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"Babylon Berlin" und die Musik aus dem Jahr 1929 Ein Jahr voller Musik, Tanz und Krimi

Die Goldenen Zwanziger waren ein kulturell reiches Jahrzehnt, geprägt von neuer Kunst und frischer Musik, eine kurze Moderne zwischen den Weltkriegen. Die ARD-Serie "Babylon Berlin" spielt zu dieser Zeit, genauer gesagt im Jahr 1929. Wir haben besonders in diesem Jahr musikalische Höhepunkte entdeckt.

Filmszene aus Babylon Berlin mit Charlotte und Rudi | Bildquelle: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Bildquelle: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Das babylonische Berlin

Bubikopf, enger Topfhut, seidenbestrumpfte Beine, Zigarettenspitze – so sieht sie aus, die Frau der 1920er Jahre. Den Mann kennt man mit Schiebermütze oder Zylinder. Besonders in Berlin, im "Babylon" der Zeit, geht es freizügig zu: Männer sieht man in Frauenkleidern, Frauen tragen Frack, es wird viel gefeiert. Berlin tanzt am Abgrund – "Babylon Berlin". Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen dazu im Kontrast: An den Grundfesten der jungen Weimarer Republik wird bereits gerüttelt. Diese Szenerie ist der Schauplatz für die Serie "Babylon Berlin", die im Jahr 1929 spielt. Ein junger Kommissar kämpft gegen die Berliner Mafia – ein undurchdringlicher Dschungel aus Korruption, Drogen- und Waffenhandel steht ihm im Weg.

Musik als Aufschwung

Deutschland wollte nach dem Ersten Weltkrieg vor allem eines: fröhlich sein, um die entsetzlichen Nachwirkungen des Krieges irgendwie verarbeiten zu können. Die 1920er Jahre brachten ihre eigene Musik hervor, und zwar in einem weltvergessenen, coolen und lässigen Stil. Außerdem gewann die Musik eine neue Bedeutung durch die Entstehung des Tonfilms. 1929 begannen beispielsweise die Dreharbeiten für den Film "Der blaue Engel": Ein Jahr später führte die Rolle der Femme fatale Lola Lola zum internationalen Durchbruch von Marlene Dietrich. Im Dezember des Jahres hatten die später weltweit bekannten Comedian Harmonists ihren ersten Radioauftritt in der Funk-Stunde Berlin. 1929 war außerdem das Jahr der leicht dekadenten Lieder. Zu nennen wäre dabei das Lied "Schöner Gigolo, armer Gigolo", das sogar den Sprung über den großen Teich schaffte und von Louis Armstrong und Bing Crosby als "Just A Gigolo" gecovert wurde. Aber auch der Foxtrott "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh'n" und das Statement "Dein ist mein ganzes Herz" aus der Operette "Das Land des Lächelns" von Franz Lehár waren echte Mitsing-Schlager des Jahres.

"Dein ist mein ganzes Herz" mit Richard Tauber

Musik der 1920er Jahre in Amerika

In Amerika wurden währenddessen andere Lieder geschmettert: Nick Lucas blieb mit seinem Evergreen "Tip-toe Through The Tulips" zehn Wochen lang auf Platz eins der US-Charts. Zu einem bekannten Jazz-Standard wurde "What Is This Thing Called Love" von Cole Porter, das aus dem 1929 uraufgeführten Musical "Wake Up And Dream" stammt. "Ain’t Misbehavin" von Fats Waller wurde bereits im Erscheinungsjahr von Louis Armstrong und Ruth Etting gecovert. Und ein Ohrwurm für Millionen wurde "Singin' In The Rain", der 1929 veröffentlicht wurde – also bereits vor dem geschichtsträchtigen Gene Kelly-Film von 1952.

"Singin' In The Rain" aus der "Hollywood Revue of 1929"

Crooning - der Gesangsstil der 20er Jahre

Mit der Entwicklung des Mikrofons änderte sich auch der Gesangsstil vieler Sänger: Man konnte nun auch im Piano und ohne viel Atem und Kraftanstrengung singen. Die vorwiegend männlichen Repräsentanten wurden als "Crooner" bezeichnet – und der Stil als "Crooning": ein sehr intimer Gesangsstil, eine romantisch-vokale Verführung. Übersetzt heißt das englische Verb "to croon" so viel wie summen, säuseln oder sanft singen. Heutzutage kennt man den Gesangsstil der 1920er Jahre vor allem von Max Raabe und seinem Palast Orchester.

Nick Lucas - The Crooning Troubadour

Charleston mit einem Hang zur Gegenwart

Der Stil der Zwanziger Jahre ist heutzutage gar nicht mehr so einfach zu treffen – vor allem, wenn man eine Brücke in die Gegenwart schlagen will. Die Macher der Serie "Babylon Berlin" haben das versucht: Die Musik darin klingt wie in den 1920ern – aber irgendwie auch nicht. Für die On-Screen-Musik der Serie "Babylon Berlin" sind Mario Kamien und Nikko Weidemann zuständig. Wichtig war ihnen gemeinsam mit Regisseur Tom Tykwer vor allem die Instrumentierung und die Klangästhetik der 1920er Jahre. In der Serie gibt es einen eigens komponierten Blues-Song, eine Transvestiten-Nummer und einen Song im Berliner Erfolgs-Tanzlokal "Moka Efti": Charleston mit einem Hang zur Gegenwart. Für einen "echten" Charleston aus dem Jahre 1929 ist er zu rhythmisch und zu schnell, doch tanzbar ist er allemal.

Video über die Musik zur Serie "Babylon Berlin": Mario Kamien und Nikko Weidemann

"Babylon Berlin" in der ARD

Die Ausstrahlung der Fernsehserie findet jeweils donnerstags ab 20:15 Uhr im Ersten statt.
Alle Informationen zur Serie "Babylon Berlin" sowie die komplette zweite Staffel (Folge 9 bis 16) zum Ansehen finden sich auf daserste.de/babylonberlin. Die erste Staffel kann aus rechtlichen Gründen nicht mehr abgerufen werden.

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