BR-KLASSIK

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Herbert Blomstedt beim BR-Symphonieorchester Grandseigneur in Topform

Herbert Blomstedt ist ein echtes Phänomen. Das klassisch-romantische Standardrepertoire entdeckt er immer wieder aufregend neu, und zudem setzt er sich engagiert für Musik außerhalb des symphonischen Mainstreams ein. Die bis heute ungebrochene Vitalität des bald 90-Jährigen führt dabei immer wieder zu mitreißenden Ergebnissen. Am 23. und 24. März dirigierte er Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - in Bachs "Johannes-Passion".

Herbert Blomstedt, 1927 als Sohn eines schwedischen Pastors in den USA geboren, hatte bislang nur wenige Chefpositionen inne. Lieber blieb er, wie es seinem uneitlen Naturell entsprach, einem Orchester ein ganzes Jahrzehnt lang treu. Nur zwischen 1985 und 1995 kehrte er Europa den Rücken und arbeitete in San Francisco; davor war Blomstedt Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in Dresden, danach beim Leipziger Gewandhausorchester. Auf diese Weise erlebte er den deutsch-deutschen Systemwechsel hautnah mit.

Enthusiasmus, Humor und Liebenswürdigkeit

Seine umfassende Ausbildung erhielt Herbert Blomstedt in seiner schwedischen Heimat und an der New Yorker Juilliard School, Anregungen in Sachen Neuer und Alter Musik bei den Darmstädter Ferienkursen sowie an der Basler Schola Cantorum. Er lernte bei Leonard Bernstein in Tanglewood und bei Igor Markevitch in Salzburg. Nach Stationen bei bedeutenden skandinavischen Orchestern begann Blomstedts internationale Karriere, die ihn nach Bamberg, Berlin, Amsterdam, in die USA oder nach Israel führte - seit 2005 auch regelmäßig zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, wo er neben Bernard Haitink die Rolle des Grandseigneurs mit souveräner Könnerschaft ausfüllt, mit Enthusiasmus, Humor und Liebenswürdigkeit. Der lebendige Kontakt mit den Musikern hat bewirkt, dass Herbert Blomstedt wie einst Günter Wand im Alter noch einmal zu ganz großer Form aufgelaufen ist.

Bach statt Mahler

Das Pathos der Oper und die Extrovertiertheit Gustav Mahlers sind Herbert Blomstedts Sache nicht. Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist dem gläubigen Humanisten Blomstedt, für den Musik eine ethische Dimension hat, die Geisteswelt Anton Bruckners immer näher gerückt. Und neben den Werken der großen skandinavischen Symphoniker Sibelius und Nielsen, die er immer wieder aufs Programm setzt, beschäftigt er sich eingehend mit der Musik Beethovens.

Eine ganz besondere Stellung in Blomstedts Kosmos nimmt jedoch die Musik Johann Sebastian Bachs ein. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen begann Blomstedt seine professionelle Musikerlaufbahn zunächst als Organist, und von daher hat er sich natürlich viel mit Bachs Musik beschäftigt. Dann war er sieben Jahre lang Gewandhauskapellmeister in Leipzig, in jener Stadt also, in der Bach Thomaskantor war. Auf die Münchner Konzerte der "Johannes-Passion" freut er sich besonders: "Ich fange seit einiger Zeit den Tag mit einer kurzen Meditation über Sätze der 'Johannes-Passion' an. Das ist eine wunderbare Beschäftigung, die als Vorbereitung für die Aufführungen dient."

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