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Ennio Morricone Die absolute Worst-of-Playlist

Auch ein Genie hat mal schlechte Tage. Hier, exklusiv zum ersten Mal zusammengestellt, die aus Sicht der Cinema-Redaktion schlechtesten Soundtracks von Ennio Morricone. Immerhin: es sind nur fünf - von gut 400 Soundtracks. Aber die haben es ins sich.

Platz 5: Fateless - Roman eines Schicksallosen

Eigentlich hat "Fateless" ein sehr ernstes, berührendes Thema: ein jüdischer Junge und seine Odysee durch verschiedene Internierungslager. Und man hätte Morricone dazu einen epischen, komplexen, symphonischen Score zugetraut. Hätte man.

Platz 4: Frauen mit und ohne Schwänze

"Als die Frauen noch Schwänze hatten", diesen bezeichnenden Titel trug dieser "kindische Steinzeit-Sexklamauk, stellenweise geschmacklos und ordinär" (Lexikon des internationalen Films) aus dem Jahr 1970. Die Hauptrolle, eine chronisch unbefriedigte Steinzeitfrau, spielte Senta Berger. Sie wird von einer Gruppe chronisch unbefriedigter Steinzeitmänner aufgespürt und bringt ihnen dann ein Spiel namens "Weibchenschmus" bei. Morricones Musik war angemessen.

Die Fortsetzung hieß übrigens "Wie die Frauen die Schwänze verloren" oder "Toll trieben es die alten Germanen". Beide Filme erhielten keinerlei Auszeichnungen. Der Score von Ennio Morricone auch nicht.

Platz 3: Erotische Geschichten aus 1001 Nacht

Pier Paolo Pasolini bekam für seine 15 Geschichten aus der orientalischen Märchensammlung 1001 Nacht den Großen Preis der Jury in Cannes. Das muss freilich nichts heißen. Goldene Dildos als Pfeilspitzen, die mit Bogen geschossen ihrer Bestimmung zugeführt werden, mäßig gute Versuche aus der Welt der Special Effects, die Menschen zum Fliegen und echte Löwen zum Kämpfen bringen sollten ... Und Morricones Musik? War auch schon mal besser.

Platz 2: Butterfly

Drei Nomminierungen für die Goldene Himbeere zeugen davon, dass 1983 nicht das Jahr von Ennio Morricone war. Für "Butterfly" wurde er sogar zweifach nomminiert und zwar in den Kategorien "Schlechtester Soundtrack" und "Schlechtester Filmsong". Und ja, der Song ist wirklich schlecht.

Platz 1: Das Ding aus einer anderen Welt

"John Carpenter's The Thing" handelt von einem außerirdischen Ding, das die Gestalt jedes Lebewesens annehmen kann und ein Antarktis-Forscherteam bedroht. Ein Splatter sondergleichen, der erst im Jahr 2009 von der Liste jugendgefährdender Medien gestrichen wurde und im Erscheinungsjahr an den Kinokassen baden ging. Denn "The Thing" kam in all seiner blutrünstigen Horrorherrlichkeit ein wenig zu spät, da man sich in den 70ern an Splatter ein bisschen satt gesehen hatte und sich obendrein ein paar Wochen vor dem Kinostart das Alien-Image mit dem Auftritt von E.T. radikal gewandelt und das Zeitalter der niedlichen Außerirdischen begonnen hatte.
Auch in der Produktion lief nicht alles rund: Es war John Carpenters erster Film, für den er den Score nicht selbst schrieb, Jerry Goldsmith hatte abgelehnt und mit dem, was Morricone vorlegte, war Carpenter offenbar nicht zufrieden. Also komponierte Carpenter schließlich in Zusammenarbeit mit Alan Howarth selbst noch ein paar Stücke dazu, die dann auch deutlich nach deren Musik zu "Halloween III" aus dem selben Jahr klangen. Und das alles, obwohl Morricone doch sehr im Stile Carpenters komponiert hatte. Vielleicht war das auch der Grund, warum das Ergebnis für die Goldene Himbeere als "Schlechtester Soundtrack" 1983 nominiert wurde. Leider zu recht.

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