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BR-Klassik vergibt 2020 wieder Operetten-Frösche Der Frosch geht an die Staatsoper Stuttgart für "Die Blume von Hawaii"

Ein Operettenfrosch 2020 geht an die Staatsoper Stuttgart für "Die Blume von Hawaii"

Steckbrief

"Die Blume von Hawaii" von Paul Abraham - inszeniert von Marco Štorman im Hafen Stuttgart

Los geht´s …      
… mit Platzsuche für die Zuschauer auf den 33 Europaletten an der Hafenkante. Was für eine ungewohnte Umgebung! Frank Castorf hätte seine Freude am Setting; und dann sollen alle auch noch Kopfhörer aufsetzen - Achtung, bitte anschnallen!

Überraschung:  
Der Sound über die Funk-Kopfhörer ist richtig gut, abgesehen davon, dass man auch ohne Verstärkung etwas von der unten auf dem Fährboot spielenden Jazzband und den auf dem Ponton treibenden Solisten hört. Das Wetter spielt mit, und auch ganz ohne die Rollen von Prinzessin Laya und ihrem hawaiianischen Prinzen Lilo-Taro entfaltet die eigens von Dramaturg Ingo Gerlach und Regisseur Marco Štorman erstellte Mischung aus Texten und Paul Abrahams grandioser Musik für diesen Abend der Corona Reihe "Quick and Dirty“ ihre Wirkung.

Urkunde Operetten-Frosch "Die Blume von Hawaii" | Bildquelle: BR-Klassik-Operette Bildquelle: BR-Klassik-Operette

Verblüffend:            
Dass sich der Hafen Stuttgart für eine Stunde Vorstellung sperren lässt und die Frachter mit ihrer Ladung solange warten. Wie gut die vier Opernsolisten und Schauspieler Martin Bruchmann mit der Jazzband um Rita Kaufmann am Keyboard harmonieren! Das Arrangement von Sebastian Schwab lässt keine musikalische Farbe vermissen und Tonmeister Niko Lazarakopoulos fängt alle Nuancen für die Kopfhörer ein. Außer ein paar Hawaiihemden und Gummipalme kommt alles ohne Kostüm und Bühne aus. Jeder der Darsteller punktet mit eigenen Stärken. Fiorella Hincapié mit enormer tänzerischer Energie trotz wackeligem Untergrund, Natalie Karl und Matthias Klink spenden neben vieler schöner Gesangstöne als Paar dem Publikum einen lang ersehnten, ausgiebigen Bühnenkuss, Moritz Kallenberg berührt mit "Bin nur ein Johnny“ als Portrait des Komponisten Paul Abraham, und Martin Bruchmann sucht sein Paradies am Meeresstrand hinreißend sehnsüchtig.

Herausragend:           
Wie der Wechsel zwischen gesprochenen Texten und Musik klappt, wie alle im Team zusammenhalten und der Bruch zwischen hilfloser Einsamkeit auf einem Floß und träumerischer, oder ausgelassener, lebensbejahender musikalischer Extase gelingt.

Aha-Effekt:                           
Paul Abrahams Blume von Hawaii kann auch einfach nur Projektionsfläche für Träume und Sehnsüchte sein, die Musiknummern sind selbst auf dem Wasser und ohne Handlung gut zu singen und erzählen ihre eigenen intensiven Geschichten.

Mutig, neu, zeitgemäß:
Alle Beteiligten, wie auch das Publikum aus der Komfort-Zone des Gewohnten zu holen und ein Sparten-übergreifendes Musiktheater mit Tiefgang zu realisieren. Den Hygiene-Auflagen und akustischen Widrigkeiten zum Trotz:  So geht´s mit Corona. Wer auch "Quick and Dirty“ kann, ist für alle Krisen gewappnet!

Sei kein Frosch, küss ihn:    
Die Redaktion Operette ist begeistert und gratuliert der Staatsoper Stuttgart, dem Regieteam und allen Mitwirkenden zu großem Operettenmut.

Inszenierung: Marco Štorman
Musikalische Leitung und Klavier:
Rita Kaufmann
Bühne:
Susanne Gschwender
Kostüme: Miriam Schubach
Dramaturgie: Ingo Gerlach

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