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BR-Klassik vergibt den August-Frosch 2017 "Kaiserin Josephine" beim Lehár Festival Bad Ischl

Josephine ist schön. Josephine ist arm. Josephine ist verwitwet. Trotzdem übersieht sie auf einem Ball einen jungen General, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt hat. Bonaparte heißt er und wartet auf seine Chance. Die "Kaiserin Josephine" – neu belebt und frisch gewagt. Lob für Operettenmut!

"Kaiserin Josefine" beim Lehár-Festival Bad Ischl 2017 (Premiere am 12.08.) | Bildquelle: © Foto Hofer Bad Ischl

Bildquelle: © Foto Hofer Bad Ischl

Die FROSCH-Begründung

"Er sieht aus wie ein gestiefelter Kater

Josephine ist schön. Josephine ist arm. Josephine ist verwitwet. Trotzdem übersieht sie auf einem Ball einen jungen General, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt hat. Bonaparte heißt er und wartet auf seine Chance.

In acht Bildern erzählt Kálmán die Geschichte einer Liebe. Oder von einer Liebe, die Geschichte gemacht hat. Und weil Kálmán wie sein Konkurrent Lehár für ein großes Theater und eher mal Oper schreiben wollte, wählte er ein großes Orchester, große Stimmen und große Szenen: einen Ball, ein Heerlager, eine Hochzeit, eine Krönung. Mehr geht wohl nicht an Opulenz!

Urkunde des Operetten-Frosches August 2017 an die "Kaiserin Josephine" beim Lehár Festival Bad Ischl. | Bildquelle: BR Bildquelle: BR Das alles mit einem großen Bühnenbild und großen Kostümen zu feiern, würde heute wohl eher wie ein nachgestellter Hollywoodfilm à la "Désirée" wirken und die Figuren ersticken. Deshalb war es geradezu erfrischend, diese opernnahe Operette auf das Wesentliche reduziert zu erleben.
Mit einem auf die Bühne gesetzten, vergrößerten Orchester, davor Solisten und Chor. Und: Mit pointiert gekürzten Texten, skizzierten Spielszenen und gezielt eingesetzten Projektionen. Die unterstützten u.a. mit Gemälden aus der damaligen Zeit die Handlung wunderbar und gaben ihr zugleich einen seriösen und wie luxuriösen Anstrich. Gestern und heute, Geschichte und Operette, Konzertklang und Schauspiel kamen so unverkrampft zusammen.

Das Ensemble war klug besetzt: Das Hauptpaar mit leistungsfähigen Stimmen, schön anzusehen (Vincent Schirrmacher und Miriam Portmann), das Buffopaar (Theresa Grabner und Roman Martin) witzig und beweglich – vor allem Roman Martin ein Buffo at it’s best – und auch alle anderen größeren und kleineren Rollen überlegt ausgesucht.
Alles sehr solide, dazu ein ausgesprochen spielfreudiger und mitreißender Chor, dem man – wie allen anderen – nicht anmerkte, dass es nur wenig Zeit für die intensiven Proben gegeben hatte. Respekt!

Dirigent Marius Burkert und Regisseur Leonard Prinsloo hatten diese Produktion in nur wenigen Tagen auf die Bühne gestellt; ihre große Erfahrung machte das beeindruckende Endprodukt überhaupt erst möglich. Gratulation.

Wenn eines Tages die akustische Balance im langen schlauchförmigen Zuschauer-Raum stimmt, wird diese halbkonzertante-halbszenische Form auch in den letzten Reihen ein akustischer Genuss werden.
Wir empfehlen jedenfalls schon jetzt allen Verantwortlichen der Gemeinde Bad Ischl, auf dieses Festival stolzer zu sein und es besser nach außen zu kommunizieren. Denn hier können Besucher erleben, wie wundervoll und zeitgemäß unbekannte Operette sein kann.

Kaiserin Josephine – neu belebt und frisch gewagt. Lob für Operettenmut! Frosch erfolgreich geküsst ! Findet das Team vom Operetten-Boulevard auf BR-KLASSIK.

Steckbrief

"Kaiserin Josephine" von Emmerich Kálmán beim Lehár Festival Bad Ischl in der halb-szenischen Inszenierung von Leonard Prinsloo

Los geht's…
…mit einer Kartenszene à la Carmen. Hier verspricht die Freundin aber nicht „La mort“ sondern „l’amour“. Samt einer Krone.

Überraschung:
Was für ein Klang im Kongress & TheaterHaus! Mindestens Breitleinwand - passend zum Hollywood-Film-Sujet, der Liebe zwischen Napoleon und Josephine. Das aufgerüstete Orchester sitzt oben vor Projektionen und hinter den Sängern. Das gibt Schub!

Gelungenste Szene:
Der minderjährige Sohn von Josephine ist verhaftet. Josephine bittet um Gnade, und Napoleon zeigt Größe. Er gewinnt damit das Herz des Sohnes - und der Mutter.

Verblüffend:
Eine pompöse Story, witzige Buffo-Nummern, gesellschaftskritische Szenen, Geschichtsunterricht, ein spritziger Chor und ein großes Orchester – das alles passt zusammen.

Herausragend:
In diesem revueartig aufgebauten Stück Geschichte in 8 Bildern mit zwei stimmstarken  Sängern in den Hauptrollen vermuten wohl die wenigsten komische Szenen. Das Buffo-Paar (Theresa Grabner und Roman Martin) aber riss die Stimmung immer wieder herum. Vor allem der Buffo war herausragend. Dass es das noch gibt!

Aha Effekt:
Wieder einmal bestätigte sich, dass eine musikalisch hochkarätig besetzte Operette in halb-szenischer Form völlig komplett sein kann. Es fehlte nichts. Ohne große Ausstattungs-Ablenkung und überlange Texte konnte sich das Publikum im Gegenteil gut auf Geschichte und Musik konzentrieren.

Berührend:
Miriam Portmann und Vincent Schirrmacher waren ein schönes Paar. Wenn der junge Napoléon seine erfahrene Josephine verzweifelt liebte und sie ihn anstrahlte, war sich das Publikum sicher: Die beiden gehören zusammen.

Mutig, Anders, Neu:
Diese Operette kannte selbst die anwesende Tochter des Komponisten nicht komplett. Umso mutiger war es, das Mammutwerk in einem Zeitkorsett von wenigen Tagen zu wagen. Das Ergebnis war überzeugend, schwungvoll, frisch. Geschichtsunterricht in Breitleinwand anders und neu.

Sei kein Frosch, küss ihn:
Die Redaktion Operette gratuliert dem ehemaligen Intendanten Michael Lakner und dem jetzigen Intendanten Thomas Enzinger –  sowie dem  Ensemble – zu großem Operettenmut. Wir empfehlen dem neuen Intendanten Thomas Enzinger, dieses großartige Format – und auch diesen Mut – beizubehalten.

Choreographie und Regie:               Leonard Prinsloo
Musikalische Leitung:                        Marius Burkert

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