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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Album des Monats September Manz/Studnitzky "A Bernstein Story"

Man nehme: Zwei Flugtickets nach New York, ein Studio, ein Musik-Idol und zwei Profimusiker, die sich zum ersten Mal begegnen - Klarinettist Sebastian Manz und Jazzpianist, Trompeter und Komponist Sebastian Studnitzky. Wie es klingt, wenn aus diesem Rezept ein Album wird, auf dem zwei musikalische Welten kollidieren? Aufregend!

Manz/Studnitzky "A Bernstein Story" | Bildquelle: © Sevi Tsoni

Bildquelle: © Sevi Tsoni

Manz und Studnitzky. Zwei Sebastians. Der eine Klarinettenstar der Klassikwelt, der andere Jazzpianist, Trompeter und Komponist. Der eine gewann den vorher 40 Jahre lang nicht vergebenen 1. Preis im Fach Klarinette beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD, der andere spielte schon mit Jazz-Legenden wie Nils Landgren und Wolfgang Haffner. Zwei Sebastians in zwei ganz unterschiedlichen musikalischen Welten - so sieht’s schon rein farblich auf dem Cover des Albums "A Bernstein Story" aus.

Die New Yorker Skyline - rot auf grau, grau auf rot - verbindet beide Welten. In der Stadt, in der alles möglich ist, standen sich die beiden zum ersten Mal gegenüber. Eine große Gemeinsamkeit (abgesehen vom Vornamen) gibt’s nämlich doch: Beide sind musikalische Über-Grenzen-Gänger. Profis in ihrem Fach, die Lust auf Spaziergänge in anderen Genres haben. Das gemeinsame musikalische Thema stand schnell fest: Leonard "Lenny" Bernstein. Der amerikanische Komponist, für den New York lange Lebensmittelpunkt und Genregrenzen nie von Bedeutung waren.

Bernstein war der New Yorker schlechthin. Er hat am Broadway seine Musicals abfeiern lassen – das war einfach `ne heiße Zeit.
Sebastian Manz

Volles Risiko

Manz/Studnitzky "A Bernstein Story" | Bildquelle: Berlin Classics Bildquelle: Berlin Classics Also buchten sie kurzerhand ein Studio und zwei Tickets in den "Big Apple". Ganz spontan und ohne vorher einen einzigen Ton miteinander gespielt zu haben. Das erste Treffen? Am ersten Aufnahmetag. Allein bei dem Gedanken würden die meisten Solisten in Ohnmacht fallen.

Im Trailer zum Album sehen die beiden Sebastians aber ziemlich gelassen aus. Sie schlendern lässig mit dem obligatorischen Coffee-to-go-Becher in der Hand über den Times Square und wirken dabei wie alte Freunde. Kumpels, die ein bisschen zusammen jammen – in dem Fall eben auf Weltklasseniveau. "Mich nervt’s, dass wir Klassiker uns immer nur im Kreis drehen. Wir reproduzieren immer nur das, was es schon gibt. Aber man kann ja auch das aufgreifen, was es schon gibt und daraus wieder etwas Neues machen", sagt Sebastian Manz.

Auf dem Album spielen die Musiker nicht nur Bernstein, sie spielen mit Bernstein, nehmen seine Musik unter die Lupe, spinnen Ideen fort, puzzeln Elemente aneinander, nutzen elektronische Sounds und Loops, improvisieren, toben sich aus. Die Elektro-Effekte sind so gut durchdacht und wohldosiert, wie eine aufregende Prise Cayennepfeffer im New York Cheesecake.

Mit dem, was Bernstein in vier, fünf Takten verwendet, können wir Jazzer eine halbe Stunde Musik machen.
Sebastian Studnitzky

Im Fokus der Bernstein-Spielwiese steht die Klarinettensonate. Dazu servieren Sebastian und Sebastian Originalkompositionen von "Lennys" Favorit Igor Strawinsky und Minimalismus-Pionier Steve Reich. Bei Reichs "New York Counterpoint for clarinet and tape" hat das Klavier Pause und Manz lässt die Klarinette über einem sphärischen elektronischen Klangteppich singen. Besonders persönlich wird’s in der schillernden Hommage "Melancolenny".

Das Album zu hören macht einfach Spaß. Man spürt die Aufregung und das Pulsieren der großen Stadt, die Spielfreude der Musiker, die Liebe zu Bernstein. Sebastian und Sebastian sehen mittlerweile nicht nur aus wie Kumpels, sie klingen auch so: perfekt aufeinander abgestimmt und immer im aufmerksamen Dialog. Statt "Bernstein recomposed" gibt es hier eine tiefe Verbeugung vor "Lenny", der bestimmt auch seinen musikalischen Spaß mit den zwei Sebastians gehabt hätte.

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Prelude, Loops and Riffs - Sebastian Manz & STUDNITZKY (Official Music Video) | Jam Session | Bildquelle: berlinclassics (via YouTube)

Prelude, Loops and Riffs - Sebastian Manz & STUDNITZKY (Official Music Video) | Jam Session

Album Info

Sebastian Manz / Sebastian Studnitzky
"A Bernstein story"
Label Berlin Classics

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