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Sweet Spot Radio mit Avi Avital "In sieben Jahren habe ich diese Mission vollendet"

Avi Avital hat die Mandoline vom Hausmusik-Klischee befreit und in den Konzertsaal gebracht. Sein neuester Plan: Die Sonaten und Partiten von Bach mit der Mandoline aufnehmen - aber nur eine pro Jahr.

Mandolinist Avi Avital | Bildquelle: © Harald Hoffmann / DG

Bildquelle: © Harald Hoffmann / DG

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Der Mandolinist Avi Avital

Manchmal sagt jemand etwas und man merkt erst viel später, wie schlau und vorausschauend das war. So wie bei Avi Avital, als er ungefähr zwölf Jahre alt war. Sein Lehrer sagte ihm, er solle sich ein bestimmtes Notenbuch kaufen: Die sechs Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach. "Für den Rest deines Lebens wirst du es in deiner Tasche haben", erinnert sich Avi an die Worte seines Lehrers. "Das ist die 'Bibel' für dich und du wirst diese Musik immer wieder spielen."

Diese Werke sind wie der Mount Everest

Die sechs Sonaten und Partiten sind Werke für Solovioline, Avi spielt allerdings nicht Geige, sondern Mandoline. Als junger Mann studiert er das kleine lautenartige Zupfinstrument in Jerusalem und Padua, erspielt sich nach und nach einen Namen und tourt inzwischen durch die ganze Welt.
Sein Lehrer behielt Recht: Die Sonaten und Partiten spielt Avi immer wieder zur Übung und in Konzerten. Auf ein Album schafften es die Werke allerdings bis jetzt nicht. Auch weil sie so eine besondere Bedeutung haben, sagt der heute 40-Jährige: "Für jeden Violinisten sind die Sonaten und Partiten ein Symbol: Wenn du sie aufgenommen hast, hast du den musikalischen Mount Everest erklommen."

Durch Streaming haben sich die Hörgewohnheiten verändert.
Avi Avital

Mandolinist Avi Avital | Bildquelle: © Harald Hoffmann / DG Bildquelle: © Harald Hoffmann / DG Für die Neuauflage seines sieben Jahre alten Debütalbums "Bach" hat Avi jetzt den Aufstieg begonnen. Begonnen deshalb, weil er nicht alle sechs Sonaten und Partiten aufgenommen hat, sondern nur die zweite Partita mit ihrer Ciaccona, einem der bekanntesten Werke von Bach. "Durch Streaming haben sich die Hörgewohnheiten verändert", sagt Avi. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich mich Zuhause hinsetze, um mehr als zwei Stunden lang alle Sonaten und Partiten hintereinander zu hören." Sein Plan: Jedes Jahr nimmt er eine Sonate oder Partita auf und veröffentlicht sie online. "So kann ich die Stücke im Konzert spielen, sie intensiv studieren und wirklich in die tiefste Tiefe der Werke vordringen. Und in sechs oder sieben Jahren habe ich diese Mission vollendet."

Mandolinenmusik ist immer neu

Große Pläne passen zu Avi Avital, schließlich hat er quasi im Alleingang die Mandoline wieder in den Konzertsaal gebracht. Nicht nur mit Klassik, auch Jazz oder traditionelle Folkmusik hat er in seinem Repertoire. Dafür hat er zahlreiche Preise bekommen, 2010 war er als erster Mandolinsolist überhaupt für einen Grammy nominiert.
Mehr als 100 zeitgenössische Werke wurden für ihn geschrieben, aber auch alte Werke werden durch seine Interpretation besonders - schließlich ist er oft der erste, der sie auf der Mandoline spielt. "Das ist eine Möglichkeit für mich, eine neue Variation, eine neue Perspektive, einen neuen Sound vorzustellen." Ein Sound, der auch der Violinen-'Bibel' einen ganz neuen Reiz gibt.

Das ist eine Möglichkeit für mich, eine neue Variation, eine neue Perspektive, einen neuen Sound vorzustellen.
Avi Avital

Avi Avital zu Gast bei Sweet Spot

Am 11. März 2019 ist Avi Avital live im Radio bei SWEET SPOT von 21:05 bis 23:00 Uhr zu Gast. Es moderieren Katharina Roeb und Felix Hentschel.

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