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Retrospektive im Münchner Filmmuseum Jazz im Film

Im Juli präsentiert das Münchner Filmmuseum die Reihe "Jazz im Film" - während des ganzen Monats gibt es Klassiker wie "Fahrstuhl zum Schafott" auf großer Leinwand zu sehen. Wir präsentieren Ihnen hier schon einmal eine kleine Reise durch die Geschichte des Jazz im Kino.

Miles Davis mit der Schauspielerin Jeanne Moreau 1957 während den Musikaufnahmen für den Film "Fahrstuhl zum Schafott" | Bildquelle: Rue des Archives/AGIP/Süddeutsche Zeitung Photo

Bildquelle: Rue des Archives/AGIP/Süddeutsche Zeitung Photo

Bild: Jeanne Moreau und Miles Davis bei den Aufnahmen für "Fahrstuhl zum Schafott"

Elmer Bernstein sorgte für die Musik im Otto-Preminger-Film "Der Mann mit dem goldenen Arm". Diesen Mann, einen heroinsüchtigen Jazzdrummer namens Frankie Machine, verkörperte 1955 Frank Sinatra. Musikalisch gedoubelt wurde Sinatra von Shelley Manne, dessen Drums den ganzen Score dominieren. "The Man with the Golden Arm" war der erste Höhepunkt einer Welle von Jazz-Scores, die seit Anfang der fünfziger Jahre, seit Alex Norths Musik zu "Endstation Sehnsucht", mit hitziger Stimmung die "Halbwelt" musikalisch darstellen sollten.

Von "The Jazz Singer" bis "Fahrstuhl zum Schafott"

Schon der erste Tonfilm hatte den Titel "The Jazz Singer" getragen. Obwohl er eigentlich mit "Jazz" rein gar nichts zu tun hatte. In der frühen Tonfilmzeit waren Jazznummern nur Zutaten zu Musicals gewesen, später prägten sie den Sound des Film Noir. Aber im Laufe der Fünfziger entwickelte der Jazz im Kino immer mehr ein Eigenleben. Auf die Spitze getrieben haben diesen Trend dann die Franzosen in den späten Fünfzigern. Begonnen hatte diese Liaison des Jazz mit dem Kino in Paris mit dem Debütfilm von Louis Malle "Fahrstuhl zum Schafott". Für diesen Thriller ließ Malle den Jazztrompeter Miles Davis in einem Pariser Studio vor der Leinwand den Soundtrack live einspielen. Und so verloren sich Jeanne Moreaus einlullende Stimme und Miles Davis' coole Musik auf der Leinwand in der Dunkelheit der Pariser Nacht. Wie Miles zur Leinwand spielte, ist auf Film festgehalten.

Damit war Jazz über Nacht im französischen Kino en vogue geworden. Amerikanische Musiker wie Art Blakey, Stan Getz, Lee Morgan oder John Lewis gaben sich in dieser kurzen Phase in den Pariser Filmstudios die Klinke in die Hand. Besonders berühmt wurde Martial Solals Jazzscore zu Jean-Luc Godards Debütfilm "Außer Atem".

Der Film als Jam-Session

Ende der fünfziger Jahre wurden aber auch in Hollywood die Karten neu gemischt. Der ehemalige Jazzarrangeur Henry Mancini wurde mit "Peter Gunn" zum Soundtrack-Star der Stunde. Und er ebnete damit den Weg für Jazzmusiker wie Quincy Jones oder Lalo Schifrin. Von dem "Mission: Impossible"-Komponisten stammt auch eines der schönsten Zitate über Jazz & Film: "Im Gegensatz zu anderen Kunstformen ist der Film nie das Werk eines einzelnen. Er basiert auf einem Kollektiv, fast wie eine Jam-Session. Der Bassist hat z. B. seinen eigenen Verantwortungsbereich, er liefert das rhythmische Rückgrat. Der Schlagzeuger vervollständigt das zusammen mit dem Pianisten. Diese Dinge lassen sich auch auf den Film übertragen. Der Regisseur ist das Gehirn, der Kameramann das Auge, der Cutter die DNA, der Produzent die Lunge und der Komponist das Ohr." Mit diesem Wissen im Hinterkopf hat Lalo Schifrin all seine Filme orchestriert, so auch das Steve-McQueen-Vehikel "Bullitt".

Perfekte Alptraum-Musik

Lange bevor Howard Shore die Musik zum "Herrn der Ringe" schrieb, war er der Hauskomponist des kanadischen Meisterregisseurs David Cronenberg. Zu seinen originellsten Werken aus jener Phase gehört der Score zu der bizarren William-S.-Burroughs-Verfilmung "Naked Lunch" von 1991. Wie schon seine französischen Kollegen Philippe Sarde oder Michel Legrand engagierte Shore für seine Musik einen berühmten Jazzmusiker: den Free-Jazz-Miterfinder Ornette Coleman. Colemans wildes Saxofonspiel stimmt dann auch ein auf die unheimlichen Begegnungen mit bizarren Wesen, zu denen es im Film kommt. Perfekte Alptraum-Musik.

Round Midnight - eine Reise nach Paris

Zu den schönsten Jazzfilmen der achtziger Jahre gehören sicherlich die Chet-Baker-Dokumentation "Let's Get Lost" und das fiktive Jazzdrama "Round Midnight", das seinen Titel von der berühmtesten Komposition des Jazzpianisten Thelonious Monk geliehen hat. Regisseur Bertrand Tavernier erweckt hier noch einmal in das Paris von 1959 zum Leben: Dale Turner, wunderbar verkörpert von Dexter Gordon, ist im "Blue Note" eingetroffen. Er ist das große Idol von Francis, dem Alter-Ego Taverniers. Jede Nacht hockt Francis vor der Kellerluke des Clubs und lauscht den Klängen des Tenorsaxofonisten. Dale Turner und Francis, das ist ein besonderes Liebespaar des Kinos: Ihre Liebe geht durch die Ohren. Dexter Gordon wurde für seine Darstellung für den Oscar nominiert. Ging dann aber leer aus. Herbie Hancock dagegen konnte für "Round Midnight" einen Musik-Oscar in Empfang nehmen.

Jazz-Fan Clint Eastwood

Zu den größten Jazzfans in Hollywood gehört zweifellos der Gelegenheitspianist Clint Eastwood. 1988 hat er seinem großen Idol Charlie "Bird" Parker ein filmisches Denkmal gesetzt. In der Titelrolle als drogensüchtiger Jazzsaxofonist glänzte Forest Whitaker. Weil Eastwood auf den Originalsound von "Bird" nicht verzichten wollte, griff er in seinem Biopic auf einen technischen Trick zurück: die alten Original-Solos von Parker aus den fünfziger Jahren ließ er neu orchestrieren. Und so erklangen Standards wie der einstige Filmsong "Laura" von David Raksin plötzlich wieder in neuer Frische.

"Die fabelhaften Baker Boys"

Einer der schönsten von Jazz inspirierten Filme entstand Ende der achtziger Jahre: "The Fabulous Baker Boys". Eine romantische Dreiecksgeschichte über ein Klavierduo - dargestellt von den Bridges-Brüdern Jeff & Beau - und eine Jazz-Chanteuse. Unvergesslich, wie in diesem Film der vor kurzem verstorbenene Michael Ballhaus mit seiner Kamera Michelle Pfeiffer liebkost. Natürlich mit seinem berühmten Ballhaus-Kreisel. Zu den musikalischen Höhepunkten dieses von Dave Grusin orchestrierten Films gehören Michelle Pfeiffers wunderbare Interpretationen von "Makin' Whoopee" und dem Rodgers & Hart-Standard "My Funny Valentine".

Der Erfolg von "La La Land"

An die Klassiker der fünfziger Jahre hat zuletzt wieder der Regisseur Damien Chazelle angeknüpft. Im Mittelpunkt von "Whiplash" steht ein Jazzdrummer. Wie einst in "The Man with the Golden Arm". Auch "Whiplash" wird im Juli in der Jazz-Kino-Retro im Münchner Filmmmuseum zu sehen sein. "Whiplash" ist gewissermaßen der Vorläufer zum diesjährigen Oscar-Abräumer "La La Land". Ein modernes Musical - mit vielen Anspielungen an "Singin' in the Rain" & Co, das um einen Jazzpianisten kreist. Einer der sechs Oscars ging an Justin Hurwitz für den Besten Song.

Retrospektive "Jazz im Film"

Im ganzen Juli zeigt das Münchner Filmmuseum Filme, in denen der Jazz eine zentrale Rolle spielt. Details zum Programm finden Sie hier.

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