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150 Jahre "Deutsches Requiem" von Brahms Die schönsten Interpretationen - eine Playlist

"Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms wurde als siebenteiliges Gesamtwerk erstmals am 18. Februar 1869 im Leipziger Gewandhaus aufgeführt. Das Werk ist weniger eine "Missa pro defunctis", also eine Messe für Verstorbene nach katholischer Tradition, als vielmehr ein Werk zum Trost der Lebenden.

Johannes Brahms. Fotografie von ca. 1866 | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Neben legendären Aufnahmen wie derjenigen von Bruno Walter mit dem New York Philharmonic und dem Westminster Choir (1954/Sony) oder der Aufnahme mit Rudolf Kempe und den Berliner Philharmonikern und dem Chor der St. Hedwigskathedrale (1955/EMI References) gibt es auch aus jüngerer Zeit einige bemerkenswerte Einspielungen.

Faszinierende Polyphonie des Klanges bei Sinopoli

Giuseppe Sinopolis Aufnahme für die Deutsche Grammophon entstand 1982 im Prager Rudolfinum unter Mitwirkung der Tschechischen Philharmonie und des Philharmonischen Chores Prag. Mit viel Sinn für weit gespannte Legatobögen sorgt Sinopoli hier für eine faszinierende "Polyphonie des Klanges" (Die ZEIT), deren Klangbild von Anfang an große Ruhe verströmt und gleichzeitig orchestrale Nuancen zutage fördert.

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Brahms:  Ein Deutsches Requiem -- Giuseppe Sinopoli:  1.  Selig sind, die da Leid tragen | Bildquelle: Top Ear (via YouTube)

Brahms: Ein Deutsches Requiem -- Giuseppe Sinopoli: 1. Selig sind, die da Leid tragen

Karajan: Temporeich mit schärferen Konturen

Herbert von Karajans späte Aufnahme von 1983 zusammen mit den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Singverein, erschienen ebenfalls bei der Deutschen Grammophon, ist um einiges temporeicher – und somit vielleicht näher an den Intentionen eines damals noch jugendlichen Komponisten. Schärfere Konturen bedeuten bei Karajan aber auch subjektivere Pointierung; das Ganze einhergehend mit einer trennschärferen Aufnahmetechnik.

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Brahms: Ein Deutsches Requiem conducted by Karajan | Bildquelle: Afonso Cavaco (via YouTube)

Brahms: Ein Deutsches Requiem conducted by Karajan

"Wienerischer" Brahms-Ton bei Harnoncourt

Nikolaus Harnoncourt nahm das "Brahms-Requiem" 2007 für das Label RCA auf, ebenfalls zusammen mit den Wiener Philharmonikern, aber diesmal unter Mitwirkung des vorzüglichen Arnold-Schönberg-Chores. Das klangliche Resultat ist ein voller "wienerischer" Brahms-Ton ohne jede Schwülstigkeit und mit einem vorbildlich artikulierenden Chor. Überraschend vor allem, dass Harnoncourt in dieser Interpretation auf jeglichen erhobenen Originalklang-Zeigefinder verzichtet.

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Brahms: Ein deutsches Requiem - 1. Selig sind, die da Leid tragen - Harnoncourt | Bildquelle: pannonia77 (via YouTube)

Brahms: Ein deutsches Requiem - 1. Selig sind, die da Leid tragen - Harnoncourt

Gardiner: Brahms im Originalklang

John Eliot Gardiner legt mit seiner 2012 für das Label Soli Deo Gloria/harmonia mundi entstandenen Live-Einspielung den erwarteten Neuansatz vor. Geschult im "Originalklang" bringt Gardiner einen weitgehend entschlackten Brahms zu Gehör, der auf romantisierende Klangschönheit verzichtet und – wie in Gardiners Bach-Ansatz – vom Text her entwickelt ist. Überzeugend dabei der Monteverdi Choir und das Orchestre Révolutionnaire et Romantique, während die beiden Soloparts mit Katharine Fuge (Sopran) und Matthew Brook (Bariton) durchaus Wünsche offen lassen und manches ein wenig lehrmeisterlich anmutet.

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Ein deutsches Requiem, Op. 45: I. Selig sind, die da Leid tragen | Bildquelle: Katherine Fuge - Topic (via YouTube)

Ein deutsches Requiem, Op. 45: I. Selig sind, die da Leid tragen

Sawallisch: Zügig und schlank

Anlässlich des 95. Geburtstags von Wolfgang Sawallisch im Jahr 2018 veröffentlichte das Label Orfeo eine CD-Box mit Live-Aufnahmen, die auch Sawallischs Interpretation des Brahms-Requiems von 1983 enthält: neben den Solisten Margaret Price und Thomas Allen ist vor allem der BR-Chor eines der Highlights dieser – übrigens auffallend zügigen und schlank gestalteten – Brahms-Interpretation. Die Dichte und Intensität dieses Chorklanges wird auf keiner anderen Einspielung erreicht.

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Ein deutsches Requiem, Op. 45: I. Selig sind, die da Leid tragen | Bildquelle: Chor des Bayerischen Rundfunks - Topic (via YouTube)

Ein deutsches Requiem, Op. 45: I. Selig sind, die da Leid tragen

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