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BR-KLASSIK vergibt September-Frosch "Die Rache der Fledermaus" in Winterthur/Schweiz

Der Operettenfrosch September 2018 "Die Rache der Fledermaus" nach Johann Strauß im Casinotheater, Winterthur/Schweiz - nach Johann Strauß. Eine Inszenierung von Stefan Huber.

Steckbrief

"Die Rache der Fledermaus" - nach Johann Strauß - im Casinotheater, Winterthur/Schweiz. Regie: Stefan Huber

Los geht´s …    
…mit Ouvertüre, aber gesungen und zwar so, dass die gesamte Vorgeschichte erzählt wird.

Überraschung:         
Es gibt kein Bühnenbild, nur eine leere Bühne und ein paar Sessel, dahinter die 60er Jahre-Combo mit den 3 Zucchini Sistaz, dem 13 Instrumente-Virtuosen Francesco Carpino und Kai Tietje am Flügel und am Akordeon. Animierende Show-Atmosphäre!

Größte Lacher:     
Der Auftritt von Stefan Kurt als Frosch - ein einziger 20-minütiger Lacher. Dieser Frosch ist ein Tragikkomiker des Alkoholismus mit berndütschen Sprach- und sonstigen Körper-Verrenkungen. Am lautesten gelacht, wird, wenn er den Schweizer Schlager von Gottfried Stutz anstimmt, der kein Kiosk sein will und keine Bank. Kurt ist aber beides: ein Kiosk an Komik und eine sichere Bank für Lacher.

Operettenpreis Frosch September 2018 "Die Rache der Fledermaus", Casinotheter Winterthur/Schweiz | Bildquelle: BR-Klassik Operetten-Boulevard Bildquelle: BR-Klassik Operetten-Boulevard



Gelungenste Szene:     
Wenn das Fest bei Orlowsky vom Skurrilen ins Sentimentale kippt und die allgemeine Verbrüder- und Verschwesterung in den Rausch. Danach ist Pause. Und das Publikum ist ebenfalls berauscht - ohne Alkohol.

Verblüffend:    
Wie jeder Figur eine Epoche zugeordnet ist. Das Ehepaar Eisenstein stammt offensichtlich aus der Entstehungszeit um 1874. Die Geschwister Pfister, privat ein Ehepaar, parodieren sich selbst mit einer Rosalinde en travestie. Ins 19. Jahrhundert gehört auch Stefanie Dietrichs Orlowsky: lebensprall und mit hoher Stimme, während der Alfred von Alen Hodzovic einer Disco der 70er Jahren entsprungen scheint und Gabriela Ryffel als fidele Adele im Stile eines 60er Jahre-Girlies glänzt. Anachronismen als Inszenierungskonzept.

Herausragend:  
Dieser Anachronismus entwickelt sich aus der Musik, wird aus ihr herausgehört und wieder zu Musik gemacht. Johann Strauß reloaded: die Fledermaus klingt hier ganz neu, mal südamerikanisch exotisch, mal rockig, mal bodenständig - aber immer im Duktus des Walzerkönigs, ohne Melodie und Text der Nummern zu ändern. Was Kai Tietje da für seine fünf Musiker neu arrangiert hat, ist schlichtweg hinreißend.

Aha-Effekt:   
Dass sich die oft in Opernhäusern viel zu groß besetzte Fledermaus so glatt und so schlüssig in ein schlankes Kammerspiel verwandeln lässt. Dazu braucht es nicht viel: eine leere Bühne, ein paar Requisiten, stilechte Kostüme - und 9 passend besetzte Schauspieler, von denen alle gut singen können, aber nur 3 wirklich auch Sänger sind.

Berührend: 
Die ganze erst so überzeichnet und so skurrile Verwechslungs- und Rachegeschichte im Gefängnis geht schließlich doch noch ans emotional Eingemachte.

Mutig, neu, zeitgemäß:
Mutig: das ganze Unterfangen, den Operettenklassiker zeitgemäß herunter zu brechen. Neu: dass dies vor allem von der Musik ausgeht, zeitgemäßer Sound zu einer zeitgemäß schrägen Satire aus dem bürgerlichen Heldenleben. Ein gelungenes Experiment, die Fledermaus im Taschenformat. Ihrem Titel jedenfalls wird die Aufführung voll gerecht: Die Rache der Fledermaus.

Sei kein Frosch, küss ihn:
Die Redaktion Operette ist überzeugt und gratuliert dem Festival, dem Regieteam und allen Ausführenden zu großem Operettenmut.

Inszenierung: Stefan Huber
Choreographie:
Danny Costello
Musikalische Leitung:
Kai Tietje
Bühnenbild:
Heike Seidler/Stefan Huber
Kostüme: Heike Seidler
Lichtdesign: Stefan Nievergelt/Stefan Huber
Sounddesign: Thomas Wand

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