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15. Mai 1754 - Händel dirigiert zum letzten Mal den Messias Halleluja für ein Waisenhaus

Georg Friedrich Händel war ein vitaler Kraftbolzen, berühmt für seine physische Robustheit und seinen gewaltigen Appetit. Dennoch irgendwann wird selbst der Stärkste alt und gebrechlich, und sein Körper macht das nicht mehr mit, was er bisher mitmachen konnte. Mutete er sich dieses Mal vielleicht zu viel zu?

Georg Friedrich Händel: Messiah, Notenhandschrift | Bildquelle: picture alliance / akg

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Was heute geschah zum Anhören

Georg Friedrich Händel war 69 Jahre alt, als er seinen "Messias" zum letzten Mal persönlich zur Aufführung brachte. Ort der Veranstaltung war das "Foundling Hospital", ein Waisenhaus am damaligen Nordrand von London. Rechnungsbüchern entnehmen wir, dass sechs Knabensoprane der "Chapel Royal" den Chor verstärkten, während im Orchester ein kleiner Streicherapparat von vier Oboen und vier Fagotten ergänzt wurde.

Händels letztes Messias-Konzert

Das Konzert in der Kapelle des Kinderheims musste an Händels Grenzen gegangen sein. Denn wenig später ließ er sich durch den Stiftungsbeirat der Institution "entschuldigen, aber er sei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lange, sein Oratorium ein weiteres Mal einzustudieren".

Georg Friedrich Händel, Stich aus dem 19. Jahrhundert | Bildquelle: ©picture alliance/Leemage Georg Friedrich Händel | Bildquelle: ©picture alliance/Leemage Die Entscheidung war dem Komponisten sicherlich extrem schwer gefallen, denn das "Foundling Hospital" lag ihm besonders am Herzen. Viele Jahre war Händel, wie einige andere prominente und wohlhabende Londoner, Mitglied im Beirat der karitativen Einrichtung gewesen, einige Zeit sogar als dessen Vorsitzender. Das jährliche Benefizkonzert, in dessen Mittelpunkt der "Messias" stand, war ein Höhepunkt im Gesellschaftsleben der englischen Metropole. Selbst der König erschien, um dem berühmten "Halleluja" zu lauschen.

Händels Vermächtnis

Nach Händels Rückzug musste das Waisenhaus nicht auf die Einnahmen aus dem "Messias" verzichten. Der Komponist vermachte dem Heim eine handschriftliche Partitur des Werks, samt Aufführungsrechten. Das "Foundling Hospital" ist der Stammsitz der "Coram Foundation", eines in vielen Ländern aktiven Kinderhilfswerks. Das Gebäude, in dem Händel einst musizierte, beherbergt heute ein Museum, dessen wichtigster Schatz das Messias-Manuskript ist.

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