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Zum Tod von Bobby Hutcherson Elegante Coolness am Vibraphon

Herbie Hancock, McCoy Tyner und Eric Dolphy waren seine Mitstreiter in den frühen 60er Jahren. Damals entwickelte der amerikanische Vibraphonist einen zeitlos schönen Stil: vom Bebop geprägt und melodiös. Bobby Hutcherson war ein Meister klangfarbenleuchtender Coolness. Am 15. August starb er im Alter von 75 Jahren in Kalifornien.

Jazzvibraphonist Bobby Hutcherson | Bildquelle: imago/Manfred Siebinger

Bildquelle: imago/Manfred Siebinger

Es war ein kleines Erweckungserlebnis in seinen Teenagertagen, das ihn dazu brachte, das Klavierspielen aufzugeben. Im Vorbeigehen hörte er aus einem Plattenladen eine Aufnahme mit Milt Jackson schallen. Was der Vibraphonist des Modern Jazz Quartets spielte, war so spannend, dass er sich so schnell wie möglich das ausgefallene Instrument anschaffte, auf dem das möglich war.

Steiniger Beginn

In Pasadena, wo Bobby Hutcherson als Sohn eines Maurermeisters und einer Frisörin aufwuchs, hatte er den ersten Auftritt mit einer Schülerband, der zu einem Desaster wurde. Er hatte es einfach noch nicht drauf und wurde erbarmungslos ausgebuht. Aber so wie einst auch Charlie Parker, dem bei seinen ersten Auftritten Ähnliches widerfahren war, ließ sich Bobby Hutcherson nicht von seinem Vorhaben abbringen. Vielleicht half auch die Schelte seines Vaters, der meinte, er hätte doch wohl auch lieber Maurer werden sollen.

Die ersten Chancen

Bobby Hutcherson blieb dran und wurde mit 21 von Musikern des Count Basie Orchestras, die eine Small Band gegründet hatten, zu einem Engagement nach New York mitgenommen. Hier bewährte sich der junge Vibraphonist musikalisch, doch um in New York zu überleben, musste er zunächst trotzdem als Taxifahrer arbeiten. Die nächste große Chance kam 1963, als er dem Saxophonisten Jackie McLean empfohlen wurde, und auf dessen Album "One step beyond" anstatt eines Pianisten engagiert wurde, um das Harmonieinstrument zu spielen. Ab da war Bobby Hutcherson wirklich im Geschäft.

Ein Sound, der besticht

Vibraphonist Bobby Hutcherson | Bildquelle: Brian McMillen Bildquelle: Brian McMillen Was er zu bieten hatte, war ein fein nuancierter Sound vom präzise groovenden Anschlag bis zum genüsslichen Auskosten des Obertonreichtums seines Instruments. Er verband die rhythmische Komplexität des Bebop mit den harmonischen Konzepten des Modern Jazz – und prägte einen zeitlos schönen Stil und Sound, auf den sich viele junge Musiker nach wie vor beziehen. Seine Melodielinien entwickelte er gerne in großen Bögen, und spielte dabei gerne auch mal außerhalb der Harmonien. Die wusste er mit seiner großartigen Spieltechnik mit vier Schlägeln besonders üppig und virtuos zu gestalten.

Blue Note Jahre

Nachdem einige Jazzgrößen - darunter der Saxophonist Joe Henderson und der Gitarrist Grant Green - den jungen Vibraphonisten zu Aufnahme-Sessions eingeladen hatten, entschloss sich das berühmte New Yorker Blue Note Label,  Bobby Hutcherson unter Vertrag zu nehmen. 1964 kürte ihn außerdem das Down Beat Magazine zum "Talent Deserving Wider Recognition" und seinen Alben - bisweilen waren es mehrere pro Jahr - war dann auch von Anfang an die Aufmerksamkeit der Jazzgemeinde gewiss. Mit Platten wie "Components", "Dialogue", "Happenings", "Total Eclipse", "Head on", "Inner Glow" und "The View from Inside" prägte er den Modern Jazz und Fusionsound der 60er und 70er Jahre. Aber er liebte auch, speziell in seinen späteren Jahren, sich in aller Ruhe den Jazzklassikern zu widmen, wie etwa auf seinem 2007 erschienenen Album "For sentimental reasons".

Vorbild und Vermächtnis

Auf den großen Jazzfestivals weltweit war Bobby Hutcherson bis vor einigen Jahren unterwegs. 2005 übrigens auch bei der Internationalen Jazzwoche in Burghausen, wo er mit dem Pianisten McCoy Tyner spielte. 2004 war er eines der Gründungsmitglieder des San Francisco Jazz Collective. Mit den jungen Jazzstars dieses Kollektivs, zu denen auch Joshua Redman gehörte, ging er auf Tour und nahm ein bahnbrechendes John Coltrane Tribute-Album mit ihnen auf.

Manche von Bobby Hutchersons Kompositionen wurden später Grundlagen für Dancefloor Hits: "Ummh" zum Beispiel, das der Rapper Ice Cube verwendete. Andere sind zeitlos schöne Jazzstandards, wie sein "Little B's Poem", das er als junger Mann für seinen kleinen Sohn komponiert hat. Sein letztes Album nahm er 2014 auf. "Enjoy the view" heißt es. Nun ist Bobby Hutcherson im Alter von 75 Jahren an einem Lungenemphysem gestorben und wird im Nachruf der New York Times mit einer Überlegung zur Musik zitiert, die er von seinem früh verstorbenen Freund Eric Dolphy übernommen hat. Musik sei wie der Wind. Man wisse nicht, woher sie komme und wohin sie gehe. Man könne sie nicht kontrollieren. Man könne nur in ihre Sphäre eintauchen und sich von ihr davontragen lassen.

Jazztime - 22. August 2016, 23.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Der amerikanische Vibraphonist Bobby Hutcherson - eleganter Meister klangfarbenleuchtender Coolness
Moderation und Auswahl: Beate Sampson

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