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LGBTI-Chorfestival "Various Voices" Regenbogenflaggen am Münchner Gasteig

Sie heißen "Schrillerlocken", "Pink Singer" oder "Miss Klang" - 93 schwul-lesbische Chöre aus 19 Ländern treffen sich vom 9. bis zum 13. Mai zu Europas größten LGBTI-Chorfestival in München. Diesmal sind sogar Teilnehmer aus der Türkei dabei.

Multipercussionist und Schlagzeuger Christian Benning | Bildquelle: © Alexander Frank

Bildquelle: © Alexander Frank

Ganz klar, bei Various Voices geht es nicht allein um ein astreines hohes C. Es darf, es soll schrill sein, schräg, eine Spur neben der Spur. Queer eben. Für fünf Tage wehen am Gasteig die Regenbogenflaggen. Hier treffen sich Rampensäue (und Rampeneber), die ganz gewöhnlichen Berufen nachgehen, wie Verwaltungsangestellte, Kieferorthopäden, Grafiker oder Lehrer. Was sie verbindet - egal ob aus Portugal, Polen, den USA, der Türkei, der Ukraine, aus Deutschland oder Dänemark: Sie singen für ihr Leben gerne. Und das tun sie am liebsten in einem LGBTI-Chor. Da müssen sie nicht lange um den heißen Brei reden oder sich irgendwie verbiegen, wenn es nach der Probe im Gespräch mal um das Privatleben geht.

Politische Botschaft

Various Voices 2018 -Regenbogenfahnen am Gasteig | Bildquelle: © RHeine Various Voices Bildquelle: © RHeine Various Voices Trotzdem schwingt gerade bei einem solchen Festival in jeder Note auch eine politische Botschaft mit: der Wunsch nach Anerkennung und Gleichberechtigung, der Wunsch danach, sich nicht Verstecken zu müssen wegen seiner sexuellen Orientierung. Umso mehr freut es die Organisatoren des Festivals, dass unter den 93 Chören auch vier aus der Ukraine anreisen und einer aus der Türkei. Neben dem Gasteig hat sich das Festival noch zwei weitere Schau-und Showplätze gebunkert: den Max-Joseph-Platz und den Odeonsplatz. Auf dem Max-Joseph-Platz vor der Staatsoper herrscht Volksfeststimmung. Brettljause, Brezn und Bier fürs Publikum. Und von den Brettern, die die Welt bedeuten, der "City Stage", schmettern Chöre aus aller Welt.

Carmina Burana auf dem Odeonsplatz

Wen vor lauter Hören die Lust zum Mitsingen packt, der kann das am Samstag tun. Auf dem Odeonsplatz jubilieren dann die 2700 Festivalsängerinnen und -sänger gemeinsam in der "Carmina burana" von Carl Orff. Unterstützt von allen Hobbysopranistinnen oder Baritonen, von allen, die absichtlich oder zufällig vorbei kommen. Dagegen ist Gustav Mahlers "Sinfonie der Tausend" ein mageres Häuflein.

Dirigieren wird der künstlerische Leiter des Festivals, Martin Wettges. Als eingefleischter Klassikhase, der bereits beim "Staatstheater am Gärtnerplatz", beim Münchner Rundfunkorchester, beim "Staatstheater Meiningen" oder auch beim Gewandhausorchester Leipzig am Pult stand, ist ein solcher Mega-Chor eine ganz neue Herausforderung.

Der Countertenor Andreas Scholl | Bildquelle: Decca / James MacMillan Countertenor Andreas Scholl | Bildquelle: Decca / James MacMillan Los geht das größte LGBTI-Chorfestival Europas am 9. Mai 2018 in der Philharmonie im Gasteig um 20 Uhr mit Lederhosen und Dirndl bei der folkloristischen Eröffnungsgala. Die "Schwuhplattler" und "Alpen-Klezmer" zeigen, wo in Bayern der musikalische Hammer hängt. Ein Höhepunkt von Various Voices sind die Galakonzerte in der Philharmonie im Gasteig am Freitagabend. Da trifft dann die Österreicherin Conchita Wurst auf einen der besten Countertenöre aus der Klassikbranche: Andreas Scholl.

Kleines Lexikon

LGBTI:
Abkürzung der englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender und Intersexual.

Queer:
Fremdwort aus dem Englischen. Kommt ursprünglich vom Althochdeutschen "twerh". Bezeichnet als Adjektiv jene Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen. Steht für homosexuell.

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