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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 31. August 2019

Salzburger Festspiele 2019 – Auftakt Mozarts Mahnung, Offenbachs Heiterkeit

Zentrales Thema der Salzburger Sommerfestspiele 2019 sind die großen Mythen der Antike, die ewig gültigen Erzählungen über Schuld und Sühne also. Von ihnen handeln die zentralen Opern-Premieren. Und davon, was sie uns im Spiegel der Musik und ihrer szenischen Deutung heute noch zu sagen haben. Ein Vorbericht aus Salzburg.

Großes Festspielhaus Salzburg | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Beitrag zum Anhören

Mozarts "Idomeneo" in der Regie von Peter Sellars macht den Auftakt. Nach seiner sehr heutigen "Titus"-Interpretation vor zwei Jahren geht es ihm diesmal um die archaische Wucht der Natur in uns und um uns. Idomeneo ist bereit seinen eigenen Sohn den Göttern zu opfern – für Sellars liegen die Parallelen zu den drängendsten Fragen unserer Zeit auf der Hand: "Dies ist das Werk eines Fünfundzwanzigjährigen, der der Welt grundlegende Veränderungen ankündigt", erklärt Sellars seine Sichtweise auf diese Oper und ihren Komponisten. "Es ist Zeit, sagt er, für nachhaltigen Wandel und eine neue Generation mit anderen Prioritäten, neuer Energie und einem starken Willen, die Welt radikal anders voranzubringen. Wir erleben doch gerade, dass eine ältere Generation glaubt, das Richtige zu tun und dabei die Zukunft der jungen Generation und die des Planeten opfert. Es geht um den Umgang mit der Klimakrise und andere Themen, die jede Form von Zukunft verunmöglichen."

Welche Verantwortung tragen wir für Menschen, die dabei sind, ihren Verstand zu verlieren?
Simon Stone zum Konzept seiner 'Medea'-Inszenierung

Außenseiterin wird zur Furie

Auch Regisseur Simon Stone fragt sich in seiner Interpretation von Luigi Cherubinis "Medée": Was kann es Schlimmeres geben, als die eigenen Kinder zu töten? Was treibt Medea an? Er wolle wie ein Dokumentarfilmer vorgehen, der versuche zu ergründen, wie aus einer zunächst willkommenen, dann verstoßenen Außenseiterin eine blindwütig von Rache getriebene Furie werde: "Das finde ich so wunderbar an der Erkundung des Stoffes", sagt Stone. "Man kann ihn als grausamen Akt einer seltsam schrecklichen Hexe lesen oder man kann sich sagen: Nein, ihr Tun ist absolut logisch und es überrascht, dass so etwas nicht öfter geschieht. Ich will die soziale Geschichte erzählen, und welche Verantwortung wir für Menschen tragen, die dabei sind, ihren Verstand zu verlieren."

Schuld und Schicksal

Der Regisseur Achim Freyer | Bildquelle: picture alliance/YONHAPNEWS AGENCY Der Regisseur Achim Freyer | Bildquelle: picture alliance/YONHAPNEWS AGENCY Der rumänische Komponist George Enescu hat in seiner Oper "Oedipe" die Geschichte des schuldlos schuldigen Ödipus vertont, dem geweissagt wurde, er werde seinen Vater töten und seine Mutter heiraten. Der 85-jährige Regisseur und bildende Künstler Achim Freyer, dessen legendäre Salzburger "Zauberflöten"-Inszenierung 1997 noch in guter Erinnerung ist, wird die Oper auch als sein eigener Kostüm- und Bühnenbildner interpretieren. Dabei geht er der Frage nach, welche Rolle Schuld und Schicksal spielen: "Wir machen ja mit Theater immer eine Art Selbstbildnis. Wenn wir zurückblicken und fragen: Was war Schicksal, was war Absicht und was war Schuld? Wenn man eine Hitler-Figur sieht, die vieles manipuliert und sich schuldig gemacht hat – da spielt das Schicksal nur eine sekundäre Rolle. Es gibt aber andere Menschen, die mit dem Schicksal demütig verfahren und umgehen. Oedipus ist eine Summe all dieser Dinge."

Weitere Highlights

Eine eher heitere Exkursion in mythische Gefilde verspricht Barrie Kosky, der Jaques Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" inszenieren wird. Dazu kommen Verdis "Simon Boccanegra" in der Regie von Andreas Kriegenburg und die Pfingstfestival-Wiederaufnahme von Händels "Alcina", mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle. Gemeinsam mit der "Ouverture Spirituelle" – mit Musik, die sich vornehmlich Schmerz und Klage widmet – bietet der Salzburger Sommer ein intensiv-dichtes Programm.

Die Salzburger Festspiele auf BR-KLASSIK

Alle Informationen zu den Live-Übertragungen der Salzburger Festspiele und aktuelle Kritiken, finden Sie hier.

Sendung: "Allegro" am 19. Juli 2019 um 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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