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Neugierig auf Musik

Album des Monats Januar Elsa Dreisig - Morgen

Die große Opernbühne ist normalerweise der Arbeitsplatz von Sopranistin Elsa Dreisig. Rampenlicht und Trubel hinter den Kulissen ist ihr tägliches Geschäft - Elsa liebt die Oper und lebt für die Oper. Doch auf ihrem neuen Album hat sie sich für eine ganz andere Szenerie entschieden: nur sie selbst, ihr Pianist und die Stille.

Elsa Dreisig | Bildquelle: © Simon Fowler- Erato/Warner Classics

Bildquelle: © Simon Fowler- Erato/Warner Classics

Aus der Stille erhebt sich eine träumerische, suchende Melodie. Ein zarter Teppich aus Klavierakkorden, der die sehnsuchtsvolle Sopranstimme trägt: "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen..." - Die französisch-dänische Sopranistin Elsa Dreisig und ihr Klavierpartner Jonathan Ware widmen sich auf ihrem Album "Morgen" den Liedern von Richard Strauss, Sergej Rachmaninow und Henri Duparc.
Die Melodien der Komponisten begleiten die beiden Musiker und den Zuhörer auf einer inneren Reise durch die Seelenzustände, die menschlichen Jahreszeiten: zarte Liebesträume, Frühlingserwachen, Sehnsucht, verblassende Hoffnungen und über allem lauert das Vergängliche, der unüberwindbare Tod.

Sopranistin in Topform

Wenn ich mich gut fühle, dann kann ich im Liederabend viel mehr Emotionen reinbringen als auf der Opernbühne
Elsa Dreisig

Wenn Elsa nicht gerade im Aufnahmestudio steht, haucht sie den schillernden Opernrollen neues Leben ein, zum Beispiel aktuell an der Berliner Staatsoper, wo sie Ensemblemitglied ist. Dann steht ihre Arbeit ganz im Dienst der Rolle, die sich der Komponist zuvor so ausgedacht hat.
Beim Lied hingegen braucht Elsa viel mehr Fantasie und eigene Sensibilität, um an den Text heranzukommen und ihn mit ihrer Stimme aufleben zu lassen. Aber die detaillierte Arbeit lohnt sich, erzählt Elsa: "Wenn ich mich gut fühle und merke, meine Stimme ist in Topform, dann kann ich im Liederabend viel mehr Emotionen reinbringen als auf der Opernbühne."
Und auf ihrem neuen Album "Morgen" ist Elsa in Topform – versprochen!

"Morgen" - eine poetische innere Reise

Elsa Dreisig | Bildquelle: © Simon Fowler- Erato/Warner Classics Bildquelle: © Simon Fowler- Erato/Warner Classics Möglichkeiten zum Austoben bieten die Gedichtvertonungen der drei Komponisten allemal. Texte von Charles Baudelaire, Hermann Hesse oder Igor Severyanin beschreiben Blumen und Mädchen, einen sterbenden Gartentraum oder das goldene Licht der Welt.
Viel Natur, die sich in der Seele der Menschen widerspiegelt. Müsste Elsa sich für einen Seelenzustand, eine Jahreszeit entscheiden, würde sie den Sommer wählen: Die Welt ist voller Wärme, alles glänzt und scheint, die Liebe ist an ihrem Höhepunkt. Und in ihrer Stimme ist dieses warme Gefühl, dieses Lächeln ganz deutlich zu hören.
"Bei Jonathan kann ich ganz natürlich bleiben. Er ist kein Kollege, sondern ein Mensch, dem ich hundertprozentig vertraue. Das hilft, Musik auf der Bühne zu teilen," sagt Elsa Dreisig

Elsa Dreisig singt mit einer poetischen Kraft als wäre da ein Sonnenstrahl in ihrer Stimme, der die Natur um sie herum abtastet, sie einpackt in ihren warmen Klang, in schillernde Farben taucht.
Der Pianist Jonathan Ware breitet ihr dafür einen sicheren Teppich aus, der ganz spontan und intuitiv fließt. Genauso wie unsere Gefühle und Emotionen eben, von denen die Lieder sprechen. Auch wenn müde Augen und ein trauriges Herz zur Seelenreise dazugehören, so fühlt sich das Album trotzdem nach vorgezogenem Frühlingserwachen an!

Album-Infos

"Morgen"
Richard Strauss, Henri Duparc, Sergei Rachmaninoff
Elsa Dreisig, Sopran
Jonathan Ware, Klavier
Label Erato

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