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"Herr der Ringe" - den Soundtrack entdecken Eine kleine Höranleitung

Howard Shores große Orchesterpartitur zur "Herr der Ringe"-Trilogie ist ein Meisterwerk der Filmmusik. Hier sind die wichtigsten Fakten zu diesem Fantasy-Soundtrack - der in seiner ausführlichsten Form rund elf Stunden dauert!

 "Herr der Ringe Symphonie"  | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Idee

Die Musik, so die Vorgabe von Regisseur Peter Jackson, sollte dem Zuschauer helfen, sich in der komplexen Handlung zurechtzufinden. Auch Kinobesucher, die das Buch nicht kannten, sollten den Film verstehen können. Unterscheidbare klangliche Welten sollten etwa dafür sorgen, die unterschiedlichen Elben-Völker zuordnen zu können. Grundsätzlich wollte Howard Shore die Geografie von Tolkiens Fantasie-Welt in der Musik abbilden, die Ethnologie und die Handlungsstränge.

Die Chöre

Der Film "Die Gefährten" wird mit Live-Orchester-Begleitung gezeigt | Bildquelle: BR Keltische Klänge zu grüner Landschaft - das berühmte "Auenland-Thema" | Bildquelle: BR Die Chöre singen in den unterschiedlichen (Fantasie-)Sprachen, die Tolkien den Völkern zuweist: Quenya, Sindarin, Black Speech und Adunaic, sowie in Alt-Englisch. Den gesungenen Passagen kommt so eine wichtige Bedeutung zu - denn so konnten die für das Buch wichtigen Sprachen auch im Film einen stärkeren Niederschlag finden. Übrigens hatte Howard Shore bereits zuvor eine ähnliche, historisch anmutende  Klangsprache für einen anderen Film gefunden, nämlich für „Al Pacino’s Looking for Richard“. Da singt der Chor lateinische Texte, aber das ist ja für den ein oder anderen nicht so weit weg von den Tolkien’schen Sprachen…

Folkloristische Instrumente

Auf der geografischen Ebene helfen folkloristische Elemente bei der Identifizierung der unterschiedlichen Reiche: "Tolkien richtet seinen Kompass nach Norden, Süden, Osten und Westen. Ich habe also auf Volksmusikinstrumente aus allen Himmelsrichtungen zurückgegriffen", sagt Howard Shore - und verwendet japanische Taiko-Trommeln, exotische Gongs und Zimbeln, orientalische und keltische Flötenklänge (z.B. beim berühmten Auenland-Thema), die nordische Hardangerfidel.

Wagner hat eben gezeigt, dass Musik nicht nur Hintergrund oder Klang ist
Howard Shore über die Musik Richard Wagners

Wagner und die Leitmotive

Szene aus Walküre, Bayreuther Festspiel 2016 | Bildquelle: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath Schwerter, Zwerge und ein Ring - das gibt's auch bei Wagner (hier ein Bild der Inszenierung der "Walküre" 2016 in Bayreuth) | Bildquelle: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath Man hat eine Handlung, die irgendwie etwas mit einem Ring zu tun hat, man hat Helden und Zwerge, Wälder und Berge, Schwerter und viel Pathos - da gab es doch einen Komponisten, der etwas sehr ähnliches schon mal bewältigt hat, oder? Richard Wagner! Howard Shore hat sowohl an dem monumentalen Klang, den Wagner für Heldensagen nun mal etabliert hat, Gefallen gefunden, andererseits aber vor allem an Wagners Leitmotivtechnik - Figuren und wichtige Objekte werden mit Melodien verbunden und sind so wiedererkennbar: "Wagner hat eben gezeigt, dass Musik nicht nur Hintergrund oder Klang ist, sondern durch die Leitmotive funktioniert es auch, eine emotionale Verbindung zum Zuschauer aufzubauen und ihn dadurch intuitiv die Kulturen, Orte und Gegenstände zu einander in Beziehung setzen zu lassen. Also konnten die Leute (die Zuschauer von "Herr der Ringe", Anm. d. Red.) so leichter verstehen, dass dieses Schwert in Bruchtal geschmiedet wurde und dass das seine Verbindung zu Aragon ist."

Ausgehend von "Die Gefährten" hat sich Shore ein Netz an Leitmotiven für die Charaktere und Orte, für den Ring natürlich und für die Beziehungen zwischen den Figuren erarbeitet, die er dann in den weiteren Filmen weiterentwickelt hat. Tatsächlich steckt aber auch viel Verdi und Puccini in der Partitur, die Orchestrierung hat sich Shore bei Bruckner abgeschaut. Für Experten: Einmal den Schluss der Musik zur Langversion von "Rückkehr des Königs" anhören, hier zitiert Howard Shore den Schluss von Wagners "Götterdämmerung".

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