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Was heute geschah - 17. März 1938 Rudolf Nurejew wird geboren

In einem Abteil der Transsibirischen Eisenbahn, in der Nähe der Station "Razdolnaja" bei Wladiwostok, kommt ein Junge zur Welt, über den die Schriftstellerin Françoise Sagan später sagen wird: "Ein halb nackter Mann in Strumpfhosen, einsam und von seltener Schönheit, auf Zehenspitzen, der sich in einem angelaufenen Spiegel betrachtet, halb misstrauisch, halb verzückt, das Abbild seiner Kunst."

Balletttänzer Rudolf Nurejew während seines letzten Besuchs in Leningrad, 1989 | Bildquelle: picture alliance/Russian Look

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Der Mann in Strumpfhosen

Nur 54 Jahre alt sollte der Tatar Rudolf Nurejew werden, im Januar 1993 starb er an den Folgen von Aids. Sein Grab befindet sich auf dem russischen Friedhof in Sainte-Geneviève-des-Bois in der Nähe von Paris. Das sind die Eckdaten. Dazwischen lebte er ausschweifend und exzentrisch und legte eine Karriere hin, die in jeder Hinsicht ohne Vergleich geblieben ist. Rudolf Nurejew wird der klassische Ballett-Tänzer des 20. Jahrhunderts: an Grazie, an Eleganz, an technischer Perfektion sowie an Ausdruck und an Charisma unübertroffen.

In jeden Schritt muss man sein Herzblut hineinlegen.
Devise und Arbeitsethos des willensstarken Tänzers Rudolf Nurejew

Liebling der Götter

Nurejews Ausnahmetalent wird schnell erkannt: Nach einer harten Ausbildung in Ufa und Leningrad wird Nurejew mit 20 Jahren Solist im Kirow-Ensemble, tanzt in Giselle, Le Corsaire, Don Quichotte, Schwanensee und Dornröschen. 1961 gelingt ihm am Pariser Flughafen Le Bourget die spektakuläre Flucht in den Westen. In Europa und Amerika, oft an der Seite von Margot Fonteyn, folgt dann eine Karriere, die ohne Nachahmer bleibt - ja bleiben muss. Denn Rudolf Nurejew war wohl wirklich, was ein Nachruf konstatierte: "ein Liebling der Götter".

Unbändiger Wille, Disziplin und Hingabe

Tanzte oder probte Nurejew, blitzte aus seinen Augen unbändiger Wille, dazu eine die Grenzen des Menschlichen sprengende Disziplin. Höchste Konzentration und leidenschaftliche Hingabe sprechen aus seiner Mimik, aber auch aus der Haltung seines Körpers. Alle Muskeln, alle Sehnen scheinen vereint in dem stillen Wissen, Teil einer singulären Erscheinung zu sein. Unnahbarkeit strahlte Nurejew aus, auch eine große Empfindsamkeit und Schüchternheit - Aspekte dieser Künstlerpersönlichkeit, die auf der Bühne wie im Leben an beiden Enden gebrannt hat, der das Melancholische ebenso Natur war wie das Exzentrische, das Feine ebenso wie die Wildheit.

Solo des Tänzers Rudolf Nurejew

Was heute geschah

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