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Der Mythos Star Wars Wie vom anderen Stern

Am 25. Mai 1977 lief der erste "Star Wars"-Film in den amerikanischen Kinos an. Bis heute begeistert die Weltraum-Saga Generationen von Fans. Das ist auch das Verdienst von John Williams, der für die Reihe einen der legendärsten Soundtracks der Kinogeschichte schuf.

Szenenbild aus Star Wars mit dem Bösewicht Darth Vader / Philharmonisches Staatsorchester Bremen | Bildquelle: Fotos: dpa/Disney Montage: BR/Nadja Pfeiffer

Bildquelle: Fotos: dpa/Disney Montage: BR/Nadja Pfeiffer

"Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis....", - Worte, die an ein Märchen erinnern. Dann erfüllt das "Star Wars"-Logo die Leinwand, und vor den Weiten des funkelnden Weltraums führt ein Lauftext mitten hinein ins Geschehen. Von einem galaktischen Bürgerkrieg wird da erzählt, dem Imperium und dessen vernichtenden Todesstern - und einer Prinzessin, die der Galaxis die Freiheit wiedergeben könnte. Die Kamera schwenkt langsam nach unten, ein Raumschiff flüchtet im Hagel von Lasergeschossen vor einem gigantischen Sternenkreuzer.

Das sind die ersten Minuten des "Star Wars"-Films, der am 25. Mai 1977 in den Vereinigten Staaten erstmals das Licht der Kinowelt erblickte und später den Titel "A New Hope" erhielt. Gänsehaut-Momente für Generationen von Fans, doch klar ist auch: Es waren nicht die Geschichte und die neuartigen Spezialeffekte allein, die dem Zuschauer damals einen Glücksmoment nach dem anderen bescherten und es bis heute noch tun. Erst die Filmmusik von Großmeister John Williams machte aus der Sternen-Saga von Regisseur George Lucas eine Weltraumoper im besten Sinne. Fünf Grammy Awards, einen Oscar und einen Golden Globe räumte Williams für "A New Hope" ab, dazu zahlreiche weitere Nominierungen.

Einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Films liegt darin, dass er sehr positiv ist. Er zeigt Helden und Bösewichte, und es macht einfach Spaß ihn anzusehen.
George Lucas 1977 über 'Star Wars - A New Hope'

Passende Musik für die "Star Wars"-Welt finden

Lucas selbst war vor Beginn der Dreharbeiten davon überzeugt, dass nur ein symphonischer Soundtrack, wie er zu jener Zeit kaum mehr verbreitet war, die epische Tragweite dieses modernen Fantasy-Märchens transportieren könnte. Steven Spielberg brachte Lucas schließlich mit John Williams zusammen, der bereits die Musik zu Spielbergs "Jaws - Der weiße Hai" (1975) komponiert hatte. Williams und Lucas waren sich einig, dass die damals visuell so ungewöhnlichen Film-Elemente - neue Welten, neue Kreaturen und Klänge - einen kontrastierenden Musikstil benötigten. Bereits die Titelmusik war eine triumphale fanfarenartige Ouvertüre, die dem Kinopublikum die Welt von "Star Wars" eröffnete und zum einprägsamen Thema von Luke Skywalkers Heldenreise vom Farmerjungen zum Jedi-Ritter wurde.

Wagner als Vorbild

Für "Star Wars" orientierte John Williams sich an den Soundtracks großer musikalischer Vorbilder wie Erich Wolfgang Korngold ("Kings Row", 1942) oder Miklós Rósza ("Ben Hur", 1959) - und nicht zuletzt an Gustav Holst, dessen 1914 komponierte Orchestersuite "The Planets“ John Williams stark inspirierte. Den größten Einfluss auf seine Arbeit hatte wohl Richard Wagner, der im 19. Jahrhundert das Konzept des Leitmotivs erfand. Williams folgte dieser Idee und kreierte sowohl in "A New Hope" als auch in den Fortsetzungen "The Empire Strikes Back" (1980) und "Return of the Jedi" (1983) musikalische Unterschriften für beinahe jeden Charakter: Lyrisches für Prinzessin Leia, Martialisches für den legendären Bösewicht Darth Vader und das galaktische Imperium - und sogar die allumfassende "Macht", ein Schlüsselelement im galaktischen Kampf zwischen Gut und Böse, erhielt ihr eigenes Thema. Indem er für die Trilogie Motive aus dem ersten Film überarbeitete und mit neuen ergänzte, schuf Williams eine der musikalisch bedeutendsten Serien der Kino-Geschichte.

Die Macht ist es, was dem Jedi seine Stärke gibt. Es ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugt. Es umgibt uns, es durchdringt uns, es hält die Galaxis zusammen.
Obi-Wan Kenobi in 'Star Wars - A New Hope', 1977

Fortsetzung mit Disney

Williams komponierte nicht nur für die frühen "Star Wars"-Filme den Soundtrack, sondern auch für die rund 20 Jahre später erschienene Prequel-Trilogie. Zwei epochale Chorsätze bilden hier den Rahmen der Geschichte, wie Luke Skywalkers Vater der dunklen Seite der Macht verfällt und zu Darth Vader mutiert. Neben den Kinofilmen hatte sich bereits in den 90er Jahren ein riesiges erweitertes "Star Wars"-Universum auf dem Literatur- und Computerspielmarkt etabliert, eine Fortsetzung auf der großen Leinwand schien allerdings nicht in Sicht. Doch 2012 übernahm der Medienkonzern Disney George Lucas' Unternehmen Lucasfilm und kündigte umgehend eine neue Trilogie und weitere Einzelfilme an, die andere Figuren und Geschichten beleuchten sollten. Für "The Force Awakens" unter der Regie von J. J. Abrams holte man 2014 Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill und andere Legenden von einst auf die Leinwand zurück und ergänzte den Cast mit neuen Darstellern wie den britischen Nachwuchs-Schauspielern Daisy Ridley und John Boyega. Auch John Williams war wieder mit an Bord und heimste für seinen siebten "Star Wars"-Soundtrack eine weitere Oscar-Nominierung ein.

Williams' Musik weiterverarbeitet

Für den 2016 erschienenen Stand-Alone-Film "Rogue One", der zeitlich direkt vor dem ersten "Star Wars"-Film von 1977 angesiedelt ist, sorgte erstmals ein anderer Komponist für den musikalischen Rahmen: Oscar-Preisträger Michael Giacchino ("Up"). Er verband kurze Momente von Williams' Musik mit neuen symphonischen Themen und Leitmotiven, etwa für die weibliche Hauptfigur, die Rebellin Jyn Erso, oder den imperialen Antagonisten Orson Krennic.

Die "Star Wars"-Saga geht weiter

John Williams Musik für die neuen Saga-Filme könnte seine letzte Beteiligung an der Reihe sein. Doch seit Disney das Zepter übernommen hat, ist klar, dass das "Star Wars"-Universum noch viele Geschichten zu erzählen hat: 2018 erscheint ein Einzelfilm über das Leben des jungen Han Solo, immer wieder gibt es Gerüchte, der schottische Schauspieler Ewan McGregor könnte noch einmal in die Rolle des Jedi-Ritters Obi-Wan-Kenobi schlüpfen. Die neue Trilogie unter Regie von "The Last Jedi"-Regisseur Rian Johnson steht außerhalb der Skywalker-Saga und beleuchtet eine komplett neue Welt der Galaxis und neue Charaktere.

Ich empfinde es als großes Glück, dass ich dieses Glossar von Themen von Film zu Film weiter ausbauen und so lange daran arbeiten konnte.
John Williams 2015 über die Arbeit an der 'Star Wars'-Saga

Ob die ehrgeizigen und sicher auch kommerziell motivierten Pläne, jedes Jahr einen neuen Film und möglicherweise weitere Trilogien an den Start zu bringen, Fluch oder Segen für die Marke "Star Wars" bedeuten, wird sich letztlich an der Qualität der Filme und der Resonanz der treuen, aber auch kritischen Fangemeinde zeigen. Doch was George Lucas, eng verknüpft mit John Williams‘ zeitlosem Soundtrack, vor 40 Jahren geschaffen hat, wird für immer ein lebendiges Stück Kino- und Musikgeschichte bleiben.

"Star Wars"-Kinofilme - Übersicht

Episode I: "The Phantom Menace" (1999)
Episode II: "Attack of the Clones" (2002)
Episode III: "Revenge of the Sith" (2005)

"Rogue One - A Star Wars Story“ (2016)
"Solo - A Star Wars Story" (Mai 2018)

Episode IV: "A New Hope" (1977)
Episode V: "The Empire Strikes Back" (1980)
Epidove VI: "Return of the Jedi" (1983)

Episode VII: "The Force Awakens" (2015)
Episode VIII: "The Last Jedi" (Dez. 2017)

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