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Daniel Müller-Schott, Cellist und Fussballfan "Philipp Lahm hat von mir die erste Cellostunde bekommen."

Daniel Müller-Schott: Klassikstar und Fußballfan. Heute zieht der Cellist zum Kicken Skihandschuhe an, damit seine Hände geschützt sind. BR-KLASSIK hat ihn vor der Fußball-Europameisterschaft zum Expertengespräch gebeten.

Cellist Daniel Müller-Schott | Bildquelle: © Christine Schneider

Bildquelle: © Christine Schneider

BR-KLASSIK: Daniel, du bist doch auch ein leidenschaftlicher Fußballer, nicht?

Daniel Müller-Schott: Ja, schon ganz lange. Ich habe in meiner Jugend angefangen, Fußball zu spielen, so mit vier oder fünf. Und dann wollte ich unbedingt in den Fußballverein und bin beim TSV Zorneding gelandet, wo ich meine ersten Fußballerfahrungen gesammelt habe.

BR-KLASSIK: In der Musik spielst du ja auch mit ganz vielen gemeinsam. Ist das so ähnlich wie mit einer Fußballmannschaft? Gibt es da Gemeinsamkeiten?

Daniel Müller-Schott: Vor allem in der Kammermusik ist man ja auch ein Team. Und dieser Teamgeist spielt eine ganz wesentliche Rolle dafür, dass eine Aufführung gelingt. Man muss sich sozusagen die musikalischen Bälle gegenseitig zuspielen, sich antworten, in der Musik Gespräche führen. Das ist etwas, was auch ganz nah an dieser Idee von Mannschaftssport ist.

Intuition ist wichtig - im Fussball und in der Musik

BR-KLASSIK: Es ist ja beim Fußball manchmal so, dass man das Gefühl hat, die Spieler verstehen sich blind. Und dann wundert man sich, wie hat der das geschafft, diesen Pass da rüber zu spielen, ohne überhaupt aufzublicken. Ein bisschen ist es bestimmt auch so in der Musik, wenn es gut passt mit anderen Musikern zusammen.

Daniel Müller-Schott: Ja, Intuition ist sehr, sehr wichtig. Und auch das, was kommt, zu antizipieren. Also schon im Vorhinein zu wissen, was der andere macht. Und dass man quasi im Unterbewusstsein weiß, der wird mir jetzt diesen Ball zuspielen - ob das in der Musik ist oder im Fußball. Die Fußballer beschreiben das ja immer so, dass sie bestimmte Laufwege haben. Das heißt, die wissen immer schon genau, wenn sie dahin laufen, dann wird der Mitspieler genau diesen Pass spielen, und dann werden sie diesen Ball bekommen. Und das sind so Dinge, das kann man nur, wenn man das immer wieder übt und übt. Vorher zu erkennen oder zu empfinden, dass es so sein wird.

BR-KLASSIK: Jetzt bist du ein berühmter Musiker, du kennst aber auch einen berühmten Fußballer.

Daniel Müller-Schott: Ja, das stimmt. Ich hatte das Glück, den Philipp Lahm schon früh kennenzulernen, nämlich in der Zeit, als er noch gar nicht so berühmt war. Ich wurde nämlich vor der Weltmeisterschaft 2006 beauftragt, ein Porträt über einen deutschen Spieler zu schreiben. Und der Philipp ist damals in den Kader gerutscht und war beim VfB Stuttgart. Und da habe ich in der Süddeutschen Zeitung ein Porträt über ihn geschrieben, das er wiederum gelesen hat und das ihm sehr gut gefallen hat. Und dann haben wir uns ein paar Jahre später kennen gelernt bei einem Porträt, das 3sat über mich gedreht hat. Und da hat sich netterweise der Philipp bereit erklärt mitzumachen.

Ausschnitt aus dem 3sat-Porträt über Daniel Müller-Schott

Cellostunde für Philipp Lahm

BR-KLASSIK: Wie ist der so, der Philipp Lahm?

Daniel Müller-Schott: Der ist super nett. Wir verstehen uns gut, er ist sehr sympathisch, sehr geerdet. Das sind immer nette Begegnungen. Er hat auch auf meinem Instrument die erste Cellostunde bekommen und meinte dann scherzhaft, mit den Füßen wär's leichter, also er könnte leichter mit den Füßen als mit den Händen spielen.

BR-KLASSIK: Beim Fußball ist das ja auch oft so, dass einem ein blöder Fehler passiert. Sogar einem Manuel Neuer rutscht mal ein Ball durch oder so. Das kann einem ja als Musiker, wenn man so vor allen Leuten auf der Bühne sitzt, auch passieren. Wie gehst du damit um? Hast du da irgendwelche Tricks - nach dem Motto: Augen zu und durch?

Daniel Müller-Schott: Pokerface ist ganz wichtig, wenn irgendwas passiert – und es passiert eigentlich immer irgendwas, wenn man mit einem Sinfonieorchester, also mit über 80 Musikern, auf der Bühne sitzt. Da gibt es immer Dinge, die unerwartet sind. Man kann nicht alles kontrollieren. Und da ist es ganz wichtig, dass man nicht die Nerven verliert, sondern dass man anerkennt, dass Unerwartetes passiert. Aber das heißt überhaupt nicht, dass das Konzert nicht gelungen wäre. Damit muss man einfach entspannt umgehen.

Tipp auf den EM-Sieg

BR-KLASSIK: Jetzt steht ja die EM vor der Tür. Hast du irgendwelche Favoriten oder Tipps?

Daniel Müller-Schott: Also mein Favorit ist natürlich Deutschland, das ist klar. Ich hoffe, nach der WM, die so toll verlaufen ist, dass das bei der EM auch gelingt. Also die Gruppenphase sieht ja ganz gut aus, weil meiner Meinung nach nicht so starke Gegner bei Deutschland in der Gruppe sind. Ich denke, dass es wieder verschiedene Länder, die üblicherweise ganz vorne stehen, unter sich ausmachen: Italien, Spanien – und Frankreich ist natürlich Mitfavorit, weil die EM in Frankreich stattfindet. Aber ich denke, Deutschland ist da schon auch ganz vorn.

Das Gespräch für BR-KLASSIK führte Alex Naumann.

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