BR-KLASSIK

Inhalt

Diese großen Stimmen feiern 2018 Jubiläen "Glücklich ist, wer nie vergisst!"

"Ich kriege immer wieder Fanpost", erzählte Birgit Nilsson lange nach ihrer großen Karriere. "Aber die meisten Briefe sind eigentlich für Brigitte Nielsen bestimmt und die Fans haben den Namen verwechselt." Also Busen- statt Stimmwunder. 2018 wäre die Sängerin Birgit Nilsson 100 Jahre alt geworden. Ein Überblick zu den anstehenden Jubiläen im kommenden Jahr.

Birgit Nilsson | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Sie waren die gefeierten Heroinen ihrer Zeit, ohne sie beide (und Martha Mödl als Dritte im Bunde) wäre das "Nachkriegs-Bayreuth" undenkbar gewesen. Ihre Interpretationen, vor allem bei Wagner und Strauss, setzen bis heute Maßstäbe: Astrid Varnay und Birgit Nilsson. Untrennbar sind ihre Namen mit den hochdramatischen Partien verbunden, den Marathonrollen des Repertoires, den stimmlichen Mount Everests: Brünnhilde, Elektra, Isolde… Diese Rollen teilten sich die Sopranistinnen, ohne wirklich Konkurrentinnen zu sein. Denn schon damals waren erstklassige Hochdramatische eine Rarität, was den Primadonnen eine Existenz Neben- und Miteinander ermöglichte, und mehr noch: Raum gab für gegenseitige Wertschätzung. Während Nilsson sich ihre trompetengleich strahlende, mühelose Höhe bis zum Karriereende erhielt und bis zum Schluss mit Partien wie der "Färberin" (Frau ohne Schatten), Tosca oder Turandot reüssierte, wechselte Varnay das Fach. Quasi als zweite Karriere setze sie Meilensteine in Sachen Darstellung und Ausdruck. Gerade in München war sie auf Charakterrollen wie Klytämnestra ("Elektra"), Küsterin ("Jenufa") oder Herodias ("Salome") abonniert. Ihre Expressivität würdigte schon Wieland Wagner, Bayreuths szenischer "Entrümpeler", mit dem legendären Satz: "Was brauche ich einen Baum auf der Bühne, wenn ich die Varnay habe?" 2018 wären die beiden großen Sängerinnen, die sich neben Humor und vielen Rollen auch den Jahrgang teilten, 100 Jahre alt geworden.

… und ich wäre so gerne eine Primadonna gewesen
Christa Ludwig

Eine, die in das dramatische Sopranfach immer wieder Ausflüge unternahm, war Christa Ludwig. Groß war ihr Stimmumfang, ungemein reich ihre Farben, vollendet ihre Technik, begnadet ihre musikalische Intelligenz und ihr Stilempfinden. All das ermöglichte Ludwig Partien wie Leonore ("Fidelio") oder Färberin ("Frau ohne Schatten"). Doch sie war klug und beließ es bei handverlesenen Auftritten im fachfremden Terrain, denn: "Es gab wunderschöne Sopranrollen, die ich singen konnte. Oder ich habe es versucht und ich konnte es auch singen für einige Jahre. Aber es war natürlich eigentlich über meine Möglichkeiten, und deswegen bekam ich auch Angst. Ich bin ja ein Mezzosopran." Als solcher hat sich Christa Ludwig unsterblich gemacht, ob als Opernsängerin von Mozart über das italienische und französische Repertoire bis hin zu Strauss und Wagner, als Konzertsängerin oder Liedinterpretin. Sie ist das, was sie im Titel ihrer Autobiographie noch als unerfüllten Wunsch - leicht kokettierend - formuliert: "… und ich wäre so gerne eine Primadonna gewesen". Am 16. März feiert Christa Ludwig ihren 90. Geburtstag.

Mit Temperament und Allüren

Koloratursicherheit, schwebende Höhen, berückende Piani: all diese Eigenschaften verbinden Edith Mathis und Kathleen Battle. Viel mehr aber auch nicht. Während die Schweizerin Mathis - sofern sich das von außen beurteilen lässt - der Inbegriff von vornehmer, eleganter Zurückhaltung ist, machte die Amerikanerin Battle auch mit aufbrausendem Temperament, Allüren und Skandälchen auf sich aufmerksam. Von der New Yorker Met wurde sie wegen "unprofessionellen Verhaltens" Mitte der 90er Jahre sogar spektakulär rausgeschmissen. Am 13. August feiert Kathleen Battle ihren 70., Edith Mathis am 11. Februar ihren 80. Geburtstag.

Gleich zwei bedeutende Sängerinnen starben vor 25 Jahren früh, unerwartet und von abertausenden Fans beweint: Lucia Popp und Tatjana Troyanos (die außerdem am 12. September ihren 80. Geburtstag begangen hätte). Beide wurden nur 54 Jahre alt, doch ihre großen Rollen und herrlichen Stimmen leben bis heute weiter.

Große Stimme im Weltall

Edda Mosers Stimme ist nicht nur Klassikfans ein fester Begriff, sondern auch (möglichen) außerirdischen Lebewesen. Ihre glutvolle Interpretation der Königin der Nacht ("Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen") ist die einzige "klassische Arie" auf der sogenannten "Voyager Golden Record". Dabei handelt es sich um vergoldete Datenplatten, die auf den interstellaren Raumsonden Voyager 1 und 2 angebracht sind. Sie enthalten Informationen über die menschliche Spezies und sollen Kontakt zu möglichem außerirdischen Leben herstellen. Ein Dokument, das Zeit und Raum übersteigt und durch das Edda Moser, deren Geburtstag sich am 27. Oktober zum 80. Mal jähren wird, (vorläufig) uneinholbar zur weitestgereisten Opernsängerin aller Zeiten wurde.

Die Herren sind unter den Jubilaren 2018 in der klaren Unterzahl. Doch es befinden sich klangvolle Namen darunter, wie Simon Estes (80. Geburtstag am 2. März), Kurt Moll (80. Geburtstag am 11. April) oder Hermann Prey (20. Todestag am 22. Juli).

Sendung: Sängerjubilare - Eine klingende Vorschau am 1. Januar 2018 ab 14.05 Uhr auf BR-KLASSIK

    AV-Player