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Festspielzeit 2017

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Festival "Vielsaitig" in Füssen Riesengeige im Klosterhof

Die Stadt Füssen im Allgäu gilt als die Wiege des europäischen Lauten- und Geigenbaus. 1562 wurde dort die erste Lautenmacherzunft Europas gegründet. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte des Instrumentenbaus zurück und belegt einen wichtigen Platz in der Musikgeschichte. An diese Tradition knüpft seit 14 Jahren das Festival "Vielsaitig" an, das am 30. August begonnen hat.

Kloster St. Mang in Füssen
| Bildquelle: picture alliance / Christine Koenig

Bildquelle: picture alliance / Christine Koenig

Der Beitrag zum Anhören

"Staunen" ist das Motto des diesjährigen Festivals "Vielsaitig" in Füssen. Dazu passt, dass das Kölner Verdi-Quartett die Reihe mit Musik der Venezianerin Maddalena Sirmen eröffnet. In einer Zeit, in der Frauen eigentlich nicht komponieren sollten, habe die Zeitgenossin Haydns Erstaunliches geleistet, sagt Matthias Ellinger vom Verdi-Quartett, das in diesem Jahr die künstlerische Leitung des Festivals inne hat. "Was an der Frau staunenswert ist: Sie ist im 18. Jahrhundert als Frau selbstständig unterwegs gewesen - als Solistin und auch als Komponistin", sagt Ellinger. "Und sie hat die Gattung Streichquartett vielleicht sogar ein kleines bisschen früher als Haydn auf den Weg gebracht."

Nach Fertigstellung des Baus haben die Menschen über das Gebäude gestaunt - bis zum heutigen Tag.
Die Füssener Kulturamtsleiterin Karina Hager über das Kloster Sankt Mang

Prächtige Klosteranlage

Staunen können die Festivalbesucher nicht nur bei den Konzerten des Verdi-Quartetts, des Pianisten Matthias Kirschnereit oder wenn der Trompeter Matthias Schriefl Jazz, Punk und moderne Klassik zusammenbringt. Auch der Ort des Festivals, das barocke Kloster Sankt Mang, rückt in diesem Jahr ganz besonders in den Mittelpunkt. Die Füssener feiern derzeit das 300-jährige Bestehen des imposanten früheren Benediktinerklosters. Der prächtige Gebäudekomplex liegt im Herzen der Altstadt am felsigen Steilufer des Lechs gelegen. Er zählt für die städtische Kulturamtsleiterin Karina Hager zu den schönsten Klosteranlagen im süddeutschen Raum. Und seit Baubeginn im Jahr 1696 ist das Kloster eben auch ein Ort zum Staunen: "Man muss sich vorstellen, dass auf dieser Hanglage über dem Lech auf den Grundmauern des mittelalterlichen Klosters der Barockbau entstand und damals schon alle Vorbeireisenden und auch die einheimische Bevölkerung unheimlich in Staunen versetzt hat", erklärt Karina Hager. "Und nach Fertigstellung des Baus haben die Menschen über das Gebäude gestaunt bis zum heutigen Tag."

Countertenor und Laute

Lautenbau | Bildquelle: vielsaitig Bildquelle: vielsaitig Über Jahrhunderte beförderte das Kloster das Musikleben und damit auch den Instrumentenbau in Füssen. Auf die Tradition der Stadt als Wiege des europäischen Lauten- und Geigenbaus beruft sich das Festival. Und es stellt in diesem Jahr deshalb gleich in zwei Konzerten die Laute in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Lautenisten Axel Wolf präsentiert der Countertenor Valer Sabadus eine Sammlung mit Liedern und Arien des englischen Renaissancekomponisten Robert Dowland. Für Matthias Ellinger vom Verdi-Quartett sicherlich einer der Höhepunkte des Festivals: "Was bei Valadus wirklich besonders ist: dass es eigentlich völlig egal ist, ob er Countertenor ist, weil er so unglaublich schön singt."

Größte Geige der Welt

Beim Festival "Vielsaitig" kommt in diesem Jahr auch ein ganz besonderes Instrument zum Klingen: die Markneukirchnener Riesengeige. Eigens für den "Treffpunkt Geigenbau" im Rahmen des Festivals wird die angeblich größte bespielbare Geige der Welt aus dem sächsischen Vogtland nach Füssen gebracht. 4,27 Meter ist die Geige groß und 130 Kilo schwer. Der Bogen misst stolze 5,22 Meter. Drei Spieler sind notwendig, um das Rekordinstrument zum Klingen zu bringen. In Füssen ist es am 2. September in einem Konzert im Klosterhof Sankt Mang zu hören.

Informationen zum Festival

Das Festival "Vielsaitig" in Füssen findet in diesem Jahr vom 30. August bis 09. Sepember statt.
Das gesamte Programm sowie Informationen zum Kartenverkauf finden sich auf der Homepage des Festivals.

Sendung: Allegro am 30. August 2017, 06.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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