschichten, die Sie in der Mittagsmusik erfahren - täglich zwischen dem 5. und 9. Februar um 12.05 Uhr.

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