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29. Januar 1905 - Mahlers "Kindertotenlieder" werden uraufgeführt Ein ergreifender Liederzyklus

Ein Tabuthema hat Gustav Mahler mit der Vertonung der Gedichte aus Rückerts Zyklus aufgegriffen, weshalb er für seine "Kindertotenlieder" viel Kritik einstecken musste. Auch seine Frau Alma reagierte empört - sie beschlich eine düstere Vorahnung.

Kindertotenlieder | Bildquelle: © Seraphim

Bildquelle: © Seraphim

Was heute geschah zum Anhören

"Da ziehen die blassen Gestalten meines Lebens wie der Schatten längst vergangenen Glückes an mir vorüber. Und wir wandeln wieder auf bekannten Gefilden zusammen, und dort steht der Leiermann - und hält in seiner dürren Hand den Hut hin." Sieben Brüder hat Gustav Mahler verloren, als er selbst noch ein Kind war. Und auch als Komponist lässt ihm der Tod keine Ruhe.

"Du malst den Teufel an die Wand!"

Im Sommer 1901 beschäftigt sich Mahler mit den erschütternden Gedichten der "Kindertodtenlieder" von Friedrich Rückert. Aus den Zeilen des Dichters, der zwei seiner Kinder durch Scharlach verlor, spricht der Schmerz: "Oft denk' ich, sie sind nur ausgegangen, bald werden sie wieder nach Hause gelangen."

Gustav und Alma Mahler | Bildquelle: Moritz Nahr Gustav und Alma Mahler | Bildquelle: Moritz Nahr

Mahler ist zu diesem Zeitpunkt noch ledig. Doch bald darauf lernt er Alma kennen. Die beiden heiraten, wenige Monate später kommt die erste Tochter Maria Anna zur Welt, zwei Jahre später Anna Justine. Die Arbeit an den "Kindertotenliedern" ruht. Dann aber nimmt Mahler sie plötzlich wieder auf. "Ich kann es wohl begreifen, dass man so furchtbare Texte komponiert, wenn man keine Kinder hat, oder wenn man Kinder verloren hat", reagiert Mahlers Frau Alma gereizt. "Ich kann es aber nicht verstehen, dass man den Tod von Kindern besingen kann, wenn man sie eine halbe Stunde vorher, heiter und gesund, geherzt und geküsst hat. Um Gottes willen, du malst den Teufel an die Wand!"

Uraufführung in Wien

Am 29. Januar 1905 werden Mahlers "Kindertotenlieder" im kleinen Wiener Musikvereinssaal uraufgeführt. Ein ergreifender Lieder-Zyklus - so kontemplativ, zurückhaltend und doch voller Gefühl und Zärtlichkeit. Wenig später soll sich dann Almas Warnung auf grausame Weise erfüllen: Töchterchen Maria Anna erkrankt an Diphterie - und stirbt. Mahler ist erschüttert. Über seine "Kindertotenlieder" sagt er später:

Ich hatte mich in die Lage versetzt, mir wäre ein Kind gestorben. Als ich dann wirklich eine Tochter verloren habe, hätte ich die Lieder nicht mehr schreiben können.
Gustav Mahler

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