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Neugierig auf Musik

Album des Monats März Emmanuel Tjeknavorian "Tjeknavorian & Sibelius Violin Concertos"

Emmanuel Tjeknavorian hatte die Geige längst zu seinem Instrument erklärt, als er herausgefand, dass sein Vater als Jugendlicher ein Violinkonzert geschrieben hatte. Wie es klingt, gibt's jetzt auf Emmanuels erstem Album mit Orchester zu hören.

Emmanuel Tjeknavorian | Bildquelle: Uwe Arens

Bildquelle: Uwe Arens

Man kann sie sich gut vorstellen, die Kindheit von Emmanuel Tjeknavorian. Wie er als kleines Kind in den Orchesterproben dabei war, wild fuchtelnd neben seinem Vater stand, um die Bläser doch endlich nach seinem Schlag spielen zu lassen. Oft lag auf dem Pult seines Vaters, dem Dirigenten und Komponisten Loris Tjeknavorian, eine Sinfonie von Jean Sibelius. "Als Kind habe ich sehr oft gehört, wie mein Vater die Sinfonien von Sibelius dirigiert hat, insofern ist mir die musikalische Sprache von Sibelius immer vertraut gewesen", sagt Emmanuel heute mit 24 Jahren. Die Musik von Sibelius hat er längst in sich aufgesogen.

Beim Violinkonzert von Sibelius habe ich durchgehend Gänsehaut!
Emmanuel Tjeknavorian

Emmanuel Tjeknavorian wagt sich an Sibelius

Emmanuel Tjeknavorian | Bildquelle: Uwe Arens Bildquelle: Uwe Arens Eine rätselhafte Melodie schwebt empor über dem flirrenden Klangteppich bis das Orchester sie auffängt. Mit dem hr-Sinfonieorchester kann sich Emmanuel Tjeknavorian austoben, sich fallen lassen oder über den Klängen gleiten. Aber Achtung: Aufnahme läuft! Das Violinkonzert wird aufgezeichnet – für sein erstes Album mit großem Sinfonieorchester. Das Werk ist für die Geiger eine ganz heikle Nummer. "Man kann noch so gut vorbereitet sein, im Konzert kann trotzdem Einiges schief laufen", sagt Emmanuel. Aber in Frankfurt ist er in seinem Element, steckt seine ganze Leidenschaft in die Melodien der Geige, lässt sie in den höchsten Lagen strahlen. Beim Violinkonzert von Sibelius habe er einfach durchgehend Gänsehaut, sagt Emmanuel.

Auch Emmanuels Vater ist auf dem Album

Jean Sibelius hatte noch gelebt, als Loris Tjeknavorian – Emmanuels Vater – mit gerade mal 17 Jahren sein Violinkonzert komponierte. Wie im Rausch schrieb er sich die Musik damals in den Sommermonaten von der Seele. Wenn Emmanuel das Violinkonzert seines Vaters heute spielt, lässt er die Geige tanzend von einem Register ins nächste hüpfen, von einer zarten Melodie geht's gleich weiter zum nächsten virtuosen Lauf. Den Sologeiger hat Loris Tjeknavorian nun wirklich nicht geschont. Dass Emmanuel seinen Vater später um ein paar schwierige Doppelgriffe weniger hätte bitten können, ist ihm aber gar nicht in den Sinn gekommen. Rebellisch sei er nun mal von Haus aus nicht, meint er und lacht.

Ich finde es jedes Mal auf's Neue erstaunlich, wie man mit 17 so was komponieren kann.
Emmanuel Tjeknavorian

Wahrscheinlich ist Emmanuel also eher der harmoniebedürftige Typ. Das hört man auf seinem neuen Album. Emmanuel ist immer im Einklang mit dem Orchester und auch mit seinem Instrument – das sieht man, wenn er die Geige so selbstverständlich streicht, als sei sie Teil seines Körpers. Und man hört es, wenn jeder Ton ganz natürlich herausfließt. Nie trieft der Klang vor kitschigem Gefühl, es ist eher die Klarheit und Leichtigkeit, die Emmanuels Geigenklang ausmacht. Eben nicht rebellisch, sondern gelassen und strebend nach der Harmonie.

Album-Infos

Emmanuel Tjeknavorian
"Tjeknavorian & Sibelius Violin Concertos"
Label: Berlin Classics

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