BR-KLASSIK

Inhalt

Der März-Operetten-Frosch 2016 "Schön ist die Welt" am Theater Ulm

Was? Operette ist altmodisch? Wieso? Operette findet doch bis heute in jeder Ausgabe von Klatschmagazinen statt. Und solche Geschichten machen ihre LeserInnen glücklich. Sagt diese Inszenierung. Denn eigentlich ist sie eine Klatsch- und Tratsch-Geschichte, gelesen und erlebt von einer älteren einsamen Dame IM Groschenroman. Quietschig bunt und kitschig ist das - witzig ist das! - dazu die Personen mutig gegen den Strich gebürstet.

Die FROSCH-Begründung für "Schön ist die Welt" am Theater Ulm

Die rassige del Rossa, Mercedes mit Vornamen und Tangotänzerin von Profession ist unter ihrem neckischen Kleid ziemlich behaart. Die Soubrette ist ein Buffo und der Tenor ein Bass-Bariton. Verkehrte Welt, aber trotzdem schön!

Regisseur Benjamin Künzel schafft es, aus einem eigentlich unspielbaren Stück mit hohem Fettgehalt eine spielerisch-ironische Hommage an die Operette zu machen, mit allen Klischees, die man so hasst und die dennoch zu diesem Genre gehören. So gibt es wie bei Lehár reichlich Herz, Schmerz, Schmalz und Balz. Künzel würzt das aber gekonnt mit Scherz, Ironie und tieferer Bedeutung, so dass ein richtiger Leckerbissen herauskommt.

Die Behauptung seines Intendanten, er sei nur auf die Welt gekommen, um sie mit der Operette zu beglücken, ist in jeder Szene spürbar. Das ist für Kenner ein anspielungsreicher Genuss und für das Normalpublikum ein Heidenspaß.

Besonders aber merkt man den Spaß auch den vier Sängern an - und der Schauspielerin Ulla Willick. Sie spielt die den Groschenromanen verfallene Annegret so feinfühlig, dass man trotz aller ironischen Brechungen der Inszenierung ihre klischeehaften Sehnsüchte ernst nimmt. Als Prinzessin Elisabeth vollführt Maria Rosendorfsky mit ihrer Stimme wahre Kunststücke. Stilsicher wechselt sie von Opern-Koloraturen zu Musical-Belting, während ihr Partner J. Emanuel Pichler seine Tenorrolle als Bass-Bariton spielerisch meistert. Tenor Thorsten Sigurdsson gibt als Soubrette mit der Soubrette Evelyn Manja als Buffo ein reizendes Paar ab.

Urkunde "Frosch des Monats März - "Schön ist die Welt" für das Theater Ulm | Bildquelle: BR-Klassik Operetten-Boulevard Bildquelle: BR-Klassik Operetten-Boulevard .

Den Verzicht auf ein Orchester macht Pianistin Alwina Meissner im Sennerinnen-kostüm vergessen. Sie ist wie das ganze Ensembleoriginell kostümiert. Vor allem die Crossdressing-Besetzung kommt darin überaus gewitzt zur Geltung. Mona Hapkes Ausstattung greift geschickt die Groschenromanidee der Inszenierung auf und entwirft als Bühnenbild ein begehbares Bilderbuch, das wunderbar auf die kleine Bühne passt.

Fazit: Künzels Blick auf den späten Lehár kitzelt dessen verborgene Ironie so hervor, dass es jeder verstehen kann und dabei bestens unterhalten wird.

"Schön ist die Welt" wird selten gespielt, daher besonderes Lob für Operettenmut!

Frosch erfolgreich geküsst !

Steckbrief

„Schön ist die Welt“ von Franz Lehár  am Theater Ulm in der Inszenierung von Benjamin Künzel.

Los geht´s …    

Vor einer Bilderbuchkulisse im wörtlichen Sinn, die sich im Laufe der Aufführung umblättern lässt wie ein Groschenroman. Und inmitten einer Ansammlung solcher Heftchen sitzt Annegret und träumt sich in die Welt von Kronprinz Georg und seiner Prinzessin Elisabeth.

Überraschung: 
Die rassige del Rossa, Mercedes mit Vornamen und Tangotänzerin von Profession ist unter ihrem neckischen Kleid ziemlich behaart. Kein Wunder, wird sie doch vom Tenor Thorsten Sigurdsson verkörpert..     

Größter Lacher:
Wenn sich die Erhebung in Kronprinz Georgs Lederhose als Deo-Spray entpuppt - zum Schrecken von Prinzessin Elisabeth, die auf andere Gipfel gehofft hat. Da kann Georg nur noch mit seinem Tauber-Lied bitten: "Liebste, glaub' an mich!"

Gelungenste Szene:  

... der Lawinenabgang mit Wattebäuschen und tanzenden Schafen.

Verblüffend:          
Auch ein Bass-Bariton kann eine Tenorpartie singen, ein Tenor hingegen auch eine Soubrettenrolle und eine Soubrette den Buffo.

Mutig, Anders, Neu:    

Eine als sentimental geltende Lehár-Operette ganz leicht und spielerisch zu präsentieren, noch dazu eine, die man kaum noch anderswo sehen kann.

Herausragend:   

Maria Rosendorfsky, die mit ihre Stimme alles machen kann von Opern-Koloraturen bis Musical-Belting - und das immer mit stilistischem Gespür.

Aha Effekt:   
Es gibt ein Happy-End!"

Berührend:        
Wie die Schauspielerin Ulla Willick die den Groschenromanen verfallene Annegret so feinfühlig verkörpert, dass man trotz aller ironischen Brechungen der Inszenierung ihre klischeehaften Sehnsüchte ernst nimmt.

Entstaubt und zeitgemäß:     
Trotz des ganzen Yellow-Press-Themas ist die Aufführung absolut zeitgemäß. Nicht mal beim Blättern im Alpenpanorama wirbelt Staub auf.

Sei kein Frosch, küss ihn:

Die Prinzessin vom Operettenboulevard ist überzeugt und beeindruckt und gratuliert dem Intendanten - und auch dem Ensemble - zu seinem Operettenmut.       

    

    AV-Player