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Bayreuther Festspiele

25. Juli - 28. August 2018

Wagner - die Opernredaktion empfiehlt Die fünf besten Lohengrine aller Zeiten

Die Bayreuther Festspiele 2018 starten am 25. Juli mit einem neuen "Lohengrin" - mit Piotr Beczala in der Titelrolle. BR-KLASSIK-Opernexperte Volkmar Fischer stellt fünf Tenöre vor, denen der Lohengrin perfekt auf Leib und Stimme geschneidert zu sein scheint.

Franz Völker

Da Richard Wagner sich einen jugendlich strahlenden Stimmklang für Lohengrin wünschte, war Franz Völker in Bayreuth und woanders ein nahezu idealer Interpret (am eindrucksvollsten dokumentiert 1941 unter Robert Heger an der Staatsoper Berlin). Völker wurde den lyrischen wie den dramatischen Momenten der Partie gleichermaßen gerecht, war zu gefühlvoller Tongebung ohne sentimentale Drücker fähig, zu silbrigem Höhenglanz ohne martialisch dräuendes vokales Muskelspiel.

Sándor Kónya

Sandor Konya (etwa 1958 in der einzigen Bayreuther Lohengrin-Regie Wieland Wagners) war ein Belcantist mit ausgefeilter Legato-Vortragskunst, weitgesponnenen Atembögen. Italienisch geschult, bot der Ungar einen südeuropäisch gefärbten Blick auf den Schwanenritter: Melodische Linie und Text gingen ineinander auf. In der 1965 entstandenen Bostoner Studioproduktion unter Erich Leinsdorf ist sogar der von Wagner gestrichene zweite Teil der Gralserzählung zu hören, die sich der Komponist ursprünglich doppelt so lang dachte.

Jess Thomas

Dass sich eine heroisch auftrumpfende Tenorstimme mit intelligenter Textgestaltung verbinden kann, sieht man am Beispiel des Amerikaners Jess Thomas. Auch wenn sein US-Akzent nicht zu überhören war, begeisterte er in Bayreuth 1962 unter Wolfgang Sawallisch und kurz darauf in der bis heute faszinierendsten Studioaufnahme der Diskografie aus Wien mit Elisabeth Grümmer, Christa Ludwig, Dietrich Fischer-Dieskau, Gottlob Frick und Rudolf Kempe am Dirigentenpult.

Peter Hofmann

Die Einzelheiten des Librettos kamen auch bei dem spartenübergreifend orientierten Tenor Peter Hofmann voll zur Geltung, obwohl die Attraktivität seines Lohengrin primär durch ein maskulines Stimmtimbre begründet war. Sein Gesang war das Resultat eines Kraftakts: nicht ohne Anstrengung, aber mit intensiven Gestaltungsmomenten (etwa 1979 in der Bayreuther Lohengrin-Regie von Götz Friedrich). Dazu kam die optische Ausstrahlung des Sängers, der ein Charakterprofil plus Blondschopf zu bieten hatte und schnell zum Frauenschwarm wurde.

Jonas Kaufmann

Wenn dem Interpreten der Lohengrin-Partie daran liegen muss, dass man ihm sein ritterlich starkes Ego genauso abnimmt wie seine Trauer über das Scheitern des Gralsritters am Ende, darf auch der heutige Publikumsliebling Jonas Kaufmann zu den überragenden Rolleninterpreten gerechnet werden. Der für ihn typische baritonal gefärbte Vortrag, sein Wechsel zwischen metallisch attackierendem "forte" und gaumig weichem "piano" ist gerade der ambivalenten Lohengrin-Gestalt angemessen (etwa 2010 in der letzten Bayreuther Lohengrin-Produktion von Hans Neuenfels). 

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