BR-KLASSIK

Inhalt

SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Album des Monats November Christoph Sietzen: "Silence"

Wie es sich wohl anfühlt, im ruhigen Innern eines Wirbelsturms zu stehen, während um einen herum die Post abgeht? Und was wäre, wenn man einfach mal still stehen bliebe und den rasenden Alltag an sich vorbeiziehen ließe? Der Schlagzeuger Christoph Sietzen versucht auf seinem neuen Album "Silence" diese Gefühle auf ganz eigene Art zu beschreiben. Und dabei hilft ihm: die Marimba.

Christoph Sietzen | Bildquelle: Daniel Delang

Bildquelle: Daniel Delang

Stille erlebt Christoph vor Auftritten. Wenn er sich noch mal auf die Musik besinnt, sich fokussiert. Draußen im Saal raschelt und tuschelt es noch, aber in ihm drin wird es ruhig und still. Um dieses innere Gefühl, nicht um die Stille im akustischen Sinne, geht es Christoph Sietzen in seinem neuen Album "Silence".

Zugegeben: Schlagzeug ist nicht unbedingt das erste Instrument, das mit Stille in Verbindung gebracht wird. "Aber es ist ein Instrument mit einer unglaublichen dynamischen Bandbreite", erzählt Christoph. Gerade die zarten und leisen Töne bekommen auf seinem Album einen besonderen Platz. Die Marimba sei dafür genau das richtige Instrument: "Bei den leisen Klängen kann das Instrument unglaublich schön singen." Für sein Album ist der Schlagzeuger also nicht wie sonst ins Schwitzen gekommen, sondern durfte mal entspannen und die Melodien einfach fließen lassen.

Ich habe das als Aufforderung an den Zuhörer aber auch an mich selbst genommen, abzuschalten und das wirklich ganz bewusst zu machen.
Christoph Sietzen

Christoph Sietzen: ein "Great Talent"

In Christophs Künstlerwelt – außerhalb des Albums –  ist es ganz und gar nicht still. Schon mit 27 Jahren ist er Dozent für Marimba und Schlagwerk an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Daneben gibt er viele Konzerte, aktuell zum Beispiel als "Great Talent" am Wiener Konzerthaus. Beim Üben fürs Album war er aber gezwungen sich von der Außenwelt abzukoppeln, das Handy auszuschalten, um selbst zur Ruhe zu kommen. Erst dann konnte er diesen kreativen Raum öffnen, den die Stücke benötigen. "Silence" ist eine Aufforderung zum Innehalten – an sich selbst und an die Zuhörerinnen und Zuhörer.

Stille ist in Musik omnipräsent.
Christoph Sietzen

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Opening (Glassworks) by Philip Glass, performed by Christoph Sietzen (Excerpt) | Bildquelle: Christoph Sietzen - Percussion (via YouTube)

Opening (Glassworks) by Philip Glass, performed by Christoph Sietzen (Excerpt)

Von Bach bis Piazolla

Christoph Sietzen | Bildquelle: Daniel Delang Bildquelle: Daniel Delang Aber Achtung! "Silence" ist kein Album, das ihr mal eben zum Einschlafen hören könnt. Denn es gibt ruhige, aber auch ganz schön aufwühlende Momente. Bei "Opening from Glassworks" von Philip Glass und "Spiegel im Spiegel" von Arvo Pärt lässt sich tief durchatmen – gleichzeitig ist in der Musik eine Melancholie, die auch wehtun kann. Ganz tröstlich und beruhigend klingt danach die Sarabande aus Bachs Suite für Laute, von Christoph selbst für die Marimba arrangiert. Aber auch die Leidenschaft darf nicht fehlen mit Tangos von Astor Piazzolla – Feuer inklusive.

Stille findet sich in jeder Musik – ob laut oder leise, empfindsam oder leidenschaftlich. Und so zeigt uns Christoph mit "Silence" seine persönliche Musiksammlung, die ihm die Stille nahe bringt – und jetzt auch uns.

Album Infos

Christoph Sietzen
"Silence"
Sony Classical
Veröffentlicht: 11. Oktober 2019

    AV-Player