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Neugierig auf Musik

Klassik Underground - BachSpace Live aus dem Milla-Club in München

So klingt Bach im 21. Jahrhundert: Das Projekt BachSpace tunt den originalen Notentext mit einem feinen Audiodesign aus der Elektro-Wunderkiste. Pianistin Tamar Halperin und Geiger Etienne Abelin liefern das Audiomaterial, Tomek Kolczynski ist der Mann an den Reglern. Die Soundlandschaften der drei Musiker klingen vertraut und trotzdem erfrischend unverbraucht. Ob sich der gute alte Bach da im Grab rumdreht? Wohl kaum. Und wenn, dann nur zum Mitgrooven. Wir haben uns über BachSpace mit Etienne unterhalten.

BachSpace | Bildquelle: ©  Patrick Franck

Bildquelle: © Patrick Franck

Klassik Underground - BachSpace

Live aus dem Milla-Club in München

SWEET SPOT: Wie habt ihr Drei euch für das Bach-Projekt zusammengefunden?

Etienne Abelin: Tamar und ich haben uns in Basel kennengelernt, wir haben da mal gemeinsam gewohnt, in einer Übergangs-WG. Dann haben wir ein paar Projekte gemeinsam gemacht und haben in St. Pölten schon mal eine Bach-Lounge ausprobiert. Wir wollten das auch damals schon kombinieren mit Elektronik. Und dann haben wir weiterentwickelt, überlegt – und Tomek gefunden. Und das war ideal.

SWEET SPOT: Was euch verbindet ist die Leidenschaft für Bach.

Etienne Abelin: Und auch Leidenschaft dafür, zu sagen: Wir wollen sowas Altes wie Bach in einen anderen Kontext stellen als das Gewohnte. Wir sind kontextsensitiv. Ob jetzt ein Bach in einer Kirche gespielt wird oder im Club mit Elektronik, das ist für uns ein Unterschied.

Diese alten Sachen durch die Zeit zu transportieren und in ungewohnte Räume zu stellen. Das finde ich reizvoll.
Eitenne Abelin

SWEET SPOT: Die Aufführungssituation ist also entscheidend?

Etienne Abelin | Bildquelle: Christian Clavadetscher Bildquelle: Christian Clavadetscher Etienne Abelin: Ja. Und das Drumherum. Ich würde mal sagen, wenn jetzt da, wo wir spielen noch ein paar Gläser klimpern, ist das für mich vom Ambiente her schon fast eine Erweiterung von Elektronik-Klängen. Ohne die Elektronik-Kompression jetzt reduzieren zu wollen. Aber diese alten Sachen durch die Zeit zu transportieren und in ungewohnte Räume zu stellen. Das finde ich reizvoll.

SWEET SPOT: Auf eurem ersten Album habt ihr die Stücke in so genannte Constellations portioniert. Was hat es damit auf sich?

Etienne Abelin: Das sind irgendwie Meta-Sonaten. Sätze aus verschiedenen Bach-Stücken, die zu Stimmungsbögen zusammengesetzt sind. Und wir nennen das Constellations, weil es nicht eigentliche Sonaten sind. Bei Bach gibt es ursprünglich drei, vier Sätze in einem Stück. Aber davon nehmen wir nur den ersten und dazu dann noch etwas von einem anderen Stück.

SWEET SPOT: Dann steht die Bezeichnung Constellations auch für eine Art Freiheit?

Etienne Abelin: Ja. Absolut. Die Freiheit, die wir uns nehmen, diese Stücke neu zusammenzusetzen. Und mit Stücken von Tomek zu kombinieren. Und Tomek hat auch bewusst Stücke zwischen zwei andere Bach-Stücke gelegt - und so komponiert, dass sie dann ineinander fließend übergehen können. Aber das Ganze sind letztlich Stimmungsbögen: Dramaturgien. Es ist nicht zufällig, wie sie zusammengestellt sind.

SWEET SPOT: Wie seid ihr genau vorgegangen beim Arrangieren, beim Stücke finden, kombinieren? Hattet ihr Ideen schon im Kopf oder seid ihr gezielt auf die Suche nach Sätzen gegangen, die zusammenpassen könnten?

Etienne Abelin: Viele von den Bach-Stücken kamen von Tamar und auch mir. Wir haben mal alle Sonaten für Klavier und Geige durchgespielt, auch schon ein bisschen was aufgenommen. Und haben uns dann gefragt: Was passt denn eigentlich zusammen. Was würden wir zusammensetzten, wenn wir die Sätze in Ablauf bringen würden, was musikalisch zusammenpasst, wo man auch zwei Stücke z.B. übereinander legen kann. Beispielsweise passiert das in der Constallation 999. Es war dann schon auch so eine Art Band-Arbeit: Gemeinsames Komponieren.

SWEET SPOT: Und dann habt ihr gemeinsam den meisten eurer Constallations auch noch schöne Namen gesucht. Etwa: Constellation Vintage Moon.

Etienne Abelin: Wir haben uns sehr in diesem Namen wiedergefunden. Das Projekt BachSpace hat ja etwas Vintage-mäßiges, etwas von einer Mondlandschaft mit dieser alten Musik.

SWEET SPOT: Zum Schluss noch eine sensible Frage: Wer von euch bei BachSpace ist eigentlich jetzt der größte Bach-Fan?

Etienne Abelin: Tamar (lacht). Mit zehn von zehn Punkten!

Klassik Underground - Die Radio Show live aus der Milla

BachSpace

16. April 2018
Einlass: 19:30 Uhr / Beginn: 21:00 Uhr / Live-Übertragung: 21.05 Uhr
Karten: 15,00 Euro (Abendkasse), 12,00 Euro (+VVK-Gebürhen bei Reservierung/Vorverkauf)

Einmal im Monat geht's für SWEET SPOT, das junge Magazin von BR-KLASSIK, raus aus dem Studio und rauf auf die Bühne im Milla-Club. Immer gemeinsam mit Künstlern aus der Klassikszene.

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