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Soundtrack-Komponist für Game of Thrones "Jeder Tag ein Montag" - Filmkomponist Ramin Djawadi

Mit großer Spannung haben die Fans von "GoT" dem Start der sechsten Staffel entgegengefiebert - Ende Juni wird die letzte Folge ausgestrahlt. Auch für die neuen Folgen war der deutsch-iranische Komponist Ramin Djawadi mit an Bord - ein Interview.

"Game of Thrones" Daenerys Dragon | Bildquelle: © HBO

Bildquelle: © HBO

Kein Einfluss auf den Erfolg von Game of Thrones

BR-KLASSIK: Herr Djawadi, für "Game of Thrones" haben Sie eine Musik mit sehr hohem Wiedererkennungswert geschaffen. Würden Sie diese Aussage unterschreiben: Auch dank meiner Kompositionen ist GoT so erfolgreich geworden.

Ramin Djawadi: Ich bin natürlich sehr glücklich, dass die Musik bei vielen Leuten so gut ankommt. Und es ist toll, dass viele Zuhörer und User so kreativ sind und meine Musik auf Plattformen wie YouTube nachspielen und verschiedene Versionen schaffen.  Aber ich glaube, meine Musik hat keinen Einfluss auf den Erfolg von "Game of Thrones". Die Show wäre so oder so der Riesenerfolg geworden, der sie heute ist. Es ist eine unglaubliche Serie und  ich bin sehr dankbar, dass ich an ihr beteiligt bin.

Es ist eine unglaubliche Serie und  ich bin sehr dankbar, dass ich an ihr beteiligt bin.
(Komponist Ramin Djawadi)

BR-KLASSIK: Wie haben Sie sich in die unglaublich komplexe und umfangreiche Geschichte eingearbeitet?

Ramin Djawadi: Ich muss gestehen, dass ich die Bücher nicht gelesen hatte, als ich anfing, die Musik für die Serie zu schreiben. Ich habe es bis jetzt auch sein gelassen. Im Moment arbeite ich ausschließlich mit dem Drehbuch und mit dem Filmmaterial. Ich lasse mich sowohl visuell als auch von der Story beeinflussen, wenn ich die Musik schreibe.

Die Musik zu Game of Thrones sollte nicht zu mittelalterlich klingen

Komponist Ramin Djawadi | Bildquelle: © Matt Sayles Ramin Djawadi 2013 in Hollywood | Bildquelle: © Matt Sayles BR-KLASSIK: Sie haben viele verschiedene Themen für die Figuren und Häuser in der Welt von "Game of Thrones" komponiert. Die Musik zum Haus Targaryen und dem Land Essos ist eher südländisch, orientalisch angehaucht. Dagegen hat  etwa das Haus der Starks im Norden mehr keltische, nordische Klänge. Wovon haben Sie sich inspirieren lassen?

Ramin Djawadi: Eine große Inspiration kam natürlich von der eigentlichen Geschichte, die der Buchautor George R.R. Martin geschrieben hat. Ich "bemale" sozusagen nur die Geschichte, die schon existiert. Dazu kommt, dass die Produzenten David Benioff und Dan Weiss mir sehr genaue Vorgaben gemacht haben, wie ich die Musik gestalten soll. Es war ihnen sehr wichtig, dass die Musik nicht zu mittelalterlich klingt. Sie wollten einen moderneren Sound haben. Deswegen war ich zunächst schon etwas limitiert, welche Instrumente ich zum Beispiel nutzen kann.

BR-KLASSIK: Ein wichtiges Instrument in Ihrem Soundtrack ist das Cello.

Ramin Djawadi: Ich habe das Cello gewählt, weil Game of Thrones im Großen und Ganzen eine sehr düstere und dunkle Geschichte ist. Dadurch fand ich, dass das Cello sehr passend war. Der Klang des Cellos kann sehr dunkel sein, aber auch sehr hell. Mit diesem Instrument habe ich genug Spielraum, um ganz unterschiedliche Klangbereiche abzudecken.

BR-KLASSIK: Wie lange haben Sie gebraucht, das Hauptthema und die Musik für die erste Staffel von "Game of Thrones" zu schreiben?

Ramin Djawadi: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube, es war über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten. Das ist immer ungefähr die Zeit, die ich für jede Staffel Zeit habe.

Die Musik entwickelt sich mit den Charakteren der Serie

BR-KLASSIK: Wie hat sich die Musik über die Staffeln hinweg fortentwickelt?

Ramin Djawadi: Ich lasse mich hier sehr von den Charakteren der Serie leiten. Als Beispiel nenne ich immer gerne Daenerys Targaryen. In der ersten Episode kann man natürlich noch nicht sehen, welche Macht sie als Mutter der Drachen entwickeln wird. Ihr Thema ist aber schon sehr in der ersten Episode verwurzelt. Es entwickelt sich dann immer weiter über die nächsten Szenen und Episoden bis zum großen Finale. Dann, wenn am Ende die Drachen aus den Eiern schlüpfen. Daenerys Targaryens Thema habe ich natürlich in den nächsten Staffeln weiterentwickelt - genau wie das der anderen wichtigen Charaktere.

BR-KLASSIK: "Game of Thrones" hat viele mittelalterliche Elemente. Wie nah ist Ihnen die Mittelalter-Thematik?

Ramin Djawadi: Die Show hat einige Referenzen zum Mittelalter, zum Beispiel über die Kostüme. Aber im Großen sehen wir die Serie mehr als eine Fantasy-Show. Die  Musik von "Game of Thrones" hat wenig mit mittelalterlicher Musik zu tun. Ich nehme viele moderne Instrumente mit hinein, um ein weites Spektrum zu erfassen.

Jeder Tag ist ein Montag, weil es hier einfach keine Pausen gibt.
Ramin Djawadi über sein Leben als Filmkomponist in Los Angeles

BR-KLASSIK: Mal abseits von "Game of Thrones": Wie schwer war es, als Komponist Fuß zu fassen im amerikanischen Filmbusiness?

Ramin Djawadi: Es ist wirklich sehr schwer. Ich hab vor Jahren in Los Angeles angefangen und es ist wirklich eine sehr, sehr schwere Arbeit. Ich arbeite immer noch Stunden über Stunden über Stunden, und das jeden Tag. Es gibt kein Wochenende. Ich lache immer darüber und sage, jeder Tag ist ein Montag, weil es hier einfach keine Pausen gibt. Und die Deadlines sind immer sehr streng. Und Sachen verschieben sich andauernd und es ist immer was los. Das ist sehr schwierig. Aber im Endeffekt macht es sehr viel Spaß und ich bin froh, dass ich Musik machen kann.

BR-KLASSIK: Welche Komponisten haben Sie in Ihrem Schaffen beeinflusst? Welche Komponisten mögen Sie gerne?

Ramin Djawadi: Als ich Elmer Bernsteins Score von "Die Glorreichen Sieben" als Kind gehört hatte, war ich entschlossen Komponist zu werden. Auch die Musik von John Williams wie zu "Star Wars" hat mich sehr beeinflusst.  Allgemein bin ich ein sehr großer Fan von den traditionell klassischen Komponisten wie Brahms, Mahler, Beethoven und Mozart. Das sind Größen, auf die ich gerne zurückschaue und die ich sehr bewundere.

Eine Umarmung von Hans Zimmer

BR-KLASSIK: Sie haben den deutschen großen Filmmusikkomponisten Hans Zimmer und Klaus Badelt assistiert und viel mit ihnen zusammen gearbeitet. Haben Sie mal was von ihren alten Kollegen gehört zu Ihrer Musik von "Game of Thrones"?

Ramin Djawadi: Hans und Klaus sind gute Freunde von mir. Ich weiß noch, als damals die Show rauskam, hat Hans mich umarmt und mir zur Musik gratuliert - er findet sie klasse. Das freut mich sehr, denn ich bin ein großer Fan von beiden Komponisten. Ich habe sehr viel von ihnen gelernt und bewundere sie sehr.

Das Interview führte Veronika Scheidl für BR-KLASSIK.

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