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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Album des Monats November Nightjar in the Northern Sky von Anna Gréta

Es war während der Schlussentspannung in der Yoga-Stunde als Anna Gréta realisierte: Sie ist bereit für ihr erstes eigenes Album. Lange hatte sie schon an Texten geschrieben und mit ihrer Stimme experimentiert. Herausgekommen ist ein wunderbar eindringliches Jazzalbum.

Die junge Musikerin Anna Gréta steht in blauer Jacke vor einem blau-rosa Himmel. | Bildquelle: Birna Ketilsdóttir Schram

Bildquelle: Birna Ketilsdóttir Schram

Seit die Pianistin Anna Gréta für ihr Musikstudium von Island nach Schweden gezogen ist, liebt sie den Herbst. Die bunten Blätter, die angenehmen Temperaturen zwischen warm und kalt, das klare Licht. Das hatte sie in ihrer Heimat Island gar nicht zu schätzen gelernt. Dort ist es im Herbst so windig, dass alle Blätter sofort weggefegt werden – und die Farben verschwinden gleich mit. Anna Gréta beobachtet die Natur ganz genau, die größte Inspirationsquelle für ihre Musik. Ihr neuestes Corona-Hobby wurde zum Beispiel die Vogelbeobachtung. So kam sie auch auf den Albumtitel "Nightjar in the Northern Sky" – Nightjar steht für die seltene Nachtschwalbe. Der unmittelbare Zugang zur Natur ist vermutlich eine ganz isländische Charaktereigenschaft. Anna erzählt: "Alle Isländer sind davon inspiriert, der Natur ausgesetzt zu sein, mit etwas verbunden zu sein, das größer ist als man selbst."

Ich habe das Gefühl, dass jeder nach etwas Einzigartigem in seinem Leben sucht. Das kann die Natur uns geben, wenn wir offen dafür sind.
Anna Gréta

Skandinaviens junge Jazzgröße

Anna ist in Reykjavik aufgewachsen. Neben der Natur gab es da auch ganz viel Musik um sie herum. Ihr Vater ist Saxofonist und hat seine Tochter mit ganz verschiedenen Musikstilen konfrontiert. Für Anna stand lange Zeit das klassische Klavier im Vordergrund bis es ihr zu viel wurde mit Wettbewerben und Meisterkursen. Dann ist sie in die Jazzwelt eingetaucht und hat sich auf die Reise nach ihrem eigenen musikalischen Ausdruck begeben. Und der ist auf ihrem Album "Nightjar in the Northern Sky" ganz melancholisch: Mit ihrer Stimme haucht sie ihren weiten Melodien Leben ein. Bass und Drums umschmeicheln sie, mal mit Saxofon, Gitarre oder Piano an der Seite. Es sind Songs zwischen Jazz und Pop, die eine unendliche Tiefe in sich tragen. Mal erinnern sie an den Island-Pop von Björk, dann wieder an die stimmungsvollen Songs von Norah Jones.

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Anna Gréta "Nightjar in the Northern Sky" | Bildquelle: ACTMusicOfficial (via YouTube)

Anna Gréta "Nightjar in the Northern Sky"

Von Bergen, schlaflosen Nächten und Heimat

Zart ist die Musik von Anna Gréta, melancholisch, und irgendwie blitzt auch ein wenig Demut hervor. Immerhin wagt sich Anna mit ihrer Musik und ihren Texten an die ganz großen Themen heran: die Verbundenheit mit der Natur, das Zusammenleben mit Menschen, die zum Beispiel singen können, wenn die eigene Stimme mal nicht mehr funktioniert. So schreibt es Anne Gréta in ihren ganz poetischen Texten: „You say the words, that I can’t say. You put your finger on what I can't touch. Your voice, it sounds, when I can’t sing.“

Ein Album zwischen Selbstzweifeln und Euphorie

Für Anna Gréta war es überhaupt nicht leicht, ihr Debütalbum zu produzieren. Nach ihrem Erweckungserlebnis in der Yoga-Stunde war sie hin- und hergerissen zwischen plagenden Selbstzweifeln und Euphorie. Zum ersten Mal hatte sie ihre Stimme eingesetzt, die Texte sollten möglichst persönlich sein – es gab viele Dinge, über die sie nachdenken konnte. Doch von der Grübelei ist im Album nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Die Musik klingt nach Freiheit, nach Weite. Es ist, als hätte die junge Musikerin allen Ballast minutiös weggefeilt, um die Musik noch direkter ins Herz schießen zu lassen.

Album-Infos

Nightjar in the Northern Sky
Anna Gréta
Label: ACT

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