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Der Moderator und Musiker Joe Kienemann wird 80 Jazz-Stimme des Vertrauens

Über 30 Jahre lang verlieh er dem Jazz im BR-Hörfunk eine markante Stimme: Joe Kienemann wurde zu einer Institution. Am 11. Mai feiert der Musiker und Moderator seinen 80. Geburtstag. BR-KLASSIK gratuliert.

Joe Kienemann | Bildquelle: Joe Kienemann

Bildquelle: Joe Kienemann

"Guten Abend, liebe Jazzfreunde". So begannen viele hundert Sendungen, die dieser Radio-Moderator machte: immer mit diesen Worten. Danach ging es zum Beispiel so weiter: "Der Jazz, die lebendigste Tonkunst des 20. Jahrhunderts, hat seine Wurzeln auch im vorigen Jahrhundert, als zum Beispiel Scott Joplin seinen 'Maple Leaf Rag' zu Papier brachte. Das war 1899." Sofort ein klares Statement, das ganz auf die Gegenwart gerichtet war - auch wenn es, wie hier, um Jazzgeschichte ging. Wenn er über Musik sprach, swingte der Text. Als Hörer konnte man sich fallen lassen und genießen. Und bekam stets griffige, zuverlässige Information. Das war der Fall bei Joe Kienemann, der von 1971 bis 2003 dem Jazz im BR-Hörfunk zu einer markanten Präsenz verhalf. Joe Kienemann, das war die Stimme des Vertrauens für viele Zuhörer.

Musikalisch begabter Pastorensohn

Am 11. Mai 1938 wurde er im baden-württembergischen Heilbronn geboren - als fünftes von sieben Kindern einer Pastorenfamilie. Es war ein musikbegeistertes Haus, alle Kinder spielten Instrumente. Er selbst lernte außer Klavier auch Cello und Trompete. Und er begeisterte sich für Jazz-Sendungen in den amerikanischen Auslands-Sendern AFN und "Voice of America". Trotzdem studierte er zunächst Jura, legte das aber dann bald ad acta, verdiente Geld als Tanz- und Studiomusiker, und landete in München - wohin es ihn zwischenzeitlich verschlagen hatte - schließlich als Moderator beim Bayerischen Rundfunk.

So kam das mit dem Namen Joe

Joe hieß er da bereits. Oder jedenfalls nannte man ihn so. Wie das kam, schilderte er einmal in einem BR-KLASSIK-Interview dem Moderator Falk Häfner: "Ich heiß' eigentlich Hans-Walter mit Vornamen. Dieser Name Joe kommt aus dem Englischunterricht in der Schule. Da haben wir ein amerikanisches Stück gelesen, in englischer Sprache und mit verteilten Rollen. Und ich kam halt ein Dutzend Mal dran und musste immer sagen: 'All right, Joe'. Ich selber war gar nicht der Joe, das war ein anderer. Aber ich hab halt zwölf Mal gesagt 'All right, Joe', und in der Pause kamen dann alle Klassenkameraden und sagten: 'All right, Joe'. Und von da an hieß ich Joe."

Lust an der Sprache

Lange vor seinen Radio-Tagen war also aus einem Hans-Walter ein Joe Kienemann geworden. Das passte später bestens zu seiner Musik und seiner Rolle im Radio. Kienemann wurde zu einer Institution in Bayern, Träger des Bayerischen Jazzpreises und des Schwabinger Kunstpreises. In vielen hundert Sendungen hörte man seine gelassen sonore Stimme, der es nie um die eigene tolle Wirkung ging, sondern um die Sache. Kein aufgekratzter Showman des Radios, sondern ein Musik-Vermittler. Lust an Sprache spürte man in seinen Moderationen - und Lust am Pointen-Setzen. Es waren keine dürren Infoketten eines Fakten-Hubers, sondern lebendige Erzählungen voller poetischer Gedankenbilder.

Freiheit, Exponiertheit, Wortgewandtheit

Da klang die Ankündigung eines Konzertmitschnitts zum Beispiel so: "Das unbegleitete Jazzduo-Spiel stellt eine ungeheure Herausforderung für die Beteiligten dar. Es ist ein Tanz auf hohem Seil. Da heißt es Gleichgewicht halten zwischen Absolutheit und Bezogenheit, Individualität und Übereinstimmung, Aktion und Reaktion der Partner. Ihre Freiheit heißt Exponiertheit." Joe Kienemann 2002 im Programm BR-KLASSIK (damals noch unter dem Namen "Bayern 4 Klassik").

Vorbild für Kollegen

2003 ging Kienemann in den Ruhestand als Radio-Mann. Und freute sich besonders darauf, von da an sehr viel Zeit zum Klavierspielen zu haben. Was er bis in die jüngere Zeit regelmäßig zu Auftritten etwa in der Münchner "Unterfahrt", im Carl-Orff-Saal sowie an unterschiedlichen Orten in ganz Bayern nutzte. Auch CDs gibt es von ihm und seinem Trio, zum Beispiel "Celebrating Life" von 2014 oder auch, man beachte den Kienemann-typischen Wortwitz im Titel, "Pray Jazz - Melodien zum Niederknien", mit einer Auswahl von Spirituals und Gospels von 2010.

Joe Kienemann, Pianist, Moderator, Vorbild von Kollegen, Anwalt vieler Musiker und Zuhörer: Wir gratulieren herzlich zum achtzigsten Geburtstag.

Sendungen auf BR-KLASSIK:

10. Mai 2018: Jazztime
Swing und Stimme: Joe Kienemann wird 80.
Hommage an den Pianisten und langjährigen Moderator, der von 1971 bis 2003 dem Jazz im BR-Hörfunk zu einer markanten Präsenz verhalf. Porträt mit Musik und Hintergründen.
Moderation und Auswahl: Roland Spiegel

11. Mai 2018: Allegro: Musik, Feuilleton & Klassik aktuell
Beitrag: Joe Kienemann 80: Jazz-Stimme des Vertrauens
Von Roland Spiegel

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