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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 30. August 2018

Kritik - Donizettis "Lucrezia Borgia" in Salzburg Ohrwurmtaugliche Emotionen

Star-Tenor Juan Diego Flórez und seine Sänger-Kolleginnen und -kollegen sorgten am 27. August dafür, dass diese konzertante Aufführung von Donizettis "Lucrezia Borgia" zu einem veritablen Stimmen-Fest wurde. Daran konnte auch Marco Armiliatos eher hölzernes Dirigat nichts ändern.

Oper Lucrezia Borgia -Konzertante Aufführung bei den Salzburger Festspielen 2017- Gaetano Donizetti  Lucrezia Borgia 2017: Gleb Peryazev (Apostolo Gazella), Ilya Kutyukin (Ascanio Petrucci), Ilker Arcayürek (Oloferno Vitellozzo), Mingjie Lei (Jeppo Liverotto), Andrzej Filończyk (Gubetta), Marco Armiliato (Musikalische Leitung), Teresa Iervolino (Maffio Orsini), Juan Diego Flórez (Gennaro), Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Mozarteumorchester Salzburg | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Die Kritik zum Anhören

Es wurde viel gestorben auf den Bühnen dieses Salzburger Festspielsommers, doch niemand war bei seinem nahenden Tod von so ungebrochen schöner Musik umgeben wie der junge Hauptmann Gennaro, den Juan Diego Flórez mit tenoraler Höhenstrahlkraft gestaltet. Gennaro ist der Sohn von Lucrezia Borgia, weiß aber nicht von seiner Abstammung. Die Giftmischerin Lucrezia Borgia ist allerdings die erklärte Feindin seiner Freunde. Genaro selbst liebt die schöne Frau, sie wiederum erhofft sich durch ihn Rettung aus ihren Alpträumen, entdeckt plötzlich menschliche und vor allem mütterliche Gefühle. Zwischen Rache und Eifersucht geht es immer wieder um Liebe, obwohl die Herrschaften im Moment zuvor noch Todesfeinde waren. Alles irgendwie sehr verworren, aber die Geschichte bietet Raum für jene großen Emotionen, die Donizetti in klangliche Schönheit umgesetzt hat.

Viele starke Stimmen

Die Aufführung lebt - außer von Flórez' Tenor - auch von anderen außergewöhnlichen Stimmen: Die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova bringt für die Titelpartie, eine zwischen Liebe, Rache und Reue zerrissene Frau, mannigfache Farben und Fassetten mit; fast möchte man Mitleid empfinden. Ihren entschiedensten Gegner findet Lucrezia in Maffio Orsini, gesungen mit stürmischer Energie und Unbekümmertheit von der jungen italienischen Mezzosopranistin Teresa Iervolino. Sie wird in dieser Rolle in der nächsten Saison auch an der Bayerischen Staatsoper zu hören sein. Ein Motor der tragischen Entwicklung ist Borgias vierter Ehemann Don Alfonso, Ildar Abdrazakov singt ihn mit dämonischem Bass. Am Pult des Mozarteumorchesters steht Marco Armiliato, er ließ Donizettis Musik ziemlich trocken und hölzern exekutieren und hatte in manchen Passagen Mühe, nicht außer Tritt zu kommen.

Jubel am Schluss

Zwei konzertante Opern haben die Festspiele in diesem Sommer angesetzt, Verdis "I due Foscari" mit Plácido Domingo und nun eben "Lucrezia Borgia" mit Juan Diego Flórez. Manchmal habe die Begeisterung des Publikums für seine Stars durchaus auch Berechtigung in einem Festivalprogramm, meint die Festspielleitung. Und Begeisterung stand dann auch am Ende der Aufführung: mit Jubel und tosendem Applaus. Für diejenigen im Publikum, die es gern auch einmal unbeschwert und ohrwurmtauglich lieben, war dieser Abend ein echtes Opern-Fest.

"Lucrezia Borgia" in Salzburg

Es gibt noch eine weitere Vorstellung:

Mittwoch, 30. August 2017, 19.00 Uhr
Salzburg, Großes Festspielhaus

Sendung: Allegro am 28. August 2017, 06.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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