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BMW Welt Jazz Award 2017 Wo der "Bass erstaunt"

"Bass erstaunt" lautete das Motto des diesjährigen BMW Welt Jazz Awards. Sechs Bassisten traten mit ihren Bands an. Im Finale am 6. Mai spielten Renaud Garcia-Fons aus Frankreich und Eva Kruse aus Deutschland.

BMW-WELT Jazz Award 2017 | Bildquelle: © Ralf Dombrowski

Bildquelle: © Ralf Dombrowski

BMW Welt Jazz Award 2017

Beate Sampson berichtet vom Wettbewerb

Es ist schon einige Monate her, dass Renaud Garcia-Fons sein aktuelles Trio-Programm "Revoir Paris" und Eva Kruse ihr Quintett "On The Mo" in der BMW Welt in München vorstellten. Da fühlte sich der Wettbewerb noch wie eine Konzertreihe an. Insgesamt sechs von Bassisten geleitete Bands traten im Zeitraum von Januar bis März in den Matineen auf. Aus Dänemark kam Chris Minh Doky, aus Schweden Lars Danielsson, aus Deutschland Henning Sieverts und aus den USA Linda Oh. Die etwa 500 BesucherInnen im regelmäßig vollbesetzten Saal waren zwar aufgerufen, einen Bewertungsbogen für den Publikumspreis auszufüllen, und die Fachjury wurde namentlich vorgestellt. Sobald die Konzerte jedoch begannen, schien der Gedanke an Wettbewerb verflogen.

Die vielen Möglichkeiten des Kontrabass

BMW-WELT Jazz Award 2017 - Von links: Oliver Hochkeppel, Heike Lies, Renaud Garcia-Fons, Christiane Boehnke-Geisse, Roland Spiegel, Andreas Kolb, Stephan Caracci, David Venitucci | Bildquelle: BMW Der Gewinner Renaud Garcia-Fons und die Jury des BMW Welt Jazz Award 2017. | Bildquelle: BMW Die Vorauswahl der Bands, aus der die Jury dann blind (also nur nach Gehör) diejenigen aussucht, denen eine Teilnahme vorgeschlagen wird, trifft der Kulturjournalist Oliver Hochkeppel. Er liefert auch das jährlich wechselnde Motto des Wettbewerbs. Das kann schon mal an Themen von BMW Kampagnen angelehnt sein - bei "Inspired By Legends" und "Jazz And The City" etwa - und mit Überbegriffen wie "A Sense Of Humour" oder "Two Horns And More" arbeiten. Oder - ganz klassisch - auf das Instrument abheben, das im Mittelpunkt steht. Nach Klavier, Gesang, Schlagzeug und Gitarre war es in diesem Jahr der Bass. Der wird schon lange nicht mehr nur als Timekeeper und Grundtonlieferant eingesetzt.

Wie weitgefächert die Möglichkeiten dieses Instruments sind, und wie beeindruckend die kompositorischen Fähigkeiten seiner Spieler - das zeigten die Bands in jeweils ganz individueller Ausprägung. Die Jury entschied nach dem letzten Matineekonzert zunächst darüber, wer ins Finale einziehen durfte.

BMW Welt Jazz Award 2017

Motto: "Bass erstaunt"
Die Finalisten: Renaud Garcia-Fons (Frankreich), Eva Kruse (Deutschland)
BMW Welt Jazz Award 2017 und Publikumspreis: Renaud Garcia-Fons
Jury: Oliver Hochkeppel, Heike Lies, Christiane Boehnke-Geisse, Roland Spiegel, Andreas Kolb

Eva Kruses packender Groove

Lyrische Kraft und packender Groove zeichnen Eva Kruses Stücke aus. Mit dynamischem, rundem Ton navigiert die auf einer schwedischen Schäreninsel lebende Hamburgerin ihre Band durch einen, in großen Bögen ausgestalteten, musikalischen Fluss. Dabei geschieht Klangentfaltung auf allen Ebenen. Oboe, Saxofon, Flügel, Bass und Schlagzeug malen die Musik in schwungvollem Pinselstrich. Es ist unmöglich, sich dazu nicht im Sitz zu wiegen. Die Echo-Jazz Preisträgerin Eva Kruse, die 2009 den ersten BMW Welt Jazz Award mit dem von ihr gegründeten Trio [em] gewonnen hat, spielt nicht mehr Soli als ihre MitmusikerInnen. Sie ist ganz Teil und zugleich Zentrum ihres aktuellen Quintetts "On The Mo".

eva-kruse-bassistin | Bildquelle: BMW

Bildquelle: BMW

BMW Welt Jazz Award 2017

Eva Kruse mit ihrem Quintett "On the mo"

Renaud Garcia-Fons - der "Paganini des Bass"

Ganz anders Renaud Garcia-Fons. Im Finale haben der Akkordeonist David Venitucci und der Schlagzeuger und Vibraphonist Stephan Caracci deutlich Begleitfunktion. Das war in der Matinee ausgewogener. Doch die musikalische Dramaturgie ist trotzdem packend. Getragen wird sie von der unglaublichen Virtuosität Renaud Garcia-Fons. Der Franzose mit spanisch-katalanischen Wurzeln wird nicht umsonst als "Paganini des Bass" apostrophiert. Die Klänge, die er mit einzigartiger Bogen- und Grifftechnik hervorzaubert, sind ebenso verblüffend wie seine atemberaubenden Läufe. Er bringt sein Instrument zum Singen - auch in Lagen, die man sonst von Bratsche und Cello kennt. Und erzählt darin von seiner multikulturellen Heimatstadt Paris.

renaud-garcia-fons-bassist | Bildquelle: BMW

Bildquelle: BMW

BMW Welt Jazz Award 2017

Renaud Garcia-Fons imTrio mit dem Akkordeonisten David Venitucci und dem Vibraphonisten und Perkussionisten Stephan Caracci

Nächstes Jahr dann: "On The Move"

Mit "Revoir Paris" erringt Renaud Garcia-Fons den BMW Welt Jazz Award 2017, der mit 10.000 Euro Preisgeld dotiert ist, sowie den Publikumspreis. Die Zweitplatzierte Eva Kruse erhält 5.000 Euro Preisgeld. Auf ihrem Weg nach Hause transportiert Eva Kruse ihren Bass übrigens per Lastenmoped - auch "Mo" genannt. Auf der Schäreninsel, auf der sie lebt, sind nämlich keine Autos erlaubt. Im nächsten Jahr wird die zehnte Ausgabe des BMW Welt Jazz Award gefeiert. Das Motto steht schon fest: "Jazz moves".

Sendung: "Leporello" am 9. Mai 2017, 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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