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Was heute geschah - 17. Mai 1866 Erik Satie wird geboren

Er war einer der schillerndsten Persönlichkeiten der französischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert: der Komponist Erik Satie. Am 17. Mai 2016 feiert die Musikwelt seinen 150. Geburtstag.

Erik Satie | Bildquelle: wikimedia commons

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Honfleur, Region Calvados, 17. Mai 1866

Seine Wurzeln liegen in der Normandie, seine künstlerische Wirkungsstätte ist Paris. Erik Satie komponiert in den Cafés der Seine-Metropole, in die er jeden Morgen aus der acht Kilometer entfernten Arbeitervorstadt Arcueil zu Fuß gelaufen kommt.

Erik Satie  | Bildquelle: copyright expired Erik Satie | Bildquelle: copyright expired „Satie ging langsam und mit kleinen Schritten und trug einen Regenschirm unter dem Arm. Wenn er stehen blieb, um sich mit jemandem zu unterhalten, beugte er ein Knie leicht, rückte seinen Kneifer zurecht und stemmte eine Faust in die Hüfte.“ So schildert ihn ein Beobachter.

Zu erkennen ist Satie an seinem kastanienbraunen Samtanzug samt Melone. Zwölf identische Outfits hat er davon im Schrank, die Resultat einer kleinen Erbschaft sind. Das übrige Geld lässt der Gourmet und Weinliebhaber in den Pariser Restaurants, wo er sich vom Komponieren im Café erholt, bei gutem und gerne auch reichlichem Essen. Ein Omelett aus 30 Eiern ist der Rekord.

Erik Satie auf BR-KLASSIK

17. Mai, 19:05 Uhr
Klassik Plus
Mit Schirm, Charme und Melone
Erik Satie zum 150. Geburtstag

Was er schreibt, zumeist Klavierminiaturen, soll unterhalten und darf auch nebenbei erklingen. "Musique d’ameublement" nennt er seine Stücke, die – wie Stühle, Tische und Chaiselongues – einfach da sein sollen. Ausbilden lässt er sich trotzdem professionell. Er studiert mit 40 bei Vincent d’Indy und Albert Roussel, um dann doch Individualist zu bleiben: Vorreiter der Minimal Music, mit Hang zu impressionistischen Tönen, und einem unverkennbaren Faible für Surreales.

Die Titel seiner Werke sind schräg: "Bürokratische Sonate", "Stücke in Form einer Birne", "Schlaffes Präludium für einen Hund"
Seine Vortragsbezeichnungen sind skurril und manchmal länger als die Werke: „Wie eine Nachtigall mit Zahnschmerzen", "Öffnen Sie den Kopf", "Vergraben Sie den Ton in Ihrer Magengrube“

Debussy schließt mit ihm Freundschaft; vor allem aber sind es die avantgardistischen bildenden Künstler, deren inspirierende Gesellschaft Erik Satie sucht: Picasso, Braque, Cocteau. Als Satie 1925 an den Folgen seines jahrelangen Alkoholmissbrauchs stirbt, ist er eine anerkannte, wenn auch in keine ästhetische Schublade passende Größe im französischen Musikleben. Er selbst hatte auch dazu eine ganz eigene Meinung:

Jeder wird Ihnen sagen, ich sei kein Musiker. Das stimmt.
(Erik Satie)

Was heute geschah

Unsere Reihe "Was heute geschah" zu bemerkenwerten Ereignissen der Musikgeschichte können Sie auch um 8.30 Uhr und um 16.40 Uhr auf BR-KLASSIK im Radio hören. Weitere Folgen zum Nachhören finden Sie hier.

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