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Meine-Musik-Playlist von Christian Gerhaher So klingt die Lieblingsmusik des Baritons

Kaum ein anderer Interpret fasziniert so viele Klassik-Fans für die Gattung des Kunstlieds wie Christian Gerhaher. Für die BR-KLASSIK-Sendung "Meine Musik" hat er eine Playlist mit einigen seiner Lieblingsstücke zusammengestellt.

Christian Gerhaher | Bildquelle: © Thomas Egli

Bildquelle: © Thomas Egli

Playlist #1: Johann Sebastian Bach

Bach ist für sehr viele Menschen, die Musik lieben oder vielleicht selbst Musiker sind, vielleicht einer der Säulenheiligen oder gar der Tempel, um den sich alles gruppiert - und so ist es auch bei mir. Wenn ich überlege, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde: Ich könnte wirklich auskommen mit dem Wohltemperierten Klavier. Swjatoslaw Richters Aufnahme wurde lange Zeit geradezu polemisch abgeurteilt, weil sie angeblich zu romantisch ist. Ich kann dazu nur sagen: Wenn auf diese Weise "romantisiert" wird, dann kann es doch eigentlich nichts Besseres auf der Welt geben.

CD-Cover: Swjatoslaw Richter spielt Bach | Bildquelle: RCA Victor / Sony Classical

Bildquelle: RCA Victor / Sony Classical

Johann Sebastian Bach

Das Wohltemperierte Klavier, Band II

Playlist #2: Ludwig van Beethoven

Die Klavierkonzerte Beethovens sind für mich vielleicht überhaupt die schönsten, und der zweite Satz von Nummer fünf hat eine Schönheit und Süße, die man geradezu unverschämt nennen und daher fast ablehnen könnte, wenn sie nicht doch so differenziert wäre. Ich kann überhaupt nicht fassen, wie ein Musikstück so schön sein kann. Fast würrde ich sagen, es ist der schönste langsame Satz, den ich kenne - und das, obwohl es so wahnsinnig viele gibt.

CD-Cover: Swjatoslaw Richter spielt Bach | Bildquelle: Sony Classical

Bildquelle: Sony Classical

Lugwig van Beethoven

Klavierkonzert Nr. 5, 2. Satz

Playlist #3: Robert Schumann

Die klanglichen Möglichkeiten, die sich aus der Historischen Aufführungspraxis heraus entwickelt haben, spielen für mich eine große Rolle. Dabei glaube ich nicht an eine wirklich darstellbare historische Wahrheit. Alles Wissenschaftliche ist für mich persönlich dabei nicht so wichtig. Gerade die Eroberung des 19. Jahrhunderts, also der romantischen Ära, durch das historische Instrumentarium, hat große Vorteile geboten. Das gilt besonders für die Werke Schumanns, denen ja oft nachgesagt wird, dass die Orchestrierung völlig unzureichend wäre. Ich habe die Aufnahme des Schumann'schen Violinkonzerts mit Isabelle Faust und dem Freiburger Barockorchester gehört und war regelrecht "weggeblasen". Da hat sich verwirklicht, was ich mir immer gewünscht hatte: dass sich ein so komplexes musikalisches Gebilde wie der Kopfsatz aufschlüsselt, wenn er auf diese Weise interpretiert wird.

CD-Cover: Isabelle Faust spielt Schumann | Bildquelle: Harmonia Mundi

Bildquelle: Harmonia Mundi

Robert Schumann

Violinkonzert d-Moll, 1. Satz

Playlist #4: Johannes Brahms

Der frühe und der späte Brahms sind mir besonders wichtig. Es gibt nicht so viele Einspielungen der Schumann-Variationen op. 9. Diese Aufnahme mit Falko Steinbach kenne ich schon lange und sie ist genauso, wie ich mir diese Musik wünsche. Sie zeigt auch gerade den Schumann-Ton, der natürlich 'rausscheinen muss. An diesen Variationen über ein Werk, das Schumann für Klavier geschrieben hat - die "Bunten Blätter" - zeigt sich bereits, wie sehr Brahms ein Sachwalter der Angelegenheiten Schumanns sein wollte und auch insgesamt hätte sein können. In der zehnten Variation gibt es einen Takt, bei dem ich immer aufstehen muss, wenn ich ihn höre. Sonst falle ich vom Stuhl.

CD-Cover: Falko Steinbach spielt Schumann und Brahms | Bildquelle: Ambitus

Bildquelle: Ambitus

Johannes Brahms

16 Variationen über ein Thema von Robert Schumann

Playlist #5: Claude Debussy

Debussys Mallarmé-Zyklus ist ein spätes Werk. Die Avanciertheit, die in den Kompositionen dieses fantastischen Musikers generell zu spüren ist, ist hier besonders deutlich auf den Punkt gebracht. So differenziert diese Musik auch ist, so finden sich doch wunderbare Einzel-Entitäten, die für mich so etwas wie die Konnotation eines Parfüms haben. Wenn ich mir übrigens überlege, welchen Beruf ich ansonsten gerne ausüben möchte: Ich würde vielleicht gerne Parfüms kreieren. Eine tolle Welt des Nicht-Fassbaren und äußerst Differenzierten. So würde ich vielleicht den Debussy sehen, obwohl er selbst mir das vielleicht übelnähme.

CD-Cover: Stella Doufexis singt Debussy | Bildquelle: Berlin Classics

Bildquelle: Berlin Classics

Claude Debussy

Trois Poemes de Stéphane Mallarmé, Nr. 1 "Soupir"

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