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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Andreas Martin Hofmeir & Benjamin Schmid "Stradihumpa" CD des Monats März

"Stradiwuzi und Tubarbar", so wollte Andreas Martin Hofmeir die Debüt-CD seines neuen Duos zuerst nennen. Nun wurde daraus "Stradihumpa": Stradivari und Humptata-Musik, Geige und Tuba. Das Versprechen eines "nie dagewesenen Spektakels".

Andreas Martin Hofmeir & Benjamin Schmid | Bildquelle: © ACT / Wolfgang Lienbacher

Bildquelle: © ACT / Wolfgang Lienbacher

Andreas Martin Hofmeir sitzt im Sweet Spot-Fernsehstudio und hat seine "Fanny", wie er seine Tuba liebevoll nennt, fest im Griff. Er ist barfuß, versteht sich. Benjamin Schmid steht daneben, spielt seine Stradivari voller Hingabe, schließt hin und wieder seine Augen. Musiziert wird das Stück mit dem italienisch angehauchten Namen "Schnabulescu Bandini" des österreichischen Komponisten Georg Breinschmid. In einer Kombination von zwei Instrumenten, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen wollen. Musikalisch eröffnen sich da jedoch ganz neue, harmonische Klangerlebnisse.

Das Duo lebt von der Gegensätzlichkeit des Klanges.
Benjamin Schmid

Doch wie kam es zu dieser ungewöhnlichen, wenn nicht sogar weltweit einzigartigen Kombi? "Du, ich hab' ein Attentat auf dich vor," - sagte Hofmeir zu Schmid einmal beim Abendessen. "Ich möchte gerne ein Duo gründen: Tuba und Geige. Weil es das noch nicht gibt." Benjamin schluckte erst, willigte dann aber ziemlich schnell ein.

Weltspitze in Klassik, Jazz und Ausprobieren

So unterschiedlich die Instrumente, so ähnlich doch die Lebensläufe der beiden Musiker: Beide sind ECHO Klassik Preisträger, beide Professoren am Salzburger Mozarteum, beide sowohl in der Klassik als auch im Jazz und Pop zuhause.

Passend zum Titel des neuen Albums konzertiert Benjamin Schmid stets auf einer Stradivari-Violine, der "ex Viotti 1718". Mit dieser betagten Dame an seiner Seite, gastiert er auf den wichtigsten Bühnen der Welt, mit namhaften Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem Philharmonia Orchestra London, oder dem Concertgebouw Orchester Amsterdam. Schmid hat als erster Geiger den Deutschen Schallplattenpreis sowohl in der Kategorie Klassik, als auch im Jazz gewonnen.

Ich wollte eigentlich gar nichts Ungewöhnliches machen, aber es ist nun mal blöderweise so, dass jede Duo-Kombination mit einer Tuba ungewöhnlich ist.
Andreas Martin Hofmeir

Stradihumpa CD-Cover | Bildquelle: © ACT Bildquelle: © ACT Andreas Martin Hofmeir ist ein Grenzgänger. Insbesondere was seinen Instrumenten-Mix angeht. Die Kombination von Tuba und Geige ist nicht seine erste ungewöhnliche Duo-Idee. Auch mit Harfe, Orgel und Gitarre hat er sich schon zusammengetan, um der Welt zu zeigen, was noch so alles in seiner Fanny steckt.

Auch als ehemaliger Tubist von LaBrassBanda hat er schon Erfahrungen mit "musikalischen Experimenten" gesammelt: "Eine Popband ohne Harmonieinstrumente, also kein Klavier, keine Gitarre - nur drei Blechbläser und Schlagzeug. Da hat auch jeder gesagt: Das kann nicht funktionieren." Heute ist die Band nicht mehr von den auch internationalen Konzertbühnen wegzudenken. Neben Pop und Jazz, spielt Hofmeir auch hochvirtuose klassische Solokonzerte und inspiriert zeitgenössische Komponisten für ihn zu schreiben.

Auf ihrem Album pusten und fiedeln sich Hofmeir und Schmid nun kreuz und quer durch alle Genres. Zu entdecken gibt es ausgefallene Arrangements von Klassikern wie Händel oder Bazzini, aber vor allem Originalkompositionen von Willeitner, Duda und Dienz. Letzterer hat drei Lieder unter dem Überbegriff "Concertino vom Lande" für das neue Duo komponiert. Ein Titel aus dieser Reihe trägt den vielversprechenden Namen "Der wankende Traktorfahrer".  Beim Hören entstehen da sofort Bilder im Kopf: Ein Traktorfahrer rumpelt auf seinem alten, sehr lauten, Diesel-Ross durch die Landschaft. Zwischendurch geht's einen steilen Berg hinauf und der Takt des Motors wird träge und langsam, um dann, oben angelangt, wieder zu quietschlebendigen Höchstformen aufzulaufen.

Andreas Martin Hofmeir und Benjamin Schmid bei U21-VERNETZT | Bildquelle: Alescha Birkenholz

Bildquelle: Alescha Birkenholz

Andreas Martin Hofmeir & Benjamin Schmid

Duetto von Jörg Duda

Die Tuba auf Augenhöhe

"Stradihumpa" lässt seine Zuhörer also nicht selten staunen: Da klingt die vermeintlich schwerfällige Tuba ganz oft melodisch und zart, flink und verspielt. Klar, mal übernimmt sie auch ihre gewohnte Rolle als Bassfunktion - dann aber wieder überraschende Solis. Dann ist die Geige im Vordergrund und strahlt mit ihrer perfekten Spielweise, wie man es anders von Benjamin Schmid nicht erwarten würde. Die beiden Instrumente ergänzen sich, sind mal Vorgabe, mal Echo des anderen. Und sie unterstreichen, was Hofmeir bei Tuba-Duos wie diesen wohl wichtig ist: Die Tuba nicht im Schatten einer Stradivari, sondern ganz auf Augenhöhe.

CD-INFOS

"Stradihumpa"
Andreas Martin Hofmeir, Benjamin Schmid
Händel, Bazzini, Breinschmid, Duda, Willeitner, Wieniawski, Dienz, Halvorsen, Koetsier, Bosco
Label: ACT

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