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Mittagsmusik - Thema der Woche "Hau ab, du Trantüte!" - Willie 'The Lion' Smith, Meister des Harlem Stride Pianos

Er war einer der stilbildenden Pianisten des frühen Jazz: William Henry Joseph Bonaparte Bertholoff Smith, genannt Willie, Spitzname "The Lion - Der Löwe". Zusammen mit Thomas "Fats" Waller und James P. Johnson wird Willie "The Lion" Smith heute zum Dreigestirn des "Harlem Stride Piano" gezählt. Dieser Klavierstil aus der Zeit des Übergangs vom Ragtime zum Jazz basiert zwar noch auf dem strengen, komponierten Ragtime, bringt aber schon improvisierte und swingende Elemente mit hinein.

Willie 'The Lion' Smith | Bildquelle: William P. Gottlieb

Bildquelle: William P. Gottlieb

Das englische Wort "Stride" bedeutet "ausschreiten". Der Ausdruck meint die Bewegungen der linken Hand des Pianisten, die in weitem Bogen zwischen Bass-Ton (auf den Taktteilen 1+3) und Akkorden (auf 2+4) hin- und herspringt. "Stride Piano" verlangt von einem Spieler physisch also vor allem eine kräftig zupackende linke Hand. ("Was ist denn los mit dir? Wann hast du dir deinen Arm gebrochen?" soll der "Löwe" Kollegen gefragt haben, deren linke Hand ihm zu lahm geklungen hat.)

Willie 'The Lion' Smith | Bildquelle: picture-alliance/dpa Willie Smith bei einer Probe im Jahr 1959. | Bildquelle: picture-alliance/dpa An welchem Tag ist Willie "The Lion" Smith geboren? Das üblicherweise angegebene Datum ist der 25. November 1897, das Smith selbst in seinen Memoiren anführt, gleichzeitig aber schränkt er ein, seine Mutter habe ihm einen anderen Tag genannt.
US-amerikanische Jazzhistoriker dagegen haben - anhand seiner Musterungspapiere im 1. Weltkrieg - herausgefunden, daß Smith höchstwahrscheinlich am 23. November 1893 geboren wurde.
Und so freuen wir uns, an diesem Freitag im "Thema der Woche" Willie "The Lion" Smiths 125. Geburtstag feiern zu dürfen. Mit dem Meister selbst in historischen Aufnahmen und mit Stride-Pianisten unserer Zeit, die - zu unser aller Freude - auch heute noch seinen Stil pflegen.

"Hau ab, du Trantüte!" übrigens - hat "The Lion", wenn wir seinen Memoiren glauben wollen, zu George Gershwin gesagt, nach der Uraufführung der "Rhapsody in Blue", bei einem großen Fest mit illustren Gästen. Gershwin hatte das Dreigestirn des New Yorker "Stride Piano" eingeladen, als Verbeugung vor denen, ohne deren Musik seine neueste Komposition nicht möglich gewesen wäre.
Den dreien jedoch, die sich an der Bar langweilten, mißfiel, daß der Gastgeber an dem Abend einfach nicht vom Klavier weggehen wollte. Smith, der "Löwe", löste das Problem auf seine Weise. Er marschierte zu Gershwin ans Klavier und sprach: "Hau ab, du Trantüte, und lass mal die Meister des Fachs ran." Gershwin hat es ihm nicht übel genommen, und mit den Stride-Meistern am Klavier gewann die Party letztendlich doch noch an Schwung.

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