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Das NUEJazz-Festival 2021 Grenzauflösungen

Von Rock, Hiphop, Folk oder Pop waren die Jazzklänge beim diesjährigen NUEJazz-Festival in Nürnberg beeinflusst. Highlights aus den Konzerten gibt es in einer vierstündigen Sondersendung auf BR-KLASSIK zu erleben.

Sängerin Lucia Cadotsch am 28. Oktober 2021 beim NUEJazz-Festival in Nürnberg | Bildquelle: Lukas Diller

Bildquelle: Lukas Diller

"Lights down! Dark!", ziemlich ruppig klang die einzige Bühnenansage, die Tigram Hamasyan in seinem Konzert machte. Dunkel soll es sein, dann wirkt seine Musik noch mehr: Diese verschachtelten Klaviergirlanden, die Beat-Puzzleteile und der eckig-groovend wummernde Bass. Doch so übellaunig die Ansage wirkte, die Spiellust war groß beim armenischen Klaviervirtuosen auf der Bühne im stylischen Z-Bau in Nürnberg. Erst nach 100 Minuten Musik war sein Konzert zu Ende und neben den klassischen "Bravo"-Rufen und Stading Ovations, wurde ihm hier und da eine Metal-Faust mit ausgestrecktem kleinen und Zeigefinger entgegengereckt.

Keine Grenzen - ganz viel Individualität

Pianist Tigran Hamasyan beim NUEJazz-Festival in Nürnberg | Bildquelle: Paul Quednau Pianist Tigran Hamasyan beim Schlussapplaus im Z-Bau in Nürnberg | Bildquelle: Paul Quednau Ein Klaviertrio, das die Genregrenzen mühelos auflöst und eine ziemliche Bandbreite an Musikfans anspricht: von Liebhabern virtuoser Klaviermusik bis hin zu Progressiv-Rock-Fans. Verbindungselement all dieser diversen Klänge ist die Freiheit des Jazz.

Das war bei fast jedem Konzert beim diesjährigen NUEJazz-Festival in Nürnberg Ende Oktober so. Egal wie weit die stilistische Ausrichtung der Bands von klassischem Jazz entfernt war, die durch Neugier, Offenheit, Spontanität und Improvisation geprägte Spielhaltung dieser Musik war durchweg spürbar.

Etwa beim US-Drummer und Rapper Kassa Overall. Er hat als gefragter Schlagzeuger in Jazzbands gespielt, wollte und will sich aber stilistisch nicht festlegen und das tut seiner Musik gut. Von der Pop-Presse als einer der "Retter des Jazz" gefeiert, bewies er in Nürnberg, dass er gerade das nicht sein möchte. Es geht ausschließlich um persönlichen Ausdruck und sicher nicht um das Erfüllen irgendwelcher Erwartungen. Den persönlichen Ausdruck bringt Kassa Overall vor allem durch seine starken Themen rüber: Verloren sein, Abhängigkeiten, psychische Probleme, davon handeln die Kompositionen dieses coolen Typen, der stark genug ist, sich auch schwach zu zeigen.
Ein großes Glück, dass es den NUEJazz-Veranstaltern gelungen ist, in schwierigen Reisezeiten solche internationalen Stars nach Nürnberg zu holen.

NUEJazz Entdeckungen

Auch eher klassische Jazz-Acts, wie das neugegründete Quartett der Schweizer Sängerin Lucia Cadotsch oder das „High Heart Project“ von Saxophonvirtuose Ben Wendel waren in Nürnberg zu erleben. Sie wirkten aber neben den vielen sehr bunten Projekten keineswegs langweilig, sondern gerade diese beiden sehr individuellen Figuren der aktuellen Jazzszene konnten besonders durch ihre herausragende Musikalität überzeugen.

Das Duo "The Breath" beim NUEJazz-Festival in Nürnberg 2021 | Bildquelle: Lukas Diller Das Duo "The Breath" in der Kulturwerkstatt auf AEG beim NUEJazz-Festival | Bildquelle: Lukas Diller Eine weitere Entdeckung des Festivals ist das Duo "The Breath" in der Musikszene von Manchester gegründet mit Gitarre und Stimme, manchmal auch Flöte. Bei Sängerin Ríoghnach Connolly und der Gitarrist Stuart McCallum ist auch ein "aus dem Moment heraus" in ihrer Musik zu spüren. Mal packend kraftvoll, mal überraschend zart klingt die Gesangsstimme Stimme, begleitet von einer sensationell groovenden Gitarre. "The Breath" kann sicher bei vielen Festivals auftreten, auf einem Jazzfestival mit weitem Horizont sind die beiden aber auch sehr gut aufgehoben.

So vielfältig wie das Programm, war auch die Zusammensetzung des Publikums in Nürnberg, andere Festivals suchen nach einem jungen Publikum, NUEJazz hat es schon.

NUEJazz auf BR-KLASSIK

Highlights vom NUEJazz-Festivals gibt es in einer Jazztime extra am Mittwoch, 17. November 2021 von 20.05 bis 0 Uhr auf BR-KLASSIK, unter anderem mit Musik von Lucia Cadotsch, Tigran Hamasyan, Ben Wendel und Kassa Overall.

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