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Festspielzeit 2018

Der Musiksommer mit BR-KLASSIK

Bayreuths neuer Lohengrin Piotr Beczala "Da muss man einfach zugreifen"

In einer Woche, am 25. Juli, wird Piotr Beczala als Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen debütieren, nachdem er nur dreieinhalb Wochen vor der Premiere für Roberto Alagna eingesprungen ist. Eine große Aufgabe, die zu übernehmen keine ganz leichte Entscheidung war - wie er im BR-KLASSIK-Interview erzählt.

Opernsänger Piotr Beczała | Bildquelle: © Johannes Ifkovits

Bildquelle: © Johannes Ifkovits

BR-KLASSIK: Vor etwas mehr als zwei Jahren haben Sie als Lohengrin an der Dresdner Semperoper debütiert. Ihre Partnerin war Anna Netrebko. Das war Ihr frenetisch gefeiertes Debüt im Wagner-Fach. Waren Sie schon vom Virus Wagner infiziert bzw. hat Christian Thielemann dafür gesorgt?

Piotr Beczala: Das ist sehr schön gesagt. Christian wollte mich unbedingt damit infizieren. Ich habe mich sehr sehr lange immun gehalten, bin immer noch ein bisschen immun. Denn ich will mich nicht in der Welt der Wagner-Musik verlieren. Das ist gefährlich für einen Sänger.

Immer auf der skeptischen Seite

BR-KLASSIK: Ist die Wagner-Welt Ihnen unheimlich?

Piotr Beczala: Das ist ein One-Way-Ticket. Man fängt mit Lohengrin an. Dann stehen schon die anderen Rollen Schlange - und ehe man sich’s versieht, hat man schon den Tristan unterschrieben. Das kann verhängnisvoll sein. Ich versuche, das Ganze von meiner Seite zu steuern. Also das, was ich singe, wo ich singe und die Rollenauswahl. Deswegen lasse ich mich da nicht treiben und bin immer auf der skeptischen Seite. Aber das stört überhaupt nicht dabei, eine große Begeisterung für diese Musik zu hegen - und immer wieder Freude mit ihr zu haben.

Die Entscheidung ist gefallen - ich bin ja jetzt da.
Piotr Beczala über Bayreuth

BR-KLASSIK: Trotzdem singen Sie den Lohengrin, trotz dieser Vorsicht, trotz dieser Skepsis. Und nun sind Sie auch gewissermaßen über einen Umweg in Bayreuth gelandet, feiern dort im Tempel der glühenden Wagnerverehrer Ihr Debüt. Hätte man nicht davon ausgehen können, dass es nach Dresden gar keine andere Wahl mehr geben konnte?

Opernsänger Piotr Beczała | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Piotr Beczala: Es gab schon Arbeitsproben mit Christian Thielemann hier in Bayreuth 2015. Da ist die Lohengrin-Idee überhaupt erst so richtig entstanden. Irgendwann bekam ich nun den Anruf von Christian Thielemann. Und die Entscheidung ist gefallen - ich bin ja jetzt da. Sicher ist das für mich eine große Aufgabe, den Lohengrin gerade bei der Festspieleröffnung und live im Fernsehen zu singen. Aber wie gesagt: Die Rolle ist erprobt. Die Umgebung ist richtig gut - das Bühnenbild und die Regie. Und die musikalische Unterstützung von vorne. Deswegen bin ich zuversichtlich. Wir machen das Beste daraus.

In erster Linie eine künstlerische Entscheidung

BR-KLASSIK: Es war natürlich eine schwierige Entscheidung für Sie: Auf der einen Seite schlägt das Herz für Bayreuth. Auf der anderen Seite sind Sie ein international sehr viel und sehr opulent beschäftigter Tenor. Es gab viele andere Verpflichtungen. Wie schwer war für Sie tatsächlich die Entscheidung, zu sagen: Jetzt muss es Bayreuth sein?

Piotr Beczala: Diese Balance zwischen dieser Produktion und meinen Verpflichtungen außerhalb von Bayreuth war schon kompliziert. Als die Entscheidung fiel, haben mir viele Leute geholfen. Meine Agentin hat wirklich eine Riesenarbeit geleistet, den Intendanten beziehungsweise den Veranstaltern die Sache zu erklären. Viele haben es verstanden, viele haben gesagt: Es geht uns eigentlich gar nichts an. Vor allem war es aber eine künstlerische Entscheidung, hierher zu kommen. Und ich kann noch vielen Verpflichtungen, die ich im Kalender stehen habe, nachgehen. Manche gehen nicht, wie zum Beispiel der Liederabend am 23. Juli in München. Schweren Herzens musste ich absagen.

Ich habe auch gescherzt. Denn als ich hier ankam, waren alle so glücklich - und haben gesagt: Alle werden Dich lieben. Und ich habe gesagt: Ja, innerhalb der Grenzen von Bayreuth - aber außerhalb, zwei Kilometer weiter, wird mich die ganze Welt hassen, weil ich da alles liegen gelassen habe für euch. Aber wie gesagt, das war nicht nur meine Entscheidung. Ein Tenor auf dem Level, auf dem ich mich befinde, bekommt solch eine Gelegenheit vielleicht einmal im Leben. Da muss man einfach zugreifen.

Sendung: "Leporello" am 18. Juli 2018 ab 16:05 Uhr in BR-KLASSIK

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