BR-KLASSIK

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Nils Mönkemeyer präsentiert Klassik für den Winter

"Es ist nichts als der Winter, der Winter kalt und wild" - heißt es in der Wintereise. Draußen glitzert der Schnee und abends wird's ungemütlich kalt. Wer keinen Kamin sein eigen nennt, der sollte sich jetzt in eine Wolldecke einmummeln und Musik hören, meint Bratschist Nils Mönkemeyer - und stellt hier passende musikalische Netzfundstücke vor.

Nils Mönkemeyer | Bildquelle: Irene Zandel

Bildquelle: Irene Zandel

Johannes Brahms: Violinkonzert - Ginette Neveu, NDR Sinfonieorchester, Hans Schmidt-Isserstedt

Eine der schönsten Aufnahmen von Brahms' Violinkonzert, die ich kenne. Ginette Neveu spielt mit einer Intensität, die mich seit Jahren nicht loslässt, als wäre jeder Ton ihr letzter auf dieser Erde. Bei Minute 8'12'' fährt sie mit einer solchen verzweifelten Attacke in das Orchester, dass ich auch beim hundertsten Mal noch zusammenzucke - und dann reißt sie uns das Herz für 50 Sekunden mit aller Kraft aus der Brust. Das kann nur sie!

Marco Uccellini: Sonata XVIII - ll Giardino Armonico

Diese Sonate für zwei Violinen und Basso Continuo ist auf der CD Viaggio Musicale von Il Giardino Armonico zu finden. Die Aufnahme ist sicher 16 oder 17 Jahre alt, aber ich höre sie bis heute genauso regelmäßig wie begeistert. Enrico Onofri ist sowieso toll, natürlich auch heute, aber die Virtuosität, die improvisatorische Spielfreude hat mich damals und bis heute sehr geprägt! Und Momente wie sie ab Minute 1'13'' zu erleben sind - da könnte ich mich reinlegen! (Am besten mit Kopfhörer anhören, sonst geht viel des tollen Continuospiels verloren...)

Luigi Rosso: Lamento aus Euridice - Veronique Gens, L'Arpeggiata, Christina Pluhar

Dieses Lamento von Rossi ist viel weniger bekannt als das große Lamento d'Arianna von Monteverdi, aber nicht minder schön. Und niemand stirbt edler und trauriger als Veronique Gens!

W. A. Mozart: "Ah guarda sorella", aus Cosí fan tutte - Veronique Gens, Concerto Köln, René Jacobs

Veronique Gens ist übrigens auch eine bezaubernde Fiordiligi in Mozarts Cosí fan Tutte, die Gesamteinspielung von René Jacobs ist für mich eine der schönsten, die es auf dem Markt gibt. (Aber - wie kann man nur so ein schönes Stück Musik hochladen und dann diese gruseligen Engelchen dazustellen. Hilfe, "Chucky, die Mörderpuppe"-Alarm!!)

Robert Schumann: Symphonische Etüden - Zlata Chochieva

Eine großartige Künstlerin - ich hoffe, sie wird eine Aufnahme der Kreisleriana machen. So stelle ich mir Schumann am Klavier vor!

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 5 - Shiyeon Sung, Gyeonggi Philharmonic

Mahlers 5. ist für mich vielleicht von allen Orchesterstücken das persönlichste. Während meiner Zeit im Bundesjugendorchester habe ich sie zum ersten Mal gespielt. Der Rausch, die Ekstase, diese Energie der Konzerte damals sind der Grund, warum ich nichts anderes als Musik machen konnte.
Shiyeon Sung bringt mir all das zurück. Für mich ist sie unter den jüngeren Dirigenten eine der allerbesten, sie hat das Charisma der "großen Alten", gepaart mit großer Demut und Können. Und dann ist da noch etwas, was mich mitnimmt, als würde ich die Reise durch Mahlers Werk mit ihr zusammen gehen, so persönlich dirigiert sie es.

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