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Zum 80. Geburtstag des Kontrabassisten Ron Carter Rekordhalter der tiefen Töne

Ein Ton von ihm und man weiß: Ron Carter spielt den Kontrabass. Er hat mit seinem klaren, sehr konkreten Sound den Jazz für immer geprägt. Am 4. Mai feiert die Bass-Legende 80. Geburtstag.

Ron Carter | Bildquelle: Niemeyer

Bildquelle: Niemeyer

Er hat die längsten Finger des Jazz. Sie sind kraftvoll, sehnig, ungemein filigran und elegant. Umfassen sie den Hals des Kontrabasses, wird dieser wuchtige Holzkasten schwerelos. Ron Carter ist ein Meister der Eleganz, im Spiel und in der Erscheinung. So wie er spielt keiner: bedingungslos klar und mit einem punktgenauen Ton. Sein Kontrabass klang manchmal knackiger als so mancher E-Bass und doch war es immer deutlich der Sound eines klassischen Instruments.

Eigentlich wollte Ron Carter Cellist werden

Eine Karriere als klassischer Musiker war eigentlich auch das Ziel des am 4. Mai 1937 in Ferndale, Michigan geborenen Bassisten. Ron Carter wollte Cellist werden, aber Mitte der 50er Jahre, als er diese Laufbahn einschlagen wollte, war das nicht möglich. "Der Rassismus war zu dieser Zeit so stark, dass ich niemals Erfolg gehabt hätte", sagte Ron Carter einmal in einem Interview mit BR-KLASSIK. Der Kontrabass war für ihn erst nur zweite Wahl. Die für das kleinere Geschwisterinstrument typische geschmeidige Spielweise hat Carter immer beibehalten – und das war bahnbrechend zu dieser Zeit. Kontrabassisten waren bis zu den 50er Jahren im schlechtesten Fall rumpelnde Tieftöner, im besten erdige Impulsgeber. Erst langsam schritt die Emanzipation des Kontrabasses zum Soloinstrument voran. Was Ray Brown mit runder volltönender Kraft begann und Charles Mingus in explosive Heftigkeit weiterführte, wurde von Ron Carter in Feingliedrigkeit und Schlankheit fortgesetzt.

Wegbegleiter Miles Davis

Das wusste als einer der ersten Trompeter Miles Davis zu schätzen. Er engagierte Carter 1963 für sein zweites Quintett mit Pianist Herbie Hancock, Saxophonist Wayne Shorter und Schlagzeuger Tony Williams. Als der Trompeten-Guru seinen Stil ins Rockige und Elektronische wendete, blieb Carter mit einigen wenigen Ausnahmen dem klassischen Instrument treu. Die Wege von Davis und dem Bassisten trennten sich, aber Miles Davis blieb immer Ron Carters größter Einfluss, das bestätigte er in vielen Interviews später.
 

Ron Carter | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

Ron Carter bei der Jazzwoche Burghausen

2016 war Ron Carter gemeinsam mit dem Akkordeonisten Richard Galliano und der WDR Bigband bei der Jazzwoche Burghausen zu Gast. Eines der letzten Stücke in diesem Konzert war der Klassiker "You are my sunshine" in einer Solo-Version des Bassisten. In diesen rund sechs Minuten spannte Ron Carter einen Bogen von Bachschen Barockklängen bis hin zu amerikanischer Folkmusik - verbunden durch ein feines Gespür für Swing.

Rekord-Bassist mit Eintrag ins Guinness Buch

Carter wurde selbst zum Bandleader und zum ausgebuchten Sideman und damit begann sein Marathon in der Musikgeschichte. Ron Carter ist auf über 2.200 Platten- und CD-Aufnahmen zu hören, damit ist er der am häufigsten aufgenommene Jazzbassist aller Zeiten. Wenn jede dieser Aufnahmesessions nur einen Tag gedauert hat, war er über sechs Jahre nur im Studio. 2016 wurde Carter dafür ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Da er aber auch leidenschaftlicher Live-Musiker war und ist, kommen zu dieser stolzen Zahl noch unzählige Konzerte weltweit in jeder vorstellbaren Besetzung von Kontrabass-Solo bis hin zu Bigband und Orchester hinzu.
 
Dieses unbeschreibliche Pensum an Tönen führte vielleicht auch dazu, dass Ron Carter nicht auf allen Aufnahmen und bei allen Konzerten Höchstleistung bringen konnte. Es gibt Aufnahmen, da sind deutliche Intonationsschwankungen hörbar. Doch zugleich behält Carters Spiel immer eine ungekünstelte Ehrlichkeit und Lebendigkeit.
 

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