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BR-KLASSIK vergibt Oktober-Frosch "Die Herzogin von Chicago" in Leipzig

Der Operettenfrosch Oktober 2018 "Die Herzogin von Chicago" an die Musikalische Komödie Leipzig von Emmerich Kálmán. Eine Inszenierung von Ulrich Wiggers.

Steckbrief

"Die Herzogin von Chicago" an die Musikalische Komödie Leipzig von Emmerich Kálmán. Regie: Ulrich Wiggers

Los geht´s …    
…wie gutes, altes, großes Kino - mit einem auf den Gazevorhang projizierten Stummfilm-Rahmen zur üppigen Ouvertüre.

Überraschung:         
Trotz der eher konservativ wirkenden großen Ausstattung sind die Darsteller natürlich, echt und unaufgesetzt komisch. Alle tanzen atemberaubend gut. Der Film-Rahmen schafft immer wieder die nötige Distanz, und die ästhetische Gratwanderung gelingt.       

Größte Lacher:     
Der Auftritt des Herren-Balletts als mobile Rosenlaube im Buffoduett Rosemarie – Bondy. Auch die anderen Kostümscherze sitzen und sprühen vor Einfallsreichtum. Auch der putzige Auftritt des Knaben-Chores der Oper Leipzig als Rosemaries Bruderschar muss erwähnt werden.

Gelungenste Szene:     
Die Stummfilmszene "Rose der Prairie", in der sich Mary und Sándor vor den Gazevorhang setzen, hinter dem das Ballett eine herrlich kitschige Wildwest-Romantik-Pantomime spielt. Großes Kino! Alle Tanzszenen in der Choreografie von Kati Heidebrecht sind außerdem absolut mitreißend.

Urkunde Oktober 2018 "Die Herzogin von Chicago", Musikalische Komödie Leipzig | Bildquelle: BR-KLASSIK, Operette Bildquelle: BR-KLASSIK, Operette

Verblüffend:    
Die nicht enden wollende Fülle an Kostümen, die Leif-Erik Heine stilgerecht im 20er Jahre Look entworfen hat. Zu Glitter und Glamour kommen noch die überbordenden Sylvarischen Folklore-Roben und Uniformen. Die Werkstätten der Musikalischen Komödie haben sich selbst übertroffen.

Herausragend:  
Ist das schillernde Zusammenspiel zwischen Szene und Musik. Dirigent Tobias Engeli durchlebt mit dem Orchester jede Szene und sorgt für konstant lebendigen Puls und schmachtendes Innehalten. Ulrich Wiggers Regie ist genau auf diese emotionalen Wechselbäder abgestimmt und die Dialoge sitzen perfekt.

Aha-Effekt:   
Der Spagat zwischen großer Ausstattungsoperette und der Wiederbelebung eines vergessenen Werkes kann gelingen, wenn wie in Leipzig geschickt gekürzt wird, ohne das Material zu beschneiden. Auf Nummern wie "Voulez-vouz, Papachen" möchte man einfach nicht verzichten, besonders wenn ein so agiles Ensemble zur Verfügung steht.

Berührend: 
Die glaubhaft dargestellte Verzweiflung der beiden Verliebten, vor allem Lilli Wünscher, die sich in ihrer Solonummer beeindruckend tänzerisch und sängerisch entäußert.

Mutig, neu, zeitgemäß:
Den enormen Aufwand, den "Die Herzogin von Chicago" braucht, hat die Musikalische Komödie Leipzig nicht gescheut. Sie hat sich mit Haut und Haar auf die Handlung und den dazu gehörenden musikalischen Kampf zwischen Charleston und Walzer eingelassen – und die Geschichte in den 20er Jahren verortet, ohne den Bezug zum Heute zu vernachlässigen. Trotz leichter Verstärkung der Solisten hat der Dirigent es geschafft, durch differenzierten Orchesterklang im Graben und auf der Bühne in einem beengten Haus wie der MuKo einen echten, selten zu hörenden Operetten-Sound zu kreieren, der aber nicht ins Musical abgleitet.

Sei kein Frosch, küss ihn: Die Redaktion Operette ist überzeugt und gratuliert der Musikalischen Komödie, dem Regieteam und allen Ausführenden zu großem Operettenmut

Inszenierung: Ulrich Wiggers
Musikalische Leitung:
Tobias Engeli
Choreographie:
Kati Heidebrecht
Bühnenbild/ Kostüme:
Leif-Erik Heine

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