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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 31. August 2019

"Wozzeck" bei den Salzburger Festspielen Ästhetisches Schlachtfeld

Bereits vor 20 Jahren gab es bei den Salzburger Festspielen eine maßgebliche Interpretation des "Wozzeck" - von Claudio Abbado und Peter Stein. In diesem Jahr steht wieder eine Neuinszenierung auf dem Spielplan. Regisseur ist der Künstler William Kentridge, am Pult steht Vladimir Jurowski. Die Titelrolle singt Matthias Goerne, der den Wozzeck bereits einige Male verkörperte: in Zürich, New York und Wien. Bei den diesjährigen Salzburger Festspielen ist diese Rolle für ihn jedoch eine ganz neue Herausforderung. Denn Regisseur William Kentridge bringt einen ausgesprochen visuellen Zugang mit.

Szenenbild "Wozzeck" bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: Salzburger Festspiele / Ruth Walz

Bildquelle: Salzburger Festspiele / Ruth Walz

Auf die Oper "Wozzeck" muss sich Matthias Goerne jedes Mal neu einlassen, so oft er sie auch schon gesungen hat. Denn ein Werk, das den Menschen und die Menschheit im Visier habe, sei jedes Mal wieder eine ganz andere Erfahrung. Schließlich lasse sich die Vielfältigkeit des Individuums auf viele verschiedene Arten beleuchten, so Goerne.

Mit William Kentridge ist das eine vollkommen neue Erfahrung, bedingt durch die große Präsenz seiner eigenen Kunst.
Bariton Matthias Goerne

Kentridge setze auf diese Weise einen ästhetischen Rahmen. Für Goerne ist das ein interessanter Prozess, in dem sich ihm bestimmte Dinge offenbarten, andere jedoch verböten.

Die Inszenierung in Bildern

Krieg als Kohlezeichnung

Regisseur William Kentridge | Bildquelle: Marc Shoul Regisseur William Kentridge | Bildquelle: Marc Shoul Die visuelle Ebene des Regisseurs William Kentridge stellt nicht nur den Wozzeck der Salzburger Festspiele, Matthias Goerne vor neue Herausforderungen. Die ausdrucksstarken Zeichnungen des Künstlers beeinflussen auch die Arbeit von Vladimir Jurowski. Er dirigiere nicht nur die Partitur, sondern die gesamte Inszenierung, sagt der russische Orchesterleiter.

Vor 25 Jahren hat der Künstler und Regisseur William Kentridge sich zum ersten Mal mit Georg Büchners "Woyzeck" beschäftigt und dessen Dramenfragment auf der Theaterbühne inszeniert. In Büchners Worten von 1830 sieht er das, was 80 Jahre später Wirklichkeit wurde, den Ersten Weltkrieg. In seiner Operninszenierung für die Salzburger Festspiele hat William Kentridge diese Worte nun in Bilder verwandelt. Kohlezeichnungen sind auf das gesamte Bühnenbild projiziert: blutige Schlachtfelder, Landschaften voller geköpfter Menschen, die entstellten Gesichter und Körper von Soldaten - katastrophische Szenen, wie sie auch in Kriegsfotografien aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen sind.

In der Oper gibt es viele Momente, in denen Wozzeck die Vision einer Welt hat, die in Feuer und Flammen steht.
Regisseur William Kentridge

Trostlosigkeit auf der Bühne

Szenenbild "Wozzeck" bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: Salzburger Festspiele / Ruth Walz Szenenbild "Wozzeck" bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: Salzburger Festspiele / Ruth Walz Die Bühne ist ein trostloser, verlassener Ort, ein Berg aus altem Holz und Schrott, notdürftig zusammengeschustert, mit alten Erinnerungen an eine schönere Zeit. Seltsame Gestalten treiben sich hier herum, mit Hinkebein und Gasmaske. Der Sohn von Marie und Wozzeck ist eine Handpuppe, mit einer über das Kindergesicht gezogenen Gasmaske. Die Figuren psychologisch auszuarbeiten, ist nicht Kentridges Ziel im "Wozzeck". In der Musik, in dem, was die Künstler auf der Bühne zeigen, sei bereits alles vorhanden, findet der Regisseur.

Winterreise als Inspiration

Mit Matthias Goerne hat Kentridge schon eine "Winterreise" gestaltet. Da war ihm gleich klar, dass Goerne alles mitbringt, was es für den Wozzeck braucht. Goerne habe die ganze Bandbreite zwischen Gewalt und Sanftmütigkeit gezeigt.

Sendung: Allegro am 08. August 2017 ab 06.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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