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Quincy Jones zum 85. Geburtstag "Die Musik rief mich"

"Nimmst Du Arbeit in die Hände, mach sie fertig bis zum Ende. Ob sie groß ist oder klein, mach sie gut, sonst lass es sein." Jeden Tag sagt sein Vater diesen Spruch auf. Bis heute hat Quincy Jones ihn im Ohr - harte Arbeit und Leidenschaft haben ihn zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Menschen im Musikbusiness gemacht. Am 14. März feiert Quincy Jones seinen 85. Geburtstag.

Quincy Jones | Bildquelle: Drew Gurian-dpa

Bildquelle: Drew Gurian-dpa

Quincy Jones sitzt in einem Bus in Seattle. Er wartet, stundenlang. Darauf, endlich mit dem Vibraphonisten Lionel Hampton auf Tournee gehen zu können. Der Big Band-Leader ist überzeugt vom Talent des jungen Trompeters und will Quincy unbedingt in seinem Ensemble haben. Der 15-Jährige ist auch deswegen so früh dran, damit seine Eltern nicht Wind von der ganze Sache bekommen, und weil er befürchtet, dass Hampton doch noch seine Meinung ändert. Quincy Jones hat aber nicht mit der Frau von "Hamp" gerechnet. Als der Rest der Band einsteigt und die Reise beginnen soll, entdeckt sie den Teenager und fragt ihren Mann, was dieses Kind dort mache. "Steig aus dem Bus und geh' zurück zur Schule", sagt sie zu Quincy. Und der Tourbus fährt ohne ihn los.

Zweite Chance für Quincy Jones

Quincy ist traurig - und enttäuscht. Die Big Band um Hampton ist mehr als angesagt und das Größte, was ihm zu diesem Zeitpunkt hätte passieren können. Aber er muss nicht lange auf eine neue Chance warten: Ein Jahr später fragt Hampton ihn erneut und der junge Trompeter willigt ein - trotz eines Stipendiums am Berklee College of Music in Boston.

Diese anderthalb Jahre auf Tour mit Hampton brachten mir zehn Jahre an Erfahrung.
Quincy Jones

Die Tourneen mit den Big Bands von Lionel Hampton und Dizzy Gillespie sind seine Schule. Er komponiert und arrangiert, gibt Konzerte in der ganzen Welt, bleibt 1957 aber vorerst in Paris hängen. Nadia Boulanger verfeinert sein musiktheoretisches Wissen und er gründet in Europa seine eigene Band: Die Quincy Jones Bigband. Ihr Ruf ist schon bald legendär, auch wenn die Band nur wenige Monate zusammenbleibt. Jones hält den Druck, für alles zuständig zu sein, nicht aus - und ist bald pleite.

Einstieg ins Musikbusiness

Wieder in den USA fängt Quincy Jones als A&R-Manager bei Mercury Records an. Obwohl er mit "It’s my Party", gesungen von Lesley Gore, einen Hit landet, entscheidet sich Jones gegen den Büro-Job. "Die Musik rief mich", erinnert er sich später. Er will nicht die nächsten 20 Jahre hinter einem Schreibtisch sitzen - lieber Filmmusik schreiben. In acht Jahren komponiert er zu 35 Filmen und TV-Shows die Soundtracks. Heute sind Titel wie "Soul Bossa Nova" und "Ironside" Kult und werden, auch noch Jahre nach deren Veröffentlichung, von Film-Regisseuren wie Quentin Tarantino eingesetzt.

Soundtracks von Quincy Jones (Auswahl)

1964: The Pawnbroker
1967: In the Heat of the night
1969: TV-Serie “Die Bill Cosby Show”
1978: The Wiz
1985: The Color Purple (Oscar-Nominierung)

Buzz Aldrin auf dem Mond | Bildquelle: picture-alliance/dpa Spielte auf dem Mond "Fly me to the moon": Buzz Aldrin | Bildquelle: picture-alliance/dpa Ein Song schafft es sogar in den Weltraum. Als Buzz Aldrin 1969 mit der Apollo 11 auf dem Mond landet, schaltet er seinen tragbaren Kassettenrekorder ein: Der Walzer "Fly me to the moon", den Jones in einen 4/4-Takt umarrangiert und mit Frank Sinatra und Count Basie einspielt hat, ist das erste Musikstück, das auf dem Mond zu hören ist. "Q", wie Sinatra ihn nennt, arbeitet hart, stößt mit seinem Pensum aber auch an seine Grenzen: 1974 erleidet er eine Gehirnblutung - und überlebt. Wegen des hohen Drucks darf er aber keine Blasinstrumente mehr spielen.

Mit Michael Jackson an die Spitze

Ende der 70er lernt er einen schüchternen, talentierten jungen Sänger kennen: Michael Jackson. Gemeinsam arbeiten sie an der Musik zu dem Film "The Wiz", was in Jackson den Wunsch weckt, auch in Zukunft von Jones produziert zu werden. Für "Thriller" versammelt der Produzent die besten Instrumentalisten und Songwriter ihrer Zeit im Studio und schafft eine Musik, die alle erreicht - egal, ob schwarz oder weiß, alt oder jung. Die Rechnung geht auf: Bis heute ist "Thriller" das meist verkaufte Album aller Zeiten.

Ich liebe es, dass er so hohe Ansprüche an sich selbst hat, weil ich selbst auch so bin.
Quincy Jones über Michael Jackson

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung steigt Jones ins Mediengeschäft ein und produziert den Kino-Film "Die Farbe Lila", für den er Steven Spielberg als Regisseur engagiert. Jones selbst schreibt die Filmmusik, in demselben Jahr, als er eine der erfolgreichsten Singles aller Zeiten produziert und dirigiert: "We are the World", für die er 46 Superstars ins Studio holt.

Quincy Jones auf BR-KLASSIK

Vom 12. bis 16. März ist Quincy Jones Thema der Woche in der "Mittagsmusik". Am 14. März sendet BR-KLASSIK ein Portrait zum 85. Geburtstag von Jones in Leporello um 16:05 Uhr. Dazu gibt es an 14. März jeweils eine Stunde Musik des Trompeters, Komponisten, Arrangeurs und Musikproduzenten in Classics Sounds in Jazz um 19:05 Uhr und in der Jazztime um 23:05 Uhr. Matthias Keller stellt in Cinema am 25. März die besten Soundtracks von Quincy Jones vor.

Audienz beim Papst

Es ist nicht das einzige humanitäre Engagement, das Jones zeigt. 1999 trifft er den Papst zu einer Audienz, bei der er sich für einen Schuldenerlass für Entwicklungsländer einsetzt. Ihm fällt auf, dass alle Mitarbeiter des Vatikans schwarze Schuhe tragen - außer einem: Johannes Paul II. Jones ist irritiert von den roten Lederschuhen und sagt zu Bono, dem Sänger der Popgruppe "U2": "Der Papst hat Zuhälterschuhe an. Die Katholiken werden mich umbringen, wenn sie das hören." Aber sie haben es wohl nicht mitbekommen. Als direkte Folge dieses Treffens, wie Jones erzählt, "erhielten Mosambik, Bolivien und die Elfenbeinküste einen Schuldenerlass von über 27,5 Millarden Dollar."

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