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Sonntagskonzert mit dem Münchner Rundfunkorchester Saint-Saëns: "Proserpine"

"Proserpine" von Camille Saint-Saëns ist eine Rarität. Das Münchner Rundfunkorchester päsentierte die Oper im 1. Sonntagskonzert der Saison 2016/17. Mit Ulf Schirmer am Pult im Prinzregententheater. Wie bei früheren Kooperationen mit der venezianischen Stiftung Palazzetto Bru Zane war die Mezzosopranistin Véronique Gens mit von der Partie.

Sopranistin Véronique Gens | Bildquelle: ©  Franck Juery/Alpha Classics

Bildquelle: © Franck Juery/Alpha Classics

Im dritten Akt von Camille Saint-Saëns’ Oper Proserpine ruft die Titelfigur ihre mythologische Namensgeberin an: Proserpina, die Göttin der Unterwelt. Hier, in der Schlüsselszene des Werks, offenbart sich die ganze Tragik dieser Frau, die sich nach der wahren Liebe sehnt, sich dabei jedoch bewusst ist, dass sie diese niemals finden wird. Proserpine, die Kurtisane, bezeichnet sich und die antike Göttin als "reines sans soleil", als "Königinnen ohne Sonne". So wie die Göttin fernab des Tageslichts lebt, so lebt die Kurtisane weit weg von der Liebe.

Oper in voller Länge zum Anhören

Frauenfiguren im Zentrum

Damit erschöpfen sich aber auch schon die Bezüge zur Mythologie. Proserpine ist vielmehr das Drama einer schillernden Frau, die niemals gegen die lichte Reinheit ihrer Nebenbuhlerin Angiola im Kampf um das Herz Sabatinos ankommen kann, aber dennoch die um ein Vielfaches faszinierendere Persönlichkeit ist. Der Kontrast zwischen diesen beiden Frauenfiguren, der zum Schattendasein Verdammten und der engelsgleich Leuchtenden, bildet das dramaturgische Zentrum der Oper, um das herum das gesamte Drama aufgebaut ist. Leidenschaft, Geheimnis und dunkle Glut auf der einen Seite, Klarheit und Anstand auf der anderen.

Aus Theaterstück wird Drame lyrique

Historische Darstellung der Oper "Proserpine" | Bildquelle: © Palazzetto Bru Zane Bildquelle: © Palazzetto Bru Zane Als Saint-Saëns auf das 1838 geschriebene Theaterstück "Proserpine" stieß, ein Jugendwerk des im literarischen Umfeld von Victor Hugo tätigen Schriftstellers Auguste Vacquerie, war er sofort begeistert von der geheimnisvollen Titelfigur und vom opulenten Renaissanceambiente der in Florenz angesiedelten Handlung. Komponist und Autor kamen bereits über eine Oper im italienischen Stil überein, da der Schauplatz dies nahelegte, das Projekt konnte jedoch nicht verwirklicht werden. Erst mehrere Jahre später, als sich Saint-Saëns und Vacquerie bei einem Diner im Haus Victor Hugos wiederbegegneten, wurde die Idee erneut aufgegriffen, und man zog Louis Gallet als Librettisten hinzu, der aus dem Dramentext ein Opernlibretto machen sollte: nun allerdings ein Drame lyrique "à la française".

Feuer im Theater

Die Uraufführung fand schließlich am 14. März 1887 an der Opéra-Comique in Paris statt. Proserpine stand jedoch von Anfang an unter einem ungünstigen Stern, da bereits elf Tage nach der Uraufführung in der Salle Favart, der Spielstätte der Opéra-Comique, ein verheerender Brand ausbrach, der die Kulissen und einen großen Teil des Notenmaterials vernichtete. Lediglich die Orchesterpartitur wurde verschont, jedoch war an weitere Aufführungen vorerst nicht zu denken. So blieb die Oper bis heute eines der am meisten vernachlässigten Stücke von Saint-Saëns.

Palazzetto Bru Zane - Centre de musique romantique française

Der "Palazzetto Bru Zane – Centre de musique romantique française" (Zentrum für französische Musik der Romantik) hat es sich zur Aufgabe gemacht, französischen Musikschätzen von 1780 bis 1920 wieder zu gebührender Ausstrahlung zu verhelfen. Sein Sitz ist in Venedig in einem restaurierten barocken Palast (Casino Zane) aus dem Jahr 1695.
Die Aufführungen von Charles Gounods Oper Cinq-Mars in München sowie am Theater an der Wien und an der Opéra Royal in Versailles bildeten 2015 den Auftakt zu einer längerfristigen Kooperation zwischen Palazzetto Bru Zane und dem Münchner Rundfunkorchester. Im Januar 2016 folgte Benjamin Godards Oper Dante in München und Versailles. Das dritte gemeinsame Projekt ist nun Camille Saint-Saëns’ Proserpine; auch dieses Werk wird bei den Münchner Sonntagskonzerten und in Versailles präsentiert.

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