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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

SWEET SPOT Radio mit Alexander Krichel - Anhören Hupen statt klatschen

Not macht erfinderisch, heißt ein Sprichwort. Weil ihm das Musikmachen vor Publikum während der Coronapandemie abging, entschied sich der Pianist Alexander Krichel, einen Klavierabend in einem Autokino zu geben. Für ihn eine gute Entscheidung, auch wenn der Applaus etwas anders ausfiel als gewohnt.

Der Pianist Alexander Krichel | Bildquelle: Henning Ross

Bildquelle: Henning Ross

Es liegt an zwei dicht befahrenen Straßen, am Rand von Iserlohn in Nordrhein-Westfalen: Das Autokino am Parkplatz am Seilersee. Knapp 200 Menschen sitzen in 90 Autos verteilt rund um die überdachte Bühne, direkt neben der Leinwand - und beginnen zu hupen, als der Pianist Alexander Krichel in der Abenddämmerung die Bühne betritt und zum Mikro greift.

Keine Konzerthuster, aber Autolärm

Der Pianist Alexander Krichel | Bildquelle: Henning Ross Bildquelle: Henning Ross Für den Pianisten ein komisches Gefühl, da er keine akustische Rückmeldung vom Publikum bekommt. Applaudiert wird per Lichtblende, Blinker und eben mittels Autohupe. Ein völlig neue Situation für den 31-Jährigen, der an diesem Abend das weltweit erste Klavier-Recital überhaupt in einem Autokino gibt. Und diesmal sind es nicht die Konzerthuster, sondern die Autos und LKWs der nahe gelegenen A46, die die Konzentration stören können. Für Alexander kein Problem, wie er sagt. Er sei so stark in der Musik, "dass ich oft nicht mitbekomme, wenn im Publikum was passiert."

Wenn man open air spielt, ist man resistenter.
Alexander Krichel

Keine drei Wochen hat es von der Idee bis zu dem Tag gedauert, an dem Alexander da oben auf der Bühne stand - am 12. Mai, mitten im Lockdown. Die Idee kam ihm im Gespräch mit einem Veranstalter, der Alexander von einem Autokino-Gottesdienst erzählte. Für Alexander, der in Corona-Zeiten genauso wie andere MusikerInnen so gut wie gar keine Konzerte spielen konnte, ist klar: "Bevor ich keine Konzerte spiele, spiele ich Autokino-Konzerte."

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Beethoven "Appassionata" 1st movement | Alexander Krichel | First Classical Drive-in Concert #7 | Bildquelle: Alexander Krichel (via YouTube)

Beethoven "Appassionata" 1st movement | Alexander Krichel | First Classical Drive-in Concert #7

Mitnahme der Komfortzone

Und auf keinen Fall wollte er nur leichte Kost servieren, statt dessen stand auf dem Programm: Beethoven und Liszt. Autokino ist für Alexander eine gute Möglichkeit, Klassik zu erleben - "ohne einen Kodex zu verletzen." Man nehme einfach seine Komfortzone mit, sagt der Pianist. Das Publikum musste keine Sekunde aussteigen, sondern konnte dem Konzert bequem über das Autoradio lauschen und Alexander über die Kinoleinwand sehen. Natürlich gab es auch Kritik an dieser neuen Konzertform. Alexander bleibt aber ganz locker und erwidert: "Ich finde, man muss sich freimachen von diesen Ansichten, die einen auch blockieren."

Einige in der Klassik müssen auch mal von ihrem hohen Ross runterkommen.
Alexander Krichel

Alexander Krichel in SWEET SPOT

Am 20. Juli ist Alexander Krichel im Radio bei SWEET SPOT von ca. 21.10 bis 23.00 Uhr zu Gast. Leider nicht persönlich, aber live zugeschaltet.

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